Evangelische Kirche

Bensheimer Theologiestudentin: "Der Pfarrberuf passt zu mir"

Von 
red
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Theologiestudentin Valerie Voll aus Bensheim mit dem Dekan Arno Kreh in Heppenheim. © Berndt Biewendt

Bensheim/Bergstraße. Angesichts steigender Pensionierungszahlen will die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) verstärkt theologischen Nachwuchs fördern und gewinnen. Aus dem Dekanat Bergstraße kommen aktuell sieben Theologiestudierende. Valerie Voll aus Bensheim und Laura Pfeifer aus Auerbach beziehungsweise Bickenbach sind zwei davon.

„Eine Video-Schalte nach Israel, die hatten wir hier auch noch nicht“, freut sich Arno Kreh über die Online-Stippvisite von Valerie Voll im Haus der Kirche – während der Dekan des Evangelischen Dekanats Bergstraße an seinem Schreibtisch im wolkenverhangenen und nasskalten Heppenheim sitzt, genießt die 22-jährige Theologiestudentin aus Bensheim an diesem Vormittag den blauen Himmel und die wärmende Sonne auf einem Balkon in Jerusalem.

Studienjahr in Jerusalem

Seit August 2022 lebt und lernt Valerie Voll in der Dormitio-Abtei, einer Ordensgemeinschaft von deutschsprachigen Benediktiner-Mönchen, die sich auf dem Berg Zion in direkter Nachbarschaft zur Jerusalemer Altstadt befindet. Nach Vollendung ihres siebten Semesters an der Universität Mainz ist die ehemalige Liebfrauenschülerin zu einem theologischen Studienjahr ins Heilige Land gestartet. Nach ihrer Rückkehr im Frühjahr 2023 wird sie ihrer Studienzeit so zwei weitere Semester und viele gute Erfahrungen hinzugefügt haben.

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Zugeschaltet ist auch die 24-jährige Theologiestudentin Laura Pfeifer – allerdings sitzt sie nicht, wie Valerie Voll, knapp 3000 Kilometer Luftlinie vom Haus der Kirche entfernt in Israel, sondern in Bickenbach. Laura Pfeifer studiert im zwölften Semester an der Universität Heidelberg und nutzt an diesem Vormittag ebenfalls die Gelegenheit zum Austausch mit Arno Kreh über den Verlauf ihres Studiums.

Aus dem Evangelischen Dekanat Bergstraße kommen aktuell sieben Theologiestudierende – ihnen bietet das Dekanat seine Unterstützung an. Und eben die beschränkt sich nicht auf 50 Euro Büchergeld pro Semester, sondern reicht weiter: Vom Netzwerk, über das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haus der Kirche verfügen, können auch die Studierenden profitieren, zum Beispiel bei der Vermittlung von Praktikplätzen.

Valerie Voll beispielsweise wollte vor ihrem Israelaufenthalt eigentlich im Frauengefängnis Frankfurt-Preungesheim hospitieren, am Ende machte ihr jedoch die Coronavirus-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Den Kontakt hatte Arno Kreh vermittelt. „Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben“, so der Dekan, der mit Blick auf seinen eigenen Dienst als Pfarrer dringend empfiehlt: „Nutzen Sie die Praktika auch als Möglichkeit, um herauszufinden, was Sie nicht wollen!“ Für ihn selbst habe sich beispielsweise die Spezialseelsorge „nicht als das für mich geeignete Arbeitsfeld erwiesen“, stattdessen schwärmt er, habe er seine „Erfüllung in der Vielfalt des Gemeindepfarramtes“ gefunden.

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dpa/lhe
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Pfarrerinnen in einer Gemeinde zu werden, das ist übrigens – Stand jetzt – auch der Berufswunsch von Valerie Voll und Laura Pfeifer. Bei Valerie Voll – Tochter von Pfarrerin Uta Voll und Kirchenmusiker Konja Voll – sollte man meinen, ihr sei eine Zukunft als Pfarrerin sozusagen „in die Wiege gelegt“ worden, aber weit gefehlt: „Bis ich 18 Jahre alt war, da dachte ich mir: Ich werde keine Pfarrerin.“ Während ihrer Schulzeit habe sie sogar bewusst deswegen kein Latein gewählt.

Bei den Abitur-Vorbereitungen, konkret im Religionsunterricht, habe sie dann jedoch bemerkt, „dass es Spaß macht, in die Tiefe zu gehen und sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen“. Rückblickend betrachtet sei es ein Glück gewesen, „in einem Pfarrhaushalt aufzuwachsen“. So habe sie erleben können, „wie erfüllend und abwechslungsreich dieser Beruf ist“. Mittlerweile habe sie auch die Scheu verloren, über ihren Glauben reden zu können. Valerie Voll ist sich sicher: „Der Beruf passt zu mir!“

„Vielfältig und bunt“

Laura Pfeifer stammt zwar nicht aus einem Pfarrhaushalt, hatte aber bereits als Kind und Jugendliche in Auerbach intensiven Kontakt zur evangelischen Kirchengemeinde, engagierte sich in der Dekanatsjugendvertretung. Beim Gemeindepädagogen Arik Siegel machte sie ein Praktikum, um festzustellen, „dass ich aber doch nicht in diese Richtung gehen möchte“.

Für Laura Pfeifer stand fest, dass sie an der Uni in Heidelberg eine Geisteswissenschaft studieren möchte. Und beim Erkunden der möglichen Fächer „war mir auf einmal klar: Die Theologie passt gut zu mir“. Wie Valerie Voll freut sie sich auf die Begegnung mit Menschen, auf die Arbeit in interdisziplinären Teams und auf einem „vielfältigen und bunten“ Beruf als Pfarrerin.

Auch Dekan Arno Kreh freut sich – nämlich über zwei angehende Pfarrerinnen, zumal aus dem eigenen Dekanat, „die fröhlich unterwegs und begeistert von den Inhalten sind“. Kreh: „Dass Sie beide auf den Pfarrberuf zugehen, das ist toll.“ Und die beruflichen Perspektiven für die beiden sind sehr aussichtsreich. Pro Jahr möchte die EKHN mindestens 40 junge Pfarrerinnen und Pfarrer neu einstellen.

Doch der Bedarf ist deutlich höher, weil gegenwärtig die „Baby-Boomer-Generation“ in den Ruhestand geht und die Pensionierungszahlen auf bis zu 100 Pfarrpersonen jährlich steigen. red

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