Ortsbeirat - Langwaden befürchtet hohe Lärmbelastung und Waldverlust / Kooperation mit dem Umweltverband „Mensch vor Verkehr“ Infotafel an geplanter ICE-Trasse aufgestellt

Von 
Thomas Tritsch
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Der Langwadener Ortsvorsteher Günther Bischoff und Bürgermeisterin Christine Klein enthüllten eine Tafel zum Thema ICE-Neubaustrecke, vor Ort auch Reimund Strauch (r.) und Robert Loreth (l.). © Neu

Langwaden. „Ich bin grundsätzlich Optimist“, sagt Reimund Strauch. „Sonst wäre ich nicht 23 Jahre dabei.“ Noch einmal so lange will der Sprecher vom Umweltverband „Mensch vor Verkehr“ (MvV) allerdings nicht warten, bis es beim Thema ICE-Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim eine für die Region zufriedenstellende Lösung gibt.

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Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf dem von der Bahn zugesagten Projektbeirat, der bei der Ausarbeitung der von der Bahn ausgewählten Vorzugsvariante eine wichtige Rolle spielen kann. Das Gremium soll auf Augenhöhe eine bestmögliche Führung und Ausgestaltung diskutieren und die Entscheidungen der Bahn nach eigenen Vorstellungen beeinflussen.

Vorrangiges Ziel sei der Schutz von Mensch und Natur. Neben der Politik und den Kommunen sollen auch Vertreter von Umweltverbänden wie Nabu, BUND und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mitarbeiten dürfen. „Wir wollen verhandeln“, so Strauch, der den Prozess in einer „heißen Zwischenphase“ sieht.

Aus Bensheimer Perspektive geht es momentan vor allem um die Situation in Langwaden. Um das Problem noch stärker in die Öffentlichkeit zu bringen, hat der Verein im Schulterschluss mit dem Ortsbeirat eine Infotafel aufgestellt. Und zwar genau dort, wo die Trasse entlang führen könnte: östlich der A 67.

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Einen langen bergmännischen Tunnel von Langwaden bis Lorsch, wie er im sogenannten „Bergsträßer Konsens“ gefordert wird, lehnt die Bahn bislang bekanntlich ab. Stattdessen sollen die Züge bis unmittelbar vor Lorsch auf freier Strecke überirdisch fahren.

In den angrenzenden Kommunen befürchten die Bürger aber erhebliche Belastungen durch Lärm und Flächenverbrauch direkt vor ihrer Haustür, wenn künftig ICE und Güterzüge unmittelbar an den Ortschaften vorbeidonnern. „Einen ausreichenden Lärmschutz bei Langwaden wird es nicht geben“, betont Robert Loreth aus dem Ortsbeirat. Gemeinsam mit Ortsvorsteher Günter Bischof, Reimund Strauch und der Bensheimer Bürgermeisterin Christine Klein wurde die Infotafel am Montag offiziell vorgestellt.

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Die Stadt Bensheim hatte (wie auch die Kommunen Lorsch und Einhausen) die andere mögliche Variante, eine Trassenführung entlang der A 5, stets abgelehnt. Denn dadurch würden die Stadtteile im Westen optisch wie infrastrukturell von der Kernstadt abgetrennt. Der Kurs entlang der A 67 sei insgesamt besser, bringe aber konkrete Probleme für Langwaden mit sich. Christine Klein kündigte an, weiterhin im Dialog mit dem Ortsbeirat für eine verträgliche Lösung kämpfen zu wollen: „Wir arbeiten Hand in Hand.“

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Robert Loreth, der auch im Vorstand von MvV aktiv ist, verweist darauf, dass der kleine Ortsteil von allen Siedlungen im betreffenden Streckenbereich die mit Abstand höchste Geräuschbelastung zu erwarten habe. Insbesondere der nächtliche Güterverkehr werde für akustische Störungen sorgen. Zudem rangiere der Waldverlust durch den oberirdischen Streckenbau in der Größenordnung von rund 90 Hektar.

Zudem sei über die genaue Breite des künftigen Betriebswegs sowie der Abstände zwischen Autobahn und Gleisen noch nichts bekannt. Die Schneise könnte also recht nah an den Ort heranrücken. Für eine Umsetzung der sogenannten Schutzfälle (SF) müsse man bei einer ebenerdigen Führung der Trasse mit einem enormen Aufwand rechnen. Für Langwaden geht Loreth von mindestens 24 Schutzfällen aus, die durch Lärmschutzmaßnahmen gelöst werden müssten. Ein Schutzfall ergibt sich, wenn ein akustischer Grenzwert überschritten wird.

Offenbar gehe es bei den aktuellen Planungen weniger um die Menschen als um die Wirtschaft, kritisiert Reimund Strauch. Auch der rechtliche Weg steht noch immer im Raum – ist aber erst möglich, wenn mit dem Planfeststellungsverfahren begonnen wurde. Eine Situation wie im Dannenröder Forst, wo es um ein deutlich kleineres Waldgebiet geht, wolle man auf jeden Fall vermeiden. „Ich sehe schon Leute in den Bäumen sitzen.“

Im Projektbeirat sieht er derzeit das einzige Instrument, mit dem man in der Sache vorankommen könnte. Für die Menschen in Langwaden geht es nun zuvorderst darum, „wie“ die Neubaustrecke gebaut wird.

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