Freizeitsport - In der Corona-Krise versuchen immer mehr, sich mit Laufen fitzuhalten / Experten geben Tipps für Einsteiger Richtiges Jogging ist mehr als einfach draufloslaufen

Von 
Eric Horn
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Viele steigen derzeit neu in den Laufsport ein – der Lorscher Silvesterlauf ist eine beliebte Veranstaltung, bei der Freizeitläufer gemeinsam auf die Strecke gehen. © Funck

Bensheim. Die öffentlichen Sportstätten sind geschlossen, ebenso die Studios kommerzieller Anbieter – sportliche Betätigung findet während der Corona-Pandemie beim Workout in den heimischen vier Wänden oder Outdoor beim Spaziergang, Radfahren, Joggen statt. Vor allem das Laufen scheint in diesen Zeiten einen Aufschwung zu erleben, die Anzahl der Jogger hat deutlich zugenommen.

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Neben denen, die schon vor der Krise auf den Wald- und Feldwegen oder entlang der Straßen im Laufschritt unterwegs waren, haben sich in den vergangenen Wochen Neu- und Wiedereinsteiger auf den Weg gemacht, um auf diese Weise Ablenkung vom Isolationsalltag zu finden und darüber hinaus etwas für Körper, Geist und Seele zu tun.

Auch in diesen Tagen geht dem Laufeinstieg idealerweise ein sportärztlicher Check-up voraus. Bei der Durchführung der Laufeinheiten sollten die „Corona-Jogger“ einige Dinge berücksichtigen, um sich nicht zu überfordern. „Sonst verliert man sofort wieder die Lust“, sagt der Bensheimer Sportlehrer und Laufcoach Antonio Carrasco. Wichtig sei es, seine Ansprüche realistisch zu formulieren, rät der Fachmann. „Die Ziele müssen erreichbar sein.“

Für einen Neu- oder Wiedereinsteiger empfehle sich daher ein Start mit Maß. „Wenn man lange nicht gelaufen ist, sollte man langsam anfangen und lieber eine kurze Strecke beziehungsweise Zeitspanne wählen.“ Das Training sollte der Läufer nicht komplett verausgabt beenden, sondern mit dem Gefühl abschließen, dass eine längere Strecke möglich gewesen wäre.

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Carrasco rät dazu, die „Laufsessions“ abwechslungsreich zu gestalten, etwa unterschiedliches Terrain (flach, wellig oder hügelig) zu wählen und Intervalle wie Treppenläufe einzustreuen. Dadurch ließen sich schneller, spürbare Leistungssteigerungen erzielen.

In puncto Ausrüstung empfiehlt der Trainer, sofern der Zustand des Schuhmaterials es zulässt, zunächst Zurückhaltung. „Wenn man zum Beispiel drei Monate durchgehalten hat, kann man sich neue Sportkleidung gönnen, dann ist es nicht nur eine Ausgabe, sondern auch eine Investition.“

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Bei der Auswahl der Laufschuhe empfiehlt der Schuh-Orthopädie-Meister Mathias Mitterle Neu- und Wiedereinsteigern größte Sorgfalt. „Man sollte nicht einfach die alten Hallenschuhe aus dem Keller holen und drauf loslaufen.“ Durch ungeeignetes Schuhwerk könne die Freude an dieser Form der Bewegung schnell nachhaltig getrübt werden, erklärt Mitterle, selbst passionierter (Marathon-)Läufer.

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Der falsche Joggingschuh könnte zu Fehlbelastungen führen bzw. vorhandene Fehlstellungen des Bewegungsapparates nicht ausgleichen. „Wenn man das erste Mal nach längere Zeit wieder laufen war und danach Schmerzen hat, lässt die Motivation sofort wieder nach.“ Im Kosmos der Laufschuhe (Mitterle: „Das ist der am besten erforschte Schuh der Welt.“) lässt sich nahezu für jeden Athleten das auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Modell finden.

Laufanalyse für den richtigen Schuh

Bei der Suche nach dem idealen Joggingschuh ist eine Laufanalyse nützlich: Dabei werden Laufstil und Schuhwerk von Profis unter die Lupe genommen. Die Auswahl des passenden Sportschuhs, darauf weist Mitterle ausdrücklich hin, ist einer von vielen Punkten, die dazu beitragen können, das Laufen zu einem beschwerdefreien Erlebnis zu machen. Generell sei bei körperlichen Problemen das Aufsuchen eines Sportmediziners oder Sportorthopäden ratsam, um den Ursachen der Schmerzen auf den Grund zu gehen. Bei Bedarf kann beispielsweise durch ärztlich verordnete schuhtechnisch-orthopädische Maßnahmen (Einlagen) oder durch spezielles Muskelaufbautraining den Beeinträchtigungen entgegengewirkt werden.

Während der derzeitigen Phase der Corona-Krise bietet Mathias Mitterle mit seinem Mitarbeiterstab aus Orthopädietechnikern, Sportwissenschaftlern und Lauftrainern eine unverbindliche, kostenlose Schnell-Laufanalyse an. Sportler können sich beim Laufen mit dem Handy filmen und per E-Mail (Online-laufanalyse.de) an das Experten-Team schicken. Die Fachleute werfen „einen ersten Blick“ (Mitterle) auf Schuhwerk und Stil des jeweiligen Läufers und nehmen anhand der Sequenz eine kurze Einschätzung vor. „Wir können einige Tipps geben, eine ausführliche Analyse ersetzt das aber nicht.“

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