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Geldanlage

Ukraine, Zinsen, Corona die Kursrisiken wachsen und treffen auch Firmen in Südhessen

Von 
Michael Roth
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Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck (im Bild ein Gebäude am Stammwerk) erlebte in den vergangenen Wochen eine Talfahrt seiner Aktie. © Arne Dedert/dpa

Bergstraße. Der Krieg in der Ukraine, höhere Zinsen in den USA und wohl bald auch in Europa, Inflation überall, Chaos auf den Weltmeeren und -häfen wie Shanghai, Lieferkettennöte und nicht zu vergessen Corona, das gerade die chinesische Wirtschaft weitgehend lahmlegt.

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Es ist eine ganze Menge an Unsicherheiten, die derzeit auf das Geschehen an der Börse Einfluss haben. Und noch ist momentan keineswegs sicher, ob die daraus resultierenden sinkenden Kurse der vergangenen Wochen schon einen Boden gefunden haben und sich bald erholen, oder ob es noch weiter abwärts geht.

Ein Lichtblick für Aktionäre sind dieser Tage die Dividenden. Analysten der DZ Bank haben ausgerechnet, dass die börsennotierten Unternehmen auf dem deutschen Aktienmarkt dieses Jahr eine Rekord-Dividende von 57 Milliarden Euro ausschütten, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 60 Prozent der Unternehmen aus den Indizes Dax, MDax und TecDax haben ihre Dividende angehoben.

Aktien der Region schwächer

Die trotz Dividendenregen unsichere Gemengelage trifft auch die börsennotierten Unternehmen aus der Region. So gaben in den vergangenen vier Wochen die Aktien aus dem Depot Bergstraße/Südhessen um knapp sieben Prozent nach, die Papiere aus dem Depot Rhein-Neckar verloren vier Prozent und Aktienkurse aus dem Depot Rhein-Main sanken um fünf Prozent.

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Im Depot Bergstraße/Südhessen erwischte der Dentaltechnikkonzern Dentsply Sirona einen schlechten Jahresstart, mit einem rückläufigen Umsatz und einen Gewinneinbruch im ersten Quartal. Die Jahresprognose wurde gleich mit einkassiert. Vor zwei Wochen musste der Konzernchef Don Casey gehen. Gegen ihn laufen derzeit interne Ermittlungen im Zusammenhang mit finanziellen Unregelmäßigkeiten bei der Erreichung von Vergütungszielen. Kein Wunder, dass der Aktienkurs zuletzt deutlich gesunken ist.

Seit Jahresbeginn geht es abwärts

Eine Talfahrt seiner Aktie erlebt auch der Darmstädter Merck-Konzern. Das Papier, das zu Jahresbeginn noch bei 220 Euro notierte, war zuletzt 165 wert. Und gestern ging es weiter bergab. In einer Mitteilung des Unternehmens hieß es, man sei im ersten Quartal gut in das neue Jahr gestartet und habe ein starkes Ergebnis erzielt.

An der Börse wurde das anders interpretiert. Und auch die Präzisierung der Prognose für das laufende Jahr kam offensichtlich nicht gut an. Seit gut einem Jahr leitet Belén Garijo den Darmstädter Konzern. In den ersten Monaten ihrer Amtszeit stieg der Aktienkurs, doch seit Anfang 2022 geht es stetig abwärts.

Aufwärts ging es hingegen für das Papier von TE Connectivity – und das, obwohl der Elektrotechnikkonzern, der ebenfalls einen großen Standort in Bensheim hat, aufgrund von Corona-Lockdowns in China mit einem geringeren Umsatzplus sowie einen niedrigeren Gewinn rechnet. Das für Bensheim wichtige Geschäft mit der Autoindustrie wuchs trotz rückläufiger Automobilproduktion weltweit. Vor allem die führende Position bei der Ausstattung von Elektroautos kam TE Connectivity zugute, wie es in einer Präsentation zu den Quartalszahlen von Ende April heißt.

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Drei Regionen – drei Depots: Das Aktienranking des Bergsträßer Anzeigers

Der Bergsträßer Anzeiger hat verschiedene regionale Aktiendepots zusammengestellt und berichtet in regelmäßigen Abständen über die Entwicklung dieser (fiktiven) Geldanlagen.

Im Depot Bergstraße/Südhessen sind die Anteilsscheine des Dentaltechnikweltmarktführers Dentsply Sirona enthalten, ebenso die Papiere von TE Connectivity. Beide Konzerne sind an US-Börsen notiert. Für den besseren Vergleich werden Euro-Wechselkurse verwendet. Mit von der Partie sind die Anteilsscheine des Flurfördertechnikunternehmens Jungheinrich und des Zwingenberger Biotechunternehmens Brain. Nicht fehlen darf natürlich der Dax-Konzern Merck aus Darmstadt.

Im Depot Rhein-Neckar liegen Aktien des Softwarekonzerns SAP, des Mannheimer Energieversorgers MVV, von Südzucker, dem Schmierstoffkonzern Fuchs Petrolub sowie der BASF.

