Närrische Zeit - Heppenheimer Fastnacht wird dieses Jahr Corona-bedingt unter dem Motto „Fastnacht dehoam“ im Internet übertragen Vierfarbbuntes Treiben auf dem Bildschirm

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rid
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Der Hutzelschweizer „Bojemoaschder“ Holger Mitsch übernahm die närrische Regentschaft des vierfarbbunten Treibens auf dem Bildschirm. © Sascha Lotz

Heppenheim. „Isch häbb noch nix zu dringge!“ Die „Fastnacht dehoam“ ist erst wenige Minuten alt, da flimmert im Chat des Youtube-Kanals dieser Hilferuf über den Bildschirm. Alles ist eben anders an diesem Fastnachtswochenende, für die passenden Getränke muss man in diesem Jahr ebenso selbst sorgen wie für fastnachtliche Deko. Die Fastnachtssitzung kommt aus der Konserve – doch liebevoll garniert mit frischen Beilagen werden die gut anderthalb Stunden zum Omelette surprise für die Hepprumer Fassebutze.

Keine Alternative

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„Fastnacht dehoam“ ist das Motto des Wochenendes, an dem in der Kreisstadt normalerweise Fastnachtsgott Jokus und der Bär um die Wette steppen. Die Saalfastnacht geht in ihr närrisches Finale, am Sonntag zieht nach dem Fastnachtsgottesdienst in St. Peter der Umzug durch die Straßen und nicht selten säumen bis zu 100 000 Zuschauer den Zugweg. Eigentlich. Aber es ist ja Corona.

Alles ausfallen zu lassen, das war für die Fastnachter keine Alternative. Nach wochenlanger Vorbereitung startete das vierfarbbunte Treiben via Bildschirm am Samstagabend. Der Hutzelschweizer Bojemoaschder Holger Mitsch übernahm die närrische Regentschaft des Abends, unterstützt von Regisseur und Co-Moderator Michael Endres.

„Zuhause heißt dehoam“

Aktuelles und aufgezeichnete Auftritte der vergangenen Jahre aller fastnachtschaffenden Vereine wurden zu einem harmonischen Ganzen, die Übergänge gekonnt moderiert von den beiden Protagonisten. Der Bojemoaschder kam nicht umhin, ab und an einmal zu übersetzen, was Endres so hochdeutsch von sich gab; „Zuhause heißt dehoam. Ihr braucht net extra zuhause zu sein, es reicht, wann ehr dehoam seid“, erklärte Mitsch. Zeitungsredakteur Christopher Frank als „armer Tropp“ machte den Anfang – mit einer nigelnagelneuen Bütt. Und natürlich durften da die Corona-Begleiterscheinungen nicht fehlen: „Zu Freunden darfste nimmer kumme, die Urlaubsbuchung war für umme.“ Aber etwas Gutes haben Pandemie und Homeoffice doch, findet er: „In Jogginghose schaffe, des war immer mein Traum – der wurde wahr, ich glaub es kaum!“

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Weiter ging´s Schlag auf Schlag: Der Gesangsverein Harmonie sorgte für Stimmung mit ABBA-Songs. Norbert aus der Hutzelschweiz hatte Töchterchen Cora mit in die Äppelwoi-Bütt in der Scheier genommen. Später schickten die Fastnachter aus der Vorstadt noch Uwe und Thorben mit einem Sketch ins Rennen.

Ob der Musikzug Starkenburg heimische Polonaisen auslöste, ist nicht bekannt.

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Mit einem Mal spukte die weiße Frau vun de Starkenburg – Michael Endres frappierend ähnlich sehend – über den Bildschirm.

Verblüffende Choreographie

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Köstlich die Schmankerl, die der katholische Frauenbund beisteuerte: Eine verblüffende Choreographie, in der alle Bewegungen der Protagonistinnen ineinandergriffen wie ein Zahnrad in das nächste. Märchenhaft war der Beitrag der Wald-Erlenbacher Feuerwehr, die einen ihrer berühmt-berüchtigten Einspielfilme samt hüpfendem Rotkäppchen präsentierten. „Am Fastnachtssonntag, sou muss es doch sein, da lädt man die ganz Korona ein“, reimte Friedel Frank doppeldeutig und kündigte einen Ausschnitt „seiner“ Kolpingsfamilie an. Auch Habafa und Bottschlorum grüßten das närrische Volk, ebenso Katja Dreiling, Sitzungspräsidentin der Fastnacht der Gemeinde Erscheinung des Herrn. Die närrische Jugend Kirschhausen macht mit Fotos Lust auf mehr.

Später am Abend sorgte die Hutzelschweizer Combo mit dem Lewwerworscht-Lied ganz sicher für prima Stimmung auf den heimischen Sofas. Der SV Erbach unterhielt vortrefflich mit einer Darbietung des Showballetts – das Musical „Greatest Showman“ sorgte für Schwung.

„Da nehm ich mein Däschel un mach, dass ich fort kumm. Die Bachgass nuff, die Bachgass nuff un wieder herab“, sangen die Frauenbund-Damen zum krönenden Abschluss.

Gaudiwurm aus der Konserve

Spaß hat´s gemacht, der Mix aus Bütten und Musik stimmte. „Ist der „Apfelbaum“ morgen nach dem Umzug auf?“, scherzte ein Zuschauer im Chat. Denn der närrische Gaudiwurm startete am Sonntag um 14:15 Uhr – ebenfalls als Konserve.

Gezeigt wurde ein vierfarbbuntes Sammelsurium an bewegten Bildern, Fotografien sowie Momentaufnahmen hinter den Kulissen der Gaudiwürmer der vergangenen Jahre. Endres kommentierte aus dem Fenster, Schirmherr Hans-Peter Rauen und Zugmarschall Norbert Weiser parlierten auf dem Wohnzimmer-Sofa um die Wette. Man erfuhr viel Hintergründiges und Wissenswertes.

Die Hepprumer Fastnacht dehoam war ein gelungenes Trostpflaster für alle Närrinnen und Narrhalesen. Nun hoffen jedoch alle, dass 2022 Fastnachtsgott Jokus im Himmel wieder die Oberhand bekommt und wieder ausgelassen wie gewohnt gefeiert werden kann. rid