Unternehmen hofft, durch Argumente überzeugen zu können Röhrig braucht Perspektive für den Steinbruch

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ik
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Ohne Erweiterung wäre in zehn Jahren Schluss, sagt die Firma Röhrig. © lotz

Heppenheim/Juhöhe. Die Interessen könnten nicht unterschiedlicher sein: Auf der einen Seite steht ein Unternehmen, das sein Weiterbestehen sichern will, auf der anderen Seite eine Bürgerinitiative, die nicht bereit ist, dafür ein Naherholungsgebiet zu opfern. Hintergrund sind die Pläne des Granitwerkes Röhrig zur Erweiterung seines Steinbruchs in Sonderbach. Südlich der bestehenden Grube am Heppenheimer Gehrenberg sollen weitere 6,2 Hektar für den Steinabbau gewonnen werden. Doch damit würde der Steinbruch, der bisher in einer Distanz von 500 Meter zur Mörlenbacher Juhöhe liegt, bis auf 400 Meter heranrücken. Im Zuge der Erweiterung müssten der Schutzwald gerodet und die Felsformation „Kleines Felsenmeer“ an andere Stelle verlegt werden.

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Die Firma Röhrig sieht zu der Erweiterung des Steinbruchs keine Alternative. Geschäftsführer Marco Röhrig: „Sonst gehen hier in zehn Jahren die Lichter aus.“ Mit der neu gewonnen Fläche könnten der Steinabbau laut Antrag der Firma Röhrig weitere 25 Jahre gewährleistet werden und 90 Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Gegner wollen endgültige Klärung

„Und was kommt dann? Wächst der Steinbruch unkontrolliert weiter und endet erst an der Ortsgrenze?“, fragt Benjamin Höfle, Pressesprecher der Bürgerinitiative „Für Schutzwald und kleines Felsenmeer“ (FSkF) im Hinblick auf die weitere Zukunft. Er vermisst in der Diskussion die Ehrlichkeit in der Aussage, was die unternehmerischen Absichten auf lange Sicht betrifft. „Es geht uns nicht darum, die Firma Röhrig zum Feindbild zu stilisieren, sondern um die Grundsatzfrage, ob man einen ökologisch wichtigen Schutzwald, ein Naturdenkmal sowie das Naherholungsgebiet für rein ökonomische Absichten opfern will. Die Grenzen des Steinbruchs müssen im Rahmen des derzeitigen Verfahrens mit Blick auf die Historie endgültig geklärt werden.“

Mittlerweile 250 Mitstreiter bei BI

Mittlerweile haben sich nach Höfles Angaben 250 Menschen der Bürgerinitiative angeschlossen, die Mitte Februar mit 60 besorgten Bürgern gegründet wurde – eine stattliche Anzahl angesichts einer Einwohnerzahl von rund 180 Menschen, die auf der Juhöhe leben. Höfle: „Wir sind also nicht nur ein kleiner Ort, der Kopf steht, sondern haben Unterstützer aus dem ganzen Kreis Bergstraße.“

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Den Gegenwind bekam die Unternehmensleitung des Granitwerkes bereits bei einer Informationsveranstaltung auf der Juhöhe am 11. Februar deutlich zu spüren. „Keine gute Diskussions-Atmosphäre“ bescheinigt Marco Röhrig dem Abend rückblickend. Und er bedauert, dass es bei diesem „wenig konstruktiven“ Termin nicht gelungen sei, mit Argumenten zu punkten. Dabei versuche das Unternehmen, offen und transparent in seinen Planungen zu sein. Röhrig: „Wir erfüllen alle Auflagen und machen uns ständig Gedanken, wie wir die Belastung für die Bürger in jeglicher Hinsicht verringern können.“ Man sei offen für die Ängste der Bürger und gesprächsbereit für die Bürgerinitiative.

Benjamin Höfle allerdings sieht das anders. „Das Gesprächsangebot war ein Anwaltsschreiben“, hält er der Röhrig-Geschäftsleitung vor. Hintergrund ist eine urheberrechtliche Abmahnung des Unternehmens gegen Höfle als Pressesprecher der Bürgerinitiative. Es geht um Fotos in einem Flugblatt, das die BI unter dem Titel „Röhrig Granit Steinbruch – Vorsicht, Gefahr, Stoppt die Zerstörung“ in Umlauf gebracht hatte.

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Von den juristischen Querelen will sich der Steuerkreis der Bürgerinitiative aber nicht von seinem Weg abbringen lassen. Dringlich ist für die BI zunächst die Aufforderung an den Kreistag des Kreises Bergstraße, das „Kleine Felsenmeer“ bei der Sitzung am 18. März nicht als Naturdenkmal zu löschen.

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Die Umweltorganisationen BUND und Nabu stehen der Erweiterung des Steinbruchs und der Rodung des Waldes indes unkritisch gegenüber. Sie sehen die 1:1-Aufforstung an andere Stelle als adäquaten Ausgleich für Flora und Fauna. Ebenfalls positiv sieht die Gemeindeverwaltung Mörlenbach das Vorhaben. Bereits im Oktober hatte die Verwaltungsspitze mit Bürgermeister Jens Helmstätter dem Ortsbeirat Bonsweiher mitgeteilt, dass „die Gemeinde nach der Prüfung der von der Firma Röhrig vorgelegten Unterlagen keine Anregungen und Bedenken gegen das Vorhaben vorbringen“ wird.

Marco Röhrig hofft zwar darauf, die kritischen Bürger der Initiative durch seine Argumente überzeugen zu können. „Es ist jedoch naiv, zu glauben, dass alle Ja sagen.“ ik

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