Vortragsreihe Gandhi und Ganser: Vom Niedergang der Lebenskunst

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„Wirbel um Ganser-Auftritt im Bürgerhaus“, BA vom 14. Februar

Justus Keller hat mit dem Vortrag von Verschwörungsunternehmer Daniele Ganser in der Reihe Lebenskunst zu Recht Gegenwind bekommen und versteigt sich nun in wirre Vergleiche, rückt Ganser in die Nähe von Gandhi und Jesus (BA vom 14. Januar).

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Dass die viele Jahre erfolgreiche Vortragsreihe schon vor längerer Zeit falsch abgebogen ist, wurde spätestens mit dem Vortrag des ehemaligen Krankenpflegers (sich selbst als Krebsforscher bezeichnenden) Lothar Hirneise über Onkologie im Jahr 2020 klar.

Nur weil Galileo Galilei zu Lebzeiten als Spinner angesehen wurde, lässt sich daraus eben nicht ableiten, dass Spinner und Vertreter abseitiger Thesen richtigliegen. Dieses sogenannte Galilei-Argument hat unter anderem auch schon Rolf Dobelli (vor etwa zehn Jahren in der Lebenskunstreihe zu Gast) als klaren Denkfehler benannt.

Die Stadt tut gut daran, künftig genauer hinzusehen, wem man Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Sparkasse und GGEW haben sich vom Sponsoring der Lebenskunstreihe aktuell verabschiedet. Als einziger Sponsor auf der Website firmiert nur noch die Steffen Lohrer Stiftung, die sich unter anderem für Geistiges Heilen, Shiatsu, Bach-Blütentherapie und Homöopathie stark macht.

Wie sagte schon Vince Ebert (vor etwa zehn Jahren ebenfalls Gastredner in der Vortragsreihe) so treffend über Homöopathie: „Das ist, als ob man in Würzburg einen Autoschlüssel in den Main wirft und dann in Frankfurt versucht, das Auto mit dem Mainwasser zu starten.“

Wenn Keller seinen Vortragenden aus den 2010er Jahren besser zugehört hätte, wären Bensheim fragwürdige Redner und Verschwörungsunternehmer in den 2020ern erspart geblieben – und Keller wäre mit seiner Vortragsreihe in guter Erinnerung.

Clemens Lichter

Bensheim