Radsport - Nachwