Atomausstieg

Kernkraftwerke zählen zu den besten der Welt

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Mit der endgültigen Abschaltung der letzten drei deutschen Kernkraftwerke geht in Kürze eine Ära zu Ende. Man ist erschüttert und trauert wegen dieses sinnlosen Aktes der Dummheit. Es sind die letzten drei – die Konvoianlagen – von ehemals 17 Kkw, die einst 36 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland sicherstellten.

Die Kernkraftwerke waren die Zugpferde unseres Wohlstandes und hielten unser Land am Laufen, bis Angela Merkel nach der Havarie von Fukushima acht Kkw im März 2011 abschalten ließ und damit das Ende dieser Energieerzeugung einleitete.

Nun befinden sich die besten „Rennpferde“ quasi im Hospiz und reduzieren täglich die Leistung ein wenig. Sie müssen darauf warten, dass sie am Ende des Streckbetriebes von Robert Habeck und Olaf Scholz zur „Abdeckerei“ (Rückbau und Abriss) gebracht werden. Am 15. April 2023 werden sie sinnlos „gekeult“. Diese Kkw zählen zu den besten der Welt. Die meisten Länder der Erde wären froh, wenn sie diese Kernkraftwerke hätten. Sie haben noch immer einen Wert von mindestens 15 Milliarden Euro und sind noch gut in der Lage, Jahrzehnte zuverlässig sehr viel Strom CO2-frei, echt klimaneutral, zu erzeugen.

35 Prozent CO2-freier Atomstrom

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dpa
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Theoretisch könnten noch sechs Kkw weiterbetrieben werden, wenn man neue Brennelemente beschafft. Sie könnten eine Strommenge von 65 TWh pro Jahr erzeugen (8200 MW Leistung). Wenn man diese Energie beispielsweise durch Windkraft erzeugen muss, braucht man allein dafür schon ca. 25 000 Windräder zusätzlich. Aber wir haben ja laut Habeck und Ricarda Lang kein Stromproblem, jedenfalls wenn der Wind weht. Der Ausstieg ist also besiegelt, auch wenn man für die „Klimarettung“ 110 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr durch den Betrieb von sechs Kkw einsparen könnte. Das kann doch dem Klimaminister nicht völlig egal sein.

Wäre es nicht so gekommen, könnten wir heute einen Anteil von 35 Prozent CO2-freien Atomstrom im Strommix haben. Hätte Deutschland nicht nach Tschernobyl den planmäßigen Ausbau (z.B. Biblis Block C und anderer Standorte) der Kernenergie beendet, könnte Deutschland heute 80 Prozent Atomstromanteil haben (ganz ähnlich wie Frankreich) und bräuchte kaum Erdgas aus Russland bzw. LNG aus Katar und USA oder Kohle aus Kolumbien.

Deutschland war auch führend beim Thorium-Hochtemperaturreaktor (Hamm-Üntrop), beim Schnellen Brüter (Kalkar). Deutschland hatte auch ein perfektes Endlager: Gorleben wurde aus politischen Gründen gestoppt.

Der Plan war, mit Kernenergie die Grund- und Mittellast abzudecken: Nachts sollte billiger Strom für Nachtspeicherheizungen und für die Elektrolyse von Wasser zu Wasserstoff produziert werden.

Weltweit sind 442 Kernkraftwerke in Betrieb, 57 im Bau, unter anderem in Polen (6), in der Türkei (4) und in Ägypten (1), und 63 Kernkraftwerke sind in konkreter Planung. China wird bis 2030 150 Kernkraftwerke in Betrieb haben. In den Emiraten wird Strom aus Kernenergie (vier Anlagen im Ort Barakha) erzeugt und nicht aus Wind oder Sonne (sie haben fast keine Windräder und PV-Anlagen) für den Wasserstoffexport nach Deutschland. Die neueste Generation der Kernkraftwerke ist noch sicherer und produziert kaum radioaktiven Abfall. Der Weltklimarat fordert ausdrücklich die Verwendung der Kernenergie zur Klimarettung. Für viele Länder, die an eine von Menschen verursachte Klimakrise durch CO2 glauben, besteht geradezu der Zwang zur Kernenergie, weil es Wind und Photovoltaik niemals allein können.

Totschlagargument Atommüll

Ein „Atommüllproblem“ gibt es nicht. Das Wort wird als Totschlagargument politisch gebraucht. Die Entsorgung abgebrannter Brennelemente, die Behandlung radioaktiver Abfälle und Rückbau der Kkw sind technisch gelöst. Die Grünen behaupten, der Atommüll müsse für eine Million Jahre in ein tiefes Endlager. Da gehen aber dann einige Eiszeiten drüber. Und wie alt ist nochmal die Menschheit? Dieser schreiende Unsinn lässt sich mit Blick in ein Fachbuch oder auf die Nuklidkarte leicht widerlegen.

Der radioaktive Abfallstoff mit der längsten Halbwertszeit ist Cs-137. Nach jeweils 30 Jahren ist die Hälfte nicht mehr strahlend. Nach 300 Jahren ist 99,9 % weg, zerfallen und stabil. Dann hat das umgebende Gestein oder das Salz im Endlager mehr Radioaktivität als der „Atommüll“ selbst. Nicht verbrauchtes Uran, Plutonium und andere Transurane, die 96 Prozent in einem solchen Brennelement ausmachen, sind wertvoller Kernbrennstoff. Bei einer Wiederaufarbeitung erhält man aus zwei abgebrannten Elementen ein neues MOX-Element (Mischoxid: Plutonium und Uran).

Daher wird es in Deutschland kein Endlager für Brennelemente geben. Man wird noch 20 Jahre nach einem geeigneten Ort suchen, dann mindestens 20 Jahre bauen, um dann festzustellen, dass man sie auch verkaufen kann.

Hans Ambos

Bensheim

(Der Autor ist nach eigenen Angaben Strahlenschutzbeauftragter, freiberuflicher Dozent in Strahlenschutz, Radioaktivität und Kerntechnik und hat 30 Jahre in einem großen Kernkraftwerk gearbeitet)

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