Basketball - Farbige sind die Stars des Sports / Tyrone McLaughlin erlebt in seinem Alltag immer wieder „merkwürdige“ Situationen Zwischen Kuriositäten und Vorurteilen

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eh
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Farbige Spieler wie Tyrone McLaughlin vom VfL Bensheim sind umjubelte Stars in der Basketball-Szene. © Neu

Bensheim. Erfahrungen mit rassistischen Anfeindungen hat Tyrone McLaughlin selten gemacht. Die Vorfälle, an die sich der 24-Jährige erinnert, liegen einige Jahre zurück. In Spielen der Basketball-Jugendbundesliga mit Eintracht Frankfurt wurde er aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe von Gegenspielern beleidigt. „Das hat natürlich wehgetan, ich habe darauf nicht reagiert“, erzählt er.

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Geboren ist Tyrone in Darmstadt. Mit seiner Mutter (Tochter einer weißen Deutschen und eines schwarzen US-Amerikaners), seinem afro-amerikanischen Vater, der aus dem US-Bundesstaat North Carolina stammt, sowie seiner Zwillingsschwester und seinem Bruder wuchs Tyrone in Roßdorf auf, wo die Familie nach wie vor lebt. „Wir waren die einzige schwarze Familie in Roßdorf, uns hat jeder gekannt. Wir sind sehr höfliche Menschen, es gab nie Probleme“, beschreibt Tyrone eine Kindheit und Jugend ohne Rassismus.

Auf dem Basketball-Court sah sich der Point Guard des Regionalligisten VfL Bensheim – abgesehen von der Episode aus der Jugend – keinen weiteren rassistischen Attacken ausgesetzt. „Das kann ich mir im Basketball überhaupt nicht vorstellen“, sagt Tyrone mit Blick auf die Sportart, in der schwarze Spieler die größten Stars sind. Auch in der Regionalliga sind viele schwarze US-Boys unterwegs und dabei häufig die herausragenden Akteure ihres Teams. In der letzten Saison, die die Bensheimer auf Platz zwei abschlossen, war Jeremy Ingram der bester Scorer beim VfL. „Solche Spieler werden von anderen Spielern und den Zuschauern bewundert. Da habe ich noch nie böse Worte gehört.“

In seinem Alltag (er absolviert eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement) gab und gibt es immer wieder Situationen, die Tyrone McLaughlin zwischen Merkwürdigkeiten und Vorurteilen einordnet. Etwa wenn sich Gesprächspartner über sein akzentfreies Deutsch wundern oder wenn ihm während einer Busfahrt von Darmstadt nach Roßdorf durch ein leichtes Schulterklopfen von einer Mitfahrerin bedeutet wird, dass die Haltestelle „Flüchtlingsheim“ erreicht ist. Zu diesen eigenartigen Begebenheiten rechnet er auch die fragenden Blicke, die er und seine Geschwister auslösten, wenn sie mit ihrer weißen Großmutter unterwegs waren.

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Über die Familie seines Vaters hat Tyrone McLaughlin Kontakt in die USA und erhält Informationen über die dortigen Geschehnisse. Er versteht und unterstützt die friedlichen Demonstrationen ebenso wie die weltweiten Solidaritätsbekundungen. Die Plünderungen und Zerstörungen im Umfeld der Proteste kritisiert er. „Das lehne ich komplett ab.“

Tyrone McLaughlin hofft auf Reformen in den USA und die nachhaltige Beseitigung des institutionellen Rassismus. Die Chancen für kurzfristige Veränderungen betrachtet er jedoch zurückhaltend. „Unter dem derzeitigen US-Präsidenten ist es schwer, etwas zu ändern.“ eh