Altstadt - Weil die bisherige Beleuchtung der Kirche St. Peter Schwächen hat, lässt die Stadtverwaltung ein neues Konzept ausarbeiten Der „Dom“ wird ins rechte Licht gerückt

Von 
rid
Lesedauer: 

Heppenheim. Wenn man bei Dunkelheit über die Brücke am Stadion fährt, sieht man ihn in aller Pracht erstrahlen, den „Dom der Bergstraße“, wie die Pfarrkirche St. Peter auch genannt wird. Das Gebäude, das sich über der Altstadt erhebt, ist ein echter Hingucker – und soll bald im wahrsten Sinne des Wortes in einem noch besseren Licht erstrahlen. Christoph Adlfinger-Pullmann ist mit seiner Firma „Die Lichtgestalter“ von der Stadt Heppenheim beauftragt worden, in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde eine Neukonzeption der Außenbeleuchtung zu erarbeiten.

AdUnit urban-intext1

Rund 30 Jahre alt sind die zehn Scheinwerfer, die die Kirche derzeit noch anstrahlen. Entsprechend wartungsintensiv ist die Anlage, auch energetisch ist sie nicht mehr auf dem neuesten Stand. „Sie strahlen sehr gut, und der ,Dom’ ist weithin sichtbar“, sagt Adlfinger-Pullmann. Allerdings sei es unnötig hell, ja geradezu grell auf dem Domplatz. Hinter der Kirche dagegen sei es regelrecht finster. Der Fußgänger taucht vom gleißenden Licht ins Dunkel. Schaut man sich den beleuchteten Dom etwas genauer an, sieht man dass die Dächer, Kuppeln und die Spitzen der Türme im Gegensatz zur Fassade relativ wenig sichtbar sind. „Wenn es nebelig ist, sieht man ganz gut, wie und wohin das Licht diffundiert“, erklärt der Lichtgestalter.

Die Pfarrkirche St. Peter ist derzeit bei Dunkelheit ungleich ausgeleuchtet. Dächer, Kuppeln und die Spitzen der Türme sind im Gegensatz zur Fassade relativ wenig sichtbar. © Matthes/Die Lichtgestalter GmbH

Immerhin habe man bereits vor 30 Jahren auf orangefarbene Natriumdampf-Leuchtmittel zurückgegriffen, die zum einen eine sehr gute Energieeffizienz hätten, zum anderen auch eine sehr angenehme Lichtfarbe. Gleichwohl steckt man derzeit mitten in der Erarbeitung des neuen Lichtkonzeptes. Die bisher recht wenigen Leuchtstellen werden durch deutlich mehr dezentrale ersetzt. Sind es jetzt zehn, werden es in Zukunft aller Voraussicht nach 25 sein. Im ersten Moment klingt das widersinnig. Wie soll man mit mehr Lichtquellen Energie sparen? „Wir sparen mit der neuen Technik 50 bis 55 Prozent Energie ein, da wir niedrigere Wattzahlen einsetzen“, erläutert Adlfinger-Pullmann. Nach acht bis zehn Jahren amortisiere sich die Sanierungsmaßnahme durch die Einsparungen.

Der Mann weiß, wovon er redet: 2006 war er für die technische Planung und Leitung der „Sky-Arena“ zuständig – jener Illumination von elf Frankfurter Hochhäusern zur Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft. Adlfinger-Pullmann kommt aus der Veranstaltungstechnik, hat 30 Jahre Erfahrung im Business und ist seit 2007 im Objektbereich tätig. Er beleuchtet mit seiner Firma Architektur, Exponate in Museen, Messen, Einfamilienhäuser, Büroetagen, Fassaden, Parkhäuser und vieles mehr. Bekannt ist er an der Bergstraße auch durch seine Lichtweinproben.

AdUnit urban-intext2

Ziel bei St. Peter ist es, rund um das Gotteshaus eine Basis-Beleuchtung zu schaffen, die die Kirche und ihr Umfeld heller erscheinen lässt. In den kommenden Wochen wird das eine oder andere ausprobiert. Man sollte sich also nicht wundern, wenn am frühen Abend die „Dom“-Bestrahlung ab und an ausgeschaltet wird. „Dann laufen Tests“, so der Fachmann. Man wolle schauen, wie man etwa Türme und Kuppeln sichtbarerer machen kann, ohne noch mehr Lichtverschmutzung zu verursachen. Mit gerichtetem Licht sei dies möglich. „Insgesamt wollen wir den ,Dom der Bergstraße’ mehr inszenieren. Die Kirchenseite soll heller werden, aber nicht brüllend hell. Man soll den gesamten Baukörper sehen und nicht nur die Fassade. Wir wollen allem etwas mehr Kontur geben. Kirche bietet Orientierung – und das soll auch nach außen sichtbar sein“, unterstreicht Christoph Adlfinger-Pullmann.

Um St. Peter ins rechte Licht zu rücken, könnte man überlegen, ob man die Rosettenfenster nachts durch Beleuchtung von innen erlebbar macht. Gleiches gelte für den Treppenturm. Möglich wäre auch, dass die Farbe des Lichts programmierbar sein wird, um an bestimmten Tagen eine ganz besondere Farbstimmung zu erzeugen. „Bergstraße leuchtet“ auf Knopfdruck sozusagen, freilich nicht so üppig.

AdUnit urban-intext3

Wichtig sei auch die Wirkung des Lichts auf dem Kirchenvorplatz. Der Eingang zum „Dom“ werde zwar durch einen Scheinwerfer angestrahlt, „aber wenn man rauskommt, ist man geblendet“. Auch hier soll nachgebessert werden. Der Vorplatz solle nicht wie ein Sportplatz im Flutlicht wirken. Eigentlich, so sagt der Lichtgestalter, müsste man das gesamte Lichtkonzept in der Altstadt einmal anfassen, damit alles zusammenspiele.

AdUnit urban-intext4

Noch steht nicht fest, wann das Beleuchtungskonzept in die Tat umgesetzt wird. Das hängt auch davon ab, wann die beantragte Förderung genehmigt wird. Nicht alles muss sofort passieren. So sei es beispielsweise sinnvoll, mit Installationen auf dem Dach so lange zu warten, bis dieses 2025 sowieso saniert wird. Mit geplant werden Maßnahmen dort aber bereits jetzt. rid