Corona-Umfrage - Unternehmen erwarten auch in diesem Jahr eine Rezession / Jede vierte Firma könnte Pleite gehen Betriebe verlieren Vertrauen in die Politik

Von
Walter Serif
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Mannheim. Der zweite Lockdown zerrt immer stärker an den Nerven der Betriebe in Deutschland. Mehr als ein Fünftel der Unternehmen erwartet, dass ihre eigenen Umsätze überhaupt nie wieder das Vorkrisen-Niveau erreichen werden. „Das sind dramatische Werte“, sagt Jannis Bischof von der Universität Mannheim, Mitautor der Corona-Umfrage des German Business Panel.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat schnelle Soforthilfen versprochen – und sich nun entschuldigt, weil das Geld nur schleppend fließt. © dpa
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Im Durchschnitt rechnen die Firmen demnach damit, dass ihre Geschäfte erst im ersten Quartal nächsten Jahres wieder wie früher laufen werden. Und während gegenwärtig die Debatte über Lockerungen der Kontaktbeschränkungen an Dynamik zunimmt, glauben die Unternehmen, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens bis November dieses Jahres anhalten werden.

„Die Gewinne der Unternehmen könnten in diesem Jahr um mehr als 20 Prozent sinken, vor allem der Januar hat sich aus ihrer Sicht schlechter entwickelt als erwartet“, sagt Bischof. Während die Bundesregierung für 2021 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von drei Prozent kalkuliert, glauben die Betriebe, dass Deutschland auch in diesem Jahr eine schwere Rezession erleben wird. Im Sommer 2020 hatten sie noch mit einem Mini-Negativwachstum von minus 0,6 gerechnet, jetzt sind es im Januar minus 5,4 Prozent. „Das heißt, die Unternehmen sehen keine große Hoffnung am Horizont“, sagt Bischof.

Vor diesem Hintergrund sei es kein Wunder, dass die Befragten davon ausgehen würden, dass in ihrer jeweils eigenen Branche beinahe jeder vierte Betrieb die Krise wirtschaftlich nicht überleben werde. Die Bundesregierung hat ihr Versprechen nicht einlösen können, den Unternehmen eine Perspektive zu bieten. „Die Unzufriedenheit mit der Politik steigt“, sagt Bischof.

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Weniger als 20 Prozent der befragten Betriebe sind zufrieden mit den Staatshilfen. Wenn die vielen versprochenen Milliarden Euro ankommen würden, wäre das vielleicht anders. „Die bürokratischen Hürden sind sehr groß, außerdem beklagen einige Betriebe, sie hätten das Geld wieder zurückzahlen müssen, weil die Auszahlungskriterien unklar gewesen seien“, fasst Bischof die Kritik der Unternehmen zusammen.

Interessant ist, dass die Kritik auch von Betrieben kommt, die gar nicht schließen mussten. „Es ist hier insgesamt ein Vertrauensverlust entstanden, weil die Politiker die von ihnen selbst geweckten Erwartungen nicht erfüllen konnten“, so der Wissenschaftler. Die Unternehmen ärgern sich darüber, dass die Politik Versprechungen macht, die sie nicht einhält.

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Wer den Ankündigungen des Wirtschaftsministers Peter Altmaier (CDU) glaubte, dass der Einzelhandel nicht flächendeckend geschlossen werde, fühlt sich jetzt hinters Licht geführt. „Viele Unternehmen berichten, dass sie sich auf solche Aussagen verlassen und Geld in Hygienemaßnahmen gesteckt hätten“, nennt Philipp Dörrenberg, ein anderer Mitautor der Studie, ein Beispiel. Die Betriebe vermissen die Planungssicherheit.

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Die Universität Mannheim führt die Unternehmensbefragung German Business Panel über einen langfristigen Zeitraum durch. Es beteiligen sich bundesweit mehr als 10 000 Betriebe an der Befragung in Form von Interviews.

Redaktion Reporter für Poltiik und Wirtschaft

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