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Prominente - Der britische Journalist Chris Atkins saß selbst in dem Gefängnis, in dem der Ex-Tennisprofi nun seine Strafe absitzt / Er berichtet von schlimmen Zuständen

„Das ist für Becker sicher ein Schock“

Von 
Susanne Ebner
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London. Chris Atkins, 46, britischer Journalist, Dokumentarfilmer und Autor, verbrachte mehrere Monate in dem Londoner Gefängnis, in dem auch BorisBecker aktuell untergebracht ist. Im Interview mit dieser Redaktion berichtet er vom schwierigen Alltag, von der Unterfinanzierung britischer Haftanstalten und davon, wie er die Lage für den einstigen Tennis-Profi einschätzt.

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Herr Atkins, Sie wurden 2015 wegen Steuerhinterziehung zu fünf Jahren Haft verurteilt und verbrachten mehrere Monate in Wandsworth.Wie war es dort?

Boris Becker vor seiner Inhaftierung in London. © Alberto Pezzali/dpa

Chris Atkins: Es war wirklich ziemlich widerlich, als würde man eine Zeitreise in die Vergangenheit antreten. Eine schreckliche Erfahrung.

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Weshalb?

Atkins: Das Gefängnis ist extrem unterfinanziert. Dort sind Menschen mit Drogenproblemen untergebracht, Menschen mit psychischen Problemen, von denen man denkt, dass sie dort eigentlich nicht sein sollten.

Können Sie einen typischen Tagesablauf schildern?

Atkins: Das werde ich häufiger gefragt. Und das ist etwas seltsam, denn es gab keinen typischen Tagesablauf. Vor allem am Anfang, nachdem man angekommen ist, verbringt man den ganzen Tag in der Zelle. Insbesondere im Sommer ist es dort dann sehr heiß. Das ist wirklich ekelhaft, auch, weil es stinkt.

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Das heißt, man kommt kaum raus?

Atkins: Wenn man Glück hat, kommt man mal raus aus der Zelle, um etwas zu essen oder um sich ein wenig sportlich zu betätigen, um sich ein bisschen zu bewegen oder mal zu duschen. Aber das war es, sonst passiert da nichts. Man sieht selten das Sonnenlicht. Als ich Wandsworth verlassen habe, war ich sehr weiß und fahl.

Wie sieht die Zelle aus?

Atkins: Es ist eine sehr kleine Zelle, etwas größer als sechs Quadratmeter, ausgestattet für zwei Personen. Über die Jahre wurde das Budget für Gefängnisse in Großbritannien immer weiter gekürzt. Deshalb fehlt es dort einfach an allen Ecken und Enden.

BorisBecker hat sich ja auch über das schlechte Essen in Wandsworth beschwert. Können Sie das bestätigen?

Atkins: Absolut.Das Budget umfasst zwei Pfund pro Tag, um einen Erwachsenen zu verköstigen. Das ist einfach nicht genug.

Kommt es zu Gewalt?

Atkins: Ich habe viel Gewalt gesehen, aber war ihr nie selbst ausgesetzt. Es gibt viele Straßengangs in London. Und diese Auseinandersetzungen, die Rivalitäten zwischen diesen Gruppen, gehen in die britischen Gefängnisse über. Aber da ich kein Mitglied einer Bande bin, wurde ich nie in solche Konflikte verwickelt.

Also wird Boris Becker Ihrer Meinung nach ebenfalls keiner Gewalt ausgesetzt sein?

Atkins: Einer der wenigen Vorteile davon, den ganzen Tag in der Zelle zu sitzen, ist, dass man keine anderen Gefängnisinsassen trifft. Solange also nicht ausgerechnet sein Zellennachbar gewalttätig ist, wird er sicher sein. Ein Aufenthalt in Wandsworth ist eine große psychische Herausforderung, aber man sieht sich nicht mit Hunderten gewaltsamen Gefängnisinsassen konfrontiert.

Gewöhnt man sich daran, unter solchen Umständen zu leben?

Atkins: Für jemanden wie Boris Becker, der es gewohnt ist, ein komfortables, privilegiertes Leben zu führen, ist das zunächst sicher ein massiver Schock. Nach ein paar Monaten passt man sich jedoch an. Und nach sechs Monaten fühlt man sich dort zuhause. Aber Becker wird nicht lange dort sein. Ich denke, er wird in zwei, drei Wochen in eine andere Einrichtung kommen. Er hat ja keine lange Strafe und ist auch nicht gefährlich, deshalb wird er dann in ein offenes Gefängnis verlegt werden.

Wie haben Sie die Zeit im Gefängnis denn psychisch überstanden?

Atkins: Ich habe im Gefängnis Tagebuch geführt. Daraus entstand dann sogar ein Buch, das sich sehr gut verkauft hat. So konnte ich auf die Verhältnisse aufmerksam machen, über meine Erlebnisse sprechen. Das hat mir sehr geholfen.

Denken Sie , dass Boris Becker den Aufenthalt gut überstehen kann?

Atkins: Ja, auch er kann etwas Gutes aus dieser Erfahrung machen, indem er darüber spricht. Schließlich schafft er schon jetzt mehr Aufmerksamkeit für die Verhältnisse in britischen Haftanstalten, als ich es je konnte. Darüber hinaus sieht man an ihm, dass Menschen, die im Gefängnis landen, oft keine schlechten Menschen sind. Es sind Menschen, die Fehler gemacht haben.Ich meine, schauen Sie sich Boris Becker an, er war ein großartiger Tennisspieler, ein guter Kommentator. Ich denke, solange er Verantwortung übernimmt und seine Situation annimmt, ist das nicht das Ende.

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