Österreich - So wie 2016 will die Auswahl der Alpenrepublik ihre Aufgaben nicht nochmals unterschätzen / 21 Spieler aus der Bundesliga

Aus Schaden klug geworden?

Von 
Frank Hellmann
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David Alaba (links) und der ehemalige Bremer Marko Arnautovic gehören zu den festen Größen in der österreichischen Nationalmannschaft. © dpa

Frankfurt/Seefeld. Nicht umsonst hat sich die österreichische Nationalmannschaft ihr EM-Basiscamp in Seefeld eingerichtet. Die besonderen Vorzüge der Olympiaregion genoss jüngst erst die deutsche Auswahl in der Vorbereitung, unmittelbar danach errichtete der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) mit Blick aufs Wettersteingebirge seine Wohlfühloase, wobei das Training vor den Skisprungschanzen auch ohne kilometerlange Zäune mit Sichtschutzblenden auskommt. Wirkt gleich alles ein bisschen einladender, und eine gewisse Offenheit und Lockerheit vermitteln auch die digitalen Pressekonferenzen, in denen vorrangig Akteure aus der deutschen Bundesliga auftreten.

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21 der 26 Kaderkräfte kommen schließlich aus deutschen Clubs. Jede Fragerunde ist vor dem Auftaktspiel in Bukarest gegen Nordmazedonien (Sonntag 18 Uhr/ZDF) allerdings von einem Thema überspannt worden, das als Stimmungsdämpfer wie eine dunkle Wolke über dem Turnierauftakt hängt: der Fluch der verhunzten EM 2016. Nur zur Erinnerung: Die Österreicher hatten damals in der Qualifikation so formvollendet Fußball gespielt, dass ihnen bereits der Status des Geheimfavoriten anhaftete; und der „Aufstieg“ – wie der Achtelfinaleinzug bei den Nachbarn genannt wird – gegen Ungarn, Island und Portugal Formsache schien. Eine 0:2-Pleite im ersten Spiel gegen Ungarn war vor fünf Jahren bereits der Anfang vom Ende.

„Wir haben die Gruppe und die Gegner unterschätzt“, gab Marko Arnautovic, 32, am Freitag ohne Umschweife zu. Der einst beim SV Werder angestellte Grenzgänger, der als Vater einer sechs- und einer bald neunjährigen Tochter inzwischen deutlich gereifter auftritt, nannte die eigene Überheblichkeit als Ursache des frühen Scheiterns. Auch Martin Hinteregger, 28, von Eintracht Frankfurt bemühte die Vergangenheit für eine grundsätzliche Mahnung: „Wir haben vor fünf Jahren unser blaues Wunder erlebt. Das sollte bei allen die Sinne schärfen.“

Und Aleksandar Dragovic, 30, von Bayer Leverkusen, ein weiterer von acht Zeitzeugen aus der missglückten Frankreich-Mission, sagte: „Wir haben geglaubt, dass wir die Könige sind – das war vielleicht ein Fehler.“ Definitiv sogar.

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Reichlich bedröppelt schlich dereinst auch David Alaba, inzwischen 28, mit einer ulkigen Irokesen-Frisur vom Rasen in Bordeaux, wo der Bayern-Profi ein in jeder Hinsicht verstörendes Erscheinungsbild abgegeben hatte. Allzu viel Lust, den Blick in den Rückspiegel zu werfen, hatte Österreichs Topstar vor dem Bukarest-Trip zwar nicht, aber er sei an diesem Tiefschlag „definitiv gewachsen“. Was der gebürtige Wiener zum Vergleich zwischen 2016 und 2021 noch anmerkte: „Bei der Qualität in der Breite sind wir jetzt stärker.“

„Das ganze Land mitreißen“

Hinteregger, Dragovic, Alaba und Arnautovic bilden immer noch Fixpunkte, geben sich indes ausdrücklich als Teamplayer zu verstehen. Allrounder Alaba möchte mit der Gemeinschaft am liebsten „das ganze Land mitreißen“; der inzwischen in Shanghai kickende Angreifer Arnautovic gibt zu verstehen, „dass ohne Mitspieler auch ein Marko Arnautovic nicht funktioniert.“ Sie wissen aus leidvoller Erfahrung um das zwiespältige Verhältnis ihrer Landsleute zu den Fußballern, denen anders als den Skifahrern kaum Fehler verziehen werden. Und immer besteht die Gefahr zwischen die Extreme zu geraten: irgendwo zwischen Selbstüberschätzung und Selbstzerstörung.

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Trainer Foda schon angezählt

Aktuell ist auch Trainer Franco Foda wegen einer 0:4-Klatsche in der WM-Qualifikation gegen Dänemark angezählt. Was dem 55-Jährigen die erste EM-Aufgabe ein bisschen erleichtern könnte, ist der Umstand, dass Gegner Nordmazedonien kürzlich Deutschland in der WM-Qualifikation aufs Kreuz legte. Solch einen Reinfall will man nicht erleben.

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Aus Seefeld vermitteln aber auch die jungen Akteure einen selbstbewussten Eindruck. So wie Sasa Kalajdzic, 23, vom VfB Stuttgart, der sich gegen die Behebung der Torflaute – seit 316 Minuten gelang Österreich kein Länderspieltreffer mehr – vorstellen könnte, eine Doppelspitze mit Arnautovic bilden zu wollen. Einen Wunsch, den der Charakterkopf umgehend erwiderte: „Mich würde das auch freuen. Doch das entscheidet der Trainer.“ Und Foda hat in seinem eher defensiv ausgerichteten System nur einen Stürmer vorgesehen.