Das Depot Rhein-Main enthält Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank, sowie von Lufthansa und Fraport. Hinzu kommt der Bad Homburger Fresenius-Konzern. 

Brain: Keine Besserung in Sicht

Ende Mai legt das Zwingenberger Biotechunternehmen Brain seine Halbjahreszahlen vor. Hier wären gute Nachrichten wichtig. Die Aktie hat seit Jahresbeginn fast ein Fünftel ihres Wertes verloren. Und wenn es nicht bald zügiger Richtung schwarze Zahlen geht, dürfte auch keine Besserung in Sicht sein. Von Dividende gar nicht zu reden.

Der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich hingegen hielt sich zuletzt recht passabel. Philippe Lorrain von der Berenberg Bank berichtete von einer Investorenkonferenz, bei der es ermutigende Aussagen gab. Stefan Augustin von Warburg Research empfiehlt das Papier für langfristig orientierte Anleger. Die Dividende liegt übrigens auf Rekordniveau.

Der Chemiekonzern BASF, ein Schwergewicht an der Börse, verwöhnt seine Aktionäre abermals mit einer höheren Dividende und das im zehnten Jahr in Folge. Der Kurs hingegen gab zuletzt nach, was an den Unsicherheiten liegt, die der Ukraine-Krieg mit sich bringt. Fällt russisches Gas als Rohstoff und zur Energieerzeugung bei der BASF aus, droht Schlimmes, nicht nur für die Aktie.

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Raues Fahrwasser

Der Aktienkurs des Softwarekonzerns SAP liegt immer deutlicher unter der Marke von 100 Euro. Mohammed Moawalla von der US-Investmentbank Goldman Sachs berichtet von der jährlichen Anwenderkonferenz „Sapphire“, dass SAP zwar keine großen Ankündigungen gemacht habe. Gleichwohl sei das Ausgabenumfeld im IT-Sektor unverändert robust. Die deutlich gestiegene Dividende könnte über den seit Anfang des Jahres stark gesunkenen Kurs nur wenig hinwegtrösten.

Beim Schmierstoffkonzern Fuchs Petrolub ist die Entwicklung nicht so schlecht, wie es die Bewertung der Aktie erscheinen lasse, meint Lars Vom-Cleff von Deutsche Bank Research. Skeptischer ist Axel Herlinghaus von der DZ Bank. Fuchs habe zuletzt sehr solide abgeschnitten. Zumindest kurzfristig aber sehe sich das Unternehmen mit einem noch rauer gewordenen Fahrwasser konfrontiert. Wie gewohnt, steigt hingegen die Dividende, im zwanzigsten Jahr in Folge. Licht und Schatten gibt es derweil bei der Südzucker-Aktie. Höhere Energiepreise drücken auf die Kosten, absehbar höhere Zuckerpreis könnten das auf der Umsatzseite auffangen, meint John Ennis von der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Ähnlich sieht es bei der Deutschen Bank aus. Die Zahlen zum ersten Quartal hätten unerwartet hohe Erträge, aber auch höher als erwartete Kosten offengelegt, meint Analyst Chris Hallam, ebenfalls von Goldman Sachs. Auf der Ertragsseite besser als erwartet schnitt zuletzt die Commerzbank ab. In steigenden Aktienkursen hat sich das, ebenso wie bei der Deutschen Bank, jedoch nicht niedergeschlagen. Immerhin will die Deutsche Bank nach einer langen Durststrecke (seit 2018) wieder eine Dividende zahlen. Die soll es von der Commerzbank erst nächstes Jahr geben.

Der Staat als Aktionär an Bord

Die Staatshilfen sind zu großen Teilen zurückbezahlt, die Menschen fliegen wieder mehr und die Luftfracht läuft bestens. Gute Aussichten also für die Lufthansa, die Konzernchef Carsten Spohr auf der Hauptversammlung diese Woche verkündete. Dividende ist jedoch noch kein Thema, auf jeden Fall so lange, wie der Staat als Aktionär an Bord bleibt. Auf der Hauptversammlung holte sich der Vorstand die Zustimmung für eine weitere Kapitalerhöhung, das Gegenteil einer Dividendenzahlung.

Beim Flughafenbetreiber Fraport seien die Resultate zuletzt schwächer gewesen als erwartet, meint Analystin Elodie Rall von der US-Bank JPMorgan. Die Erholung am Frankfurter Flughafen hinke der an den Flughäfen anderer Betreiber hinterher, meint sie.

Beim Fresenius-Konzern spricht Christoph Gretler von der Schweizer Bank Credit Suisse von einem ermutigenden ersten Quartal. Das wird auch Zeit. Fresenius hat sich in den vergangenen Jahren so schlecht entwickelt wie kaum ein anderes Dax-Unternehmen. Ein kleiner Trost auch hier. Es steigt die Dividende.

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