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Justiz

Lange Haftstrafen nach Raubüberfall in einer Bensheimer Wohnung

Von 
Konrad Bülow
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Am Darmstädter Landgericht wurde am Dienstag das Urteil zu einem schweren Raubüberfall gesprochen, den ein Trio im Oktober 2019 in Bensheim verübt haben soll. © Lotz

Bergstraße. Weil sie im Oktober 2019 eine Bensheimerin in deren eigener Wohnung brutal überfallen haben sollen, hat das Darmstädter Landgericht drei Männer aus Niedersachsen zu langen Haftstrafen verurteilt. „Besonders schwerer Raub in Tateinheit mit Körperverletzung“ wird den nun Verurteilten vorgeworfen.

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Ein 48-Jähriger erhält eine Strafe von sechseinhalb Jahren. Einen 68-Jährigen verurteilt das Gericht zu 14 Jahren Gefängnis, einen 55-Jährigen zu 14 Jahren und sechs Monaten – bei diesen beiden Beschuldigten fließen noch Strafen aus einem Urteil des Göttinger Landgerichts wegen eines weiteren Raubüberfalls ein, der ihnen zur Last gelegt wird. Die dort angeordnete Sicherungsverwahrung für die beiden älteren Angeklagten soll bestehen bleiben.

Das Trio, das sich im Gefängnis kennengelernt hatte, soll eigens nach Südhessen gereist sein, um die Tat zu begehen. Nach Überzeugung des Gerichts planten die Männer, die Hausbewohnerin in den frühen Morgenstunden zu überfallen, kurz nachdem ihr Ehemann das Haus mit den Kindern verlassen hatte.

Die Täter trafen die Geschädigte nicht alleine an: In der Wohnung befanden sich demnach auch die Mutter der Hausbewohnerin und eine weitere Frau. Dennoch sollen die Kriminellen ihren Plan weiterverfolgt haben.

Mit Revolver bedroht

Nach den Schilderungen der drei Opfer gaben sich die Räuber zunächst als Zollbeamte aus. Als die Bewohnerin die Tür öffnete, hätten sie sich in die Wohnung gedrängt. Ein Mann soll die Hausbewohnerin zu Boden gebracht, ein weiterer sie mit einem Revolver bedroht haben. Die beiden seien dann mit der Frau in deren Schlafzimmer gegangen, wo sich ein Tresor befand, hieß es in der Hauptverhandlung. Während der Dritte im Bunde die beiden anderen im Schach hielt, sollen die beiden anderen die Herausgabe von 42 000 Euro erzwungen haben.

Danach flohen die Räuber aus der Wohnung und fuhren zurück nach Niedersachsen. Das Auto steuerte demnach eine vierte Person, gegen die gesondert ermittelt wird. Bei dem Vorfall soll auch die Mutter der Hausbewohnerin verletzt worden sein, als ihr der 48-Jährige den Mund zuhielt.

Alle drei Frauen leiden bis heute stark unter diesem Erlebnis, wie Richterin Ingrid Schroff betonte. Besonders, dass sich die Täter offensichtlich gut in ihrer Wohnung auskannten, habe sie erschreckt, bekannte die Hausbewohnerin im Laufe des Prozesses. Eine weitere Person soll den Niedersachsen den Tipp gegeben haben, dass in der Bensheimer Wohnung etwas zu holen sei.

Die drei Beschuldigten hatten sich teilweise gegenseitig belastet. Nur einer von ihnen räumte ein, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Es handelt sich um den 48-Jährigen, der zwei der Frauen bewacht haben soll. Auf einem Pullover der Frau, der der Mund zugehalten wurde, fanden sich seine DNA-Spuren.

Mehrmals hatte der 48-Jährige vorgebracht, er habe sich im Drogenrausch von den anderen beiden in die Tat hineinziehen lassen. Ein Einbruch sei geplant gewesen, kein Überfall. Kurzfristig hätten die anderen beschlossen, mit vorgehaltener Waffe in die Wohnung einzudringen – und ihn regelrecht durch die Tür geschubst. Während der Tat habe er Angst um sein Leben und das der Frauen gehabt. Wie bereits vorher im Prozess entschuldigte er sich auch kurz vor der Urteilsverkündung bei den Geschädigten.

Das Gericht glaubt jedoch, dass der 48-Jährige eine aktivere Rolle spielte und wusste, was er tat. Frühere Gewalttaten, für er verurteilt wurde, hätten gezeigt, dass er keinerlei Mitgefühl für seine Opfer übrig habe. Dass er vor seinen Kumpanen in dieser Situation Angst bekommen habe, hält Richterin Schroff ebenfalls für unglaubwürdig.

Lange Vorstrafenregister

Da er nach seiner Inhaftierung die Ermittler auf die Spur der beiden anderen mutmaßlichen Täter lenkte, gelte dennoch die Kronzeugenregelung für den 48-Jährigen, fuhr die Richterin fort. So komme letztlich die Haftstrafe von sechseinhalb Jahren zustande – wobei Schroff den Angeklagten eindringlich warnte: Dies sei seine letzte Chance; bei einem weiteren Vergehen drohe auch ihm Sicherungsverwahrung.

Die beiden anderen Mittäter hatten bis zum Schluss geleugnet, an der Tat beteiligt gewesen zu sein – ebenso wie an dem Raubüberfall, für den sie in Göttingen verurteilt wurden. Beide Männer haben lange Vorstrafenregister – bei einem sind es 17 Vorstrafen, bei den anderen 19. Die Position der Verteidigung war, der 48-Jährige habe sie belastet, weil sie aufgrund ihrer kriminellen Vorgeschichte sowieso nichts mehr zu verlieren hätten. Es bestehe dennoch nicht der geringste Zweifel, „dass hier die drei Täter sitzen“, sagte Richterin Schroff.

Gegen den 55-Jährigen und den 68-Jährigen spreche unter anderem, dass die Geschädigten sie auf Fotos mit ziemlicher Sicherheit als die Täter identifizierten, ebenso die passenden Täterbeschreibungen. Das Vorgehen bei dem Raubüberfall in der Nähe von Göttingen soll zudem jenem in Bensheim sehr geähnelt haben.

Gegen das Urteil kann noch Widerspruch eingelegt werden.

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Redaktion Redakteur für das Ressort Lautertal/Lindenfels, Autor im Ressort Region. Bei Bedarf Unterstützer im Lokalsport

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