Tennis - Wieder kein Grand-Slam-Titel – Alexander Zverev scheidet in Paris nach dramatischem Halbfinale gegen Stefanos Tsitsipas aus

Am Ende bleibt tiefer Frust

Von 
Lars Reinefeld
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Ein fairer Verlierer: Alexander Zverev (r.) gratuliert Stefanos Tsitsipas zum Einzug ins Finale der French Open. © dpa

Paris. Nach seinem bitteren Halbfinal-Aus winkte Alexander Zverev noch einmal tapfer ins Publikum, dann verließ er tief gefrustet den Centre Court von Paris. Trotz einer beeindruckenden Energieleistung hat Deutschlands bester Tennisspieler bei den French Open das Endspiel knapp verpasst. Zverev verlor am Freitag im Halbfinale gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas in einer dramatischen Partie mit 3:6, 3:6, 6:4, 6:4, 3:6 und muss damit weiter auf seinen ersten Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere warten.

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Herren-Einzel, Halbfinale: Stefanos Tsitsipas (Griechenland/5) ...

Herren-Einzel, Halbfinale: Stefanos Tsitsipas (Griechenland/5) - Alexander Zverev (Hamburg/6) 6:3, 6:3, 4:6, 4:6, 6:3.

Damen-Einzel, Halbfinale: Barbora Krejcikova (Tschechien) - Maria Sakkari (Griechenland/17) 7:5, 4:6, 9:7; Anastasia Pawljutschenkowa (Russland/31) - Tamara Zidansek (Slowenien) 7:5, 6:3.

Damen-Doppel, Halbfinale: Barbora Krejcikova/Katerina Siniakova (Tschechien) - Magda Linette/Bernarda Pera (Polen/USA) 6:1, 6:2; Bethanie Mattek-Sands/Iga Swiatek (USA/Polen) - Irina-Camelia Begu/Nadia Podoroska (Rumänien/Argentinien) 6:3, 6:4.

Ungeachtet seiner starken Leistung überwog bei Zverev nur der Frust. „Ich bin nicht mehr auf einem Level, wo mir gute Matches reichen. War es ein gutes Match? Ja. Aber am Ende des Tages fliege ich morgen nach Hause. Es gibt daher nichts Positives heute“, sagte der 24-Jährige tief enttäuscht. „Halbfinals interessieren mich nicht mehr. Das mag arrogant klingen, soll es aber nicht. Ich habe das Turnier nicht gewonnen, das ist das Einzige, was zählt.“

Zverev konnte anfangs nicht an seine zuvor starken Leistungen im Stade Roland Garros anknüpfen. Der gebürtige Hamburger machte zu Beginn viele leichte Fehler, steigerte sich dann aber und zeigte großes Kämpferherz. Zverev machte einen Zweisatz-Rückstand wett, doch am Ende fehlte ihm etwas das Glück. Allerdings zeigte er sich auch selbstkritisch: „Ich habe erst im dritten Satz angefangen, gut Tennis zu spielen. Das geht nicht in einem Grand-Slam-Halbfinale gegen einen so starken Gegner.“

Tsitsipas zu Tränen gerührt

Nach 3:37 Stunden verwandelte Tsitsipas seinen fünften Matchball und steht erstmals in einem Grand-Slam-Finale. „Das war das größte Match meiner Karriere“, sagte der kampfstarke Grieche mit Tränen in den Augen. Zverev verpasste dagegen seinen ersten Sieg gegen einen Spieler aus den Top Ten bei einem Grand-Slam-Turnier und den ersten Finaleinzug eines Deutschen bei den French Open seit Michael Stich vor 25 Jahren.

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Zverev erwischte einen schlechten Start und gab sofort seinen Aufschlag ab. Tsitsipas zog schnell auf 3:0 davon und bestimmte fortan das Geschehen fast nach Belieben. Nach gerade einmal 38 Minuten holte sich der Grieche den ersten Satz – auch weil sich Zverev bis zu diesem Zeitpunkt bereits elf vermeidbare Fehler geleistet hatte.

Die deutsche Nummer eins wirkte nicht so druckvoll und dynamisch wie in den Runden zuvor und bewegte sich deutlich schlechter. Doch im zweiten Satz steigerte sich Zverev zunächst und ging mit einem Break in Führung. 3:0 stand es für den gebürtigen Hamburger, doch dann gelang ihm auf einmal nichts mehr. Tsitsipas machte sechs Spiele in Serie und holte sich auch den zweiten Satz. „Wenn er jetzt so weiter spielt, ist das Spiel in einer halben Stunde vorbei“, sagte Tennis-Legende Boris Becker als TV-Experte bei Eurosport.

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Und Zverev haderte mit sich, blickte immer wieder zu seinem Vater und Trainer Alexander Senior hoch auf die Tribüne. Er steckte aber nicht auf. Zu Beginn des dritten Satzes schaffte der Weltranglisten-Sechste wieder ein frühes Break, das er dieses Mal auch behaupten konnte. Zverev war nun auch deutlich emotionaler als noch in den ersten beiden Sätzen. Als der Schiedsrichter beim Stand von 5:3 eine Entscheidung des Linienrichters überstimmte, diskutierte Zverev minutenlang mit dem Unparteiischen und sogar dem Oberschiedsrichter.

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Eine Schwächephase zu viel

Den Frust wandelte der 24-Jährige in Weltklasse-Tennis um. Wenig später holte sich Zverev den dritten Satz und leitete damit erst einmal die Wende ein. Auch im vierten Durchgang nahm er dem Griechen sofort das Service ab. Tsitsipas spielte nicht schlechter als in den ersten beiden Sätzen, aber Zverev hob das Niveau jetzt auf ein anderes Level.

Das Momentum sprach nun für Zverev. Doch dann leistete er sich zu Beginn des fünften Satzes eine kleine Schwächephase. Erst vergab Zverev im Auftaktspiel des fünften Satzes drei Breakbälle, dann verlor er selbst seinen Aufschlag. Zwar kämpfte Zverev weiter und wehrte beim Stand von 2:5 vier Matchbälle ab, doch es reichte nicht. dpa