Landgericht Mannheim - Angeklagte Ex-Vorstände und Staatsanwaltschaft stimmen unter anderem Bewährungsstrafen zu

Verständigung im Hess-Prozess

Von 
dpa
Lesedauer: 
Im Prozess gegen Ex-Vorstände des Leuchtenherstellers Hess ging es um bilanzielle Unregelmäßigkeiten vor dem Börsengang. © dpa

Mannheim. Im Prozess um Unregelmäßigkeiten bei der ehemaligen Leuchtmittelfirma Hess AG haben die beiden angeklagten Ex-Vorstände einen Verständigungsvorschlag des Landgerichts Mannheim angenommen. Auch hat die Staatsanwaltschaft Mannheim am Mittwoch einer Verständigung zugestimmt.

AdUnit urban-intext1

Verhandlung geht vorerst weiter

Der vom Gericht in der vergangenen Woche unterbreitete Vorschlag sieht ein Geständnis zu einem Teil der Anklagepunkte und jeweils Bewährungsstrafen vor. Gleichzeitig sollen mehrere Anklagepunkte fallengelassen werden. Die Ex-Vorstände der Hess AG in Villingen-Schwenningen sollen 2011 und 2012 laut Anklage vor dem Börsengang Berichte über die Ertragslage des Konzerns geschönt haben. Vorgeworfen werden ihnen gemeinschaftliche Verletzung der Buchführungspflichten, Marktmanipulation, schwere Untreue, Kreditbetrug und unrichtige Darstellung nach dem Handelsgesetzbuch. Im Falle einer erfolgreichen Verständigung würde der Vorwurf der Marktmanipulation fallen, außerdem teilweise die Anklage wegen unrichtiger Darstellung sowie der Untreue. Trotz der nun angenommenen Verständigung in dem seit Oktober laufenden Prozess um dubiose Kreislaufgeschäfte wird zunächst weiterverhandelt. Wie der Vorsitzende Richter sagte, würde eine Verständigung obsolet, kämen im Nachhinein belastende Fakten ans Licht.

Die Vernehmung eines früheren Mitarbeiters bot am Mittwoch Einblicke in das Geschäftsgebaren der Hess AG. Der 61 Jahre alte Diplom-Ökonom und Speditionskaufmann war seit Anfang der 2000er Jahre etwa für Betriebsabrechnungen, aber auch für die Verschmelzung der drei Geschäftsbereiche Leuchtenfertigung, Gießerei und Stahlbau zuständig.

Bei seiner Aussage beschrieb der Zeuge ein Unternehmen, das zeitweise von Überforderung und gleichzeitiger Überschätzung der eigenen Möglichkeiten geprägt war: „Das Ganze war eine Nummer zu groß.“

AdUnit urban-intext2

Mit der Zeit seien immer mehr Projekte, etwa die Gründung verschiedener Gesellschaften und Umstrukturierungen, zu bewältigen gewesen. „Es wurde einfach immer komplizierter“, sagte der Zeuge. Irgendwann habe man den Überblick verloren. Aus Verzweiflung habe man Probleme auf eine Weise bewältigt, die man heute nicht mehr in Erwägung ziehen würde.