Umwelt - Entlang der Nibelungenbahn zwischen Lorsch und Riedrode wurden größtenteils auf Einhäuser Gemarkung zahlreiche alte Eichen abgesägt Entsetzen über die Fällaktion der Bahn

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Jörg Keller
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Vertreter der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und von Mensch vor Verkehr hatten gestern zu einem Ortstermin zur Rodungsaktion der Bahn eingeladen. © Neu

Einhausen/Lorsch. Bei Werner Groß stand in der vergangenen Woche das Telefon kaum still. Der Bergsträßer Ehrenvorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ist für viele Bürger im Kreis noch immer erster Ansprechpartner, wenn es um Bäume geht. Und von diesen wurden Mitte Februar jede Menge gefällt. Entlang der Gleise der Nibelungenbahn hatte die Deutsche Bahn auf dem rund acht Kilometer langen Teilstück zwischen Lorsch und Riedrode auf ihrem Gelände eine intensivere Rodung veranlasst. Mittlerweile wurde aufgeräumt. „Am Anfang hätte man an Vandalismus denken können“, sagt Werner Groß. Zu sehen sind noch zahlreiche Baumstümpfe und auf vier Metern Höhe abrasierte Hainbuchen.

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Insbesondere den Pedalrittern auf dem parallel dazu verlaufenden Radfernweg R9 war das Verschwinden der Bäume, die meisten davon auf Einhäuser Gemarkung, sofort ins Auge gesprungen.

Teilweise 80 Zentimeter dicke Eichen seien der Maßnahme zum Opfer gefallen, sagt Werner Groß gestern Nachmittag bei einem Vororttermin. Dazu eingeladen hatten der Umweltverband Mensch vor Verkehr (MvV) und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Deren Kreisverbandsvorsitzender Wolfram Grüneklee stellte klar: Rein rechtlich ist gegen die Rodung nichts zu machen. Die Bahn kann über ihr Gelände verfügen. Die Arbeiten wurden zudem rechtzeitig vor der am 1. März beginnenden Brut- und Setzzeit abgeschlossen.

Anders sieht es nach Auffassung der Wald- und Umweltschützer auf der moralischen Seite aus. Hier hätte man sich doch ein anderes Verhalten der Verantwortlichen bei der Bahn gewünscht. Diese hätten sich nicht einmal mit Hessen Forst als Eigentümer des benachbarten Waldstücks abgestimmt, sagt Grüneklee. Dabei habe jedes Aufreißen des Waldrandes auch negative Auswirkungen auf den benachbarten Bewuchs.

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Doch auch für die Menschen sieht Werner Groß Nachteile. So spendeten die südlich stehenden Bäume an heißen Sommertagen den Radfahrern auf dem R9 kühlenden Schatten. Die Strecke liegt ihm auch persönlich am Herzen. Er selbst habe seinerzeit im Auftrag der Forstverwaltung den ersten Radweg auf dieser Route ausbauen lassen – zunächst noch als Schotterstrecke. Mittlerweile ist die stark frequentierte Fahrbahn entlang der Nibelungenbahn asphaltiert.

Werner Groß hatte im Nachgang der Rodung mit zwei zuständigen Vertretern der Bahn gesprochen, berichtet er. Die Maßnahme hätten diese mit der notwendigen Verkehrssicherung begründet – und zwar einerseits für die Zugstrecke als auch für die Radfahrer. Dass dabei stabil im Boden verwurzelte alte Eichen der Säge zum Opfer fielen, konnte aus der Runde beim Ortstermin niemand verstehen. Laut Werner Groß wurde die Gefahr eines Befalls durch den Eichenprozessionsspinner als Argument angeführt.

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Den jetzt vollzogenen Kahlschlag kann sich Jürgen Reiter, einer der MvV-Sprecher, nur mit finanziellen Gründen erklären. „Da geht es ums Geld“, sagt er. Eine einmalige Fällaktion sei einfach günstiger als eine regelmäßige Überprüfung der Gehölze auf Standsicherheit und Erkrankungen. Wolfram Grüneklee pflichtet ihm bei: „Wenn ich alles runterhacke, habe ich zehn Jahre lang Ruhe“, sagt er.

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Werner Groß kann das Verhalten der Bahn gerade in der heutigen Zeit nicht verstehen. „Da wird einerseits jede einzelne Baumpflanzung gefeiert, andererseits werden hier massenweise schöne Eichen gefällt, die für frische Luft, Schatten und Vegetation sorgen.“

Auch, wenn man juristisch der Bahn nicht beikommen kann, empfinden es die Vertreter von SDW und MvV wichtig, dass eine breite Öffentlichkeit von der Rodungsaktion erfährt. „Sonst geht das immer so weiter“, sagt Wolfram Grüneklee. Nach Angaben von Werner Groß haben die Vertreter der Bahn angedeutet, dass es eventuell Ersatzpflanzungen geben könnte. Fraglich ist jedoch, wo neue Bäume in der Region überhaupt Platz finden könnten.

Redaktion Redakteur, Ressorts Lorsch, Einhausen und Region