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Wegzeichen - Gedanken über das Bibelwort „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen – Du bist mein“

Allem Existierenden einen Namen geben

Von 
Markus Bissinger
Lesedauer: 

Wer andere erreichen will, muss sie in geeigneter Weise ansprechen. Ohne Aufmerksamkeit oder das Interesse von anderen, fällt es schwer, an- und weiterzukommen. Schaffen wir dies, so sagen wir, die anderen sprechen auf das an, was wir von uns gegeben haben. Viele denken, es reicht, Lob und Anerkennung zu geben. Ohne persönliche Ansprache kommen diese jedoch nicht an. Auch noch so wohlgewählte Worte gehen ins Leere, wenn nicht klar wird, an wen sie gerichtet sind.

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Zahlreiche Studien belegen, wie wichtig es daher ist, Menschen mit Namen anzusprechen. Wir bezeugen höchsten Respekt, wenn wir Menschen mit ihrem Namen ansprechen. Desto öfter wir dies tun, desto mehr beziehen die Angesprochenen die Botschaft nur auf sich selbst. Wir hören eben nichts lieber als unseren eigenen Namen. Erklingt er, fühle ich mich angesprochen, horche auf und bin aufmerksam. Es löst Gefühle aus. Es kann schwerfallen. Es kann sich angenehm, oder auch unangenehm anfühlen. Personen persönlich anzusprechen, oder selbst mit dem eigenen Namen angesprochen zu werden ist und bleibt ein wichtiges Werkzeug der Kommunikation.

Gott spricht den Menschen mit einem „Du“ an und bezeichnet sich als „Ich bin für dich da“ – inmitten der Flammen in hebräischer Schrift dargestellt. Das Bild zeigt die Station „ Feuer“ des Franziskanischen Pilgerweges in Bensheim. © Bissinger

Es gibt zahlreiche Redewendungen, die deutlich machen, welche Bedeutung es hat, einen guten Namen zu haben. Wir versuchen, uns einen Namen zu machen, rühmen alles, was Rang und Namen hat oder geben in manchen kritischen Situationen unseren Namen für etwas her. Namen sind wichtig. Sie prägen uns und machen uns zu dem, der wir sind.

Es geht um Identität

Der Begriff „Name“ hat eine indogermanische Wurzel. Er hat die Bedeutung von „Merkmal“ oder „das unterscheidende Kennzeichen“. Wer einen Namen hat, der hat eine Identität. Gerade in früheren Zeiten wurde mit dem Namen auch das persönliche Schicksal verknüpft. „Nomen est omen“, waren die Menschen überzeugt. Daher wählte man gerade in unseren Breiten Namen, die mit etwas Positivem verbunden waren. In anderen Regionen und Zeiten wurden Personen dagegen Unheil verheißende und furchterregende Bezeichnungen gegeben, um damit Böses von den Menschen abzuwehren.

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Wer einen Namen verschweigt, tut nichts Gutes. Teufel und Dämonen werden im Volksglauben entmachtet, wenn man ihren Namen errät. Man enttarnt jemanden und man erkennt ihn gleichzeitig, wenn man „etwas benennen kann“. Menschen haben grundsätzlich das Bedürfnis, allem einen Namen zu geben. Namen sind Grundlage dafür, alles zu unterscheiden, zu ordnen und miteinander in Kontakt zu kommen. Kenne ich den Namen einer Person und kann auch Dinge klar benennen, lässt es sich leichter miteinander austauschen.

Die Schöpfungsgeschichte der Bibel erwähnt, Menschen sollen in Gottes Auftrag alles, was er geschaffen hat, mit Namen versehen. Sie sollen sich alles, was ihnen gegeben wurde, nicht nur aneignen, sie sollen die Dinge auch kennenlernen und unterscheiden. Offensichtlich ist es göttlicher Wille, eine Beziehung zu allem aufzubauen. Beim Propheten Jesaja heißt es von Gott: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Wer andere beim Namen ruft, will keinen Besitz ergreifen. Er will sagen: „Du gehörst zu mir“ und zugleich „Ich gehöre zu dir“. In der Dornbuschgeschichte mit Moses benennt sich Gott selbst: „Ich bin der, der für dich da ist“. Dem göttlichen Beispiel zu folgen, hieße damit, andere möglichst persönlich anzusprechen, damit beim Namen zu rufen, und ihnen deutlich zu machen, für sie da zu sein und nicht gegen sie zu wirken.

Offen und deutlich

Jeder hat das Recht, in seiner Einmaligkeit wahrgenommen zu werden. Das heißt zugleich auch, nicht wegzusehen und, sobald manches in die falsche Richtung läuft, „dem Kind einen Namen zu geben“. Ich zeige damit auf, was nicht in Ordnung ist, erwarte aber nicht gleich eine Antwort darauf. Wer „Dinge beim Namen nennt“, drückt sich klar aus, redet offen und deutlich. Er muss auch nichts beschönigen. Solches Verhalten trägt zu guten Beziehungen und einem guten und ehrlichen Miteinander bei. Es sich anzueignen, auch wenn es noch so schwer ist, wird sich lohnen.

Info: Die Evangelische Kirche thematisiert in den Sonntagsgottesdiensten den Missionsauftrag Jesu und damit den Auftrag zu taufen. Verwiesen wird auf den Prophetenspruch „Ich habe dich beim Namen gerufen“ (Jesaia 43).

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Freier Autor Rubrik "Wegzeichen" in der Wochenendbeilage. Berichte zu den Themen Soziales, Gesellschaft und Kirche.

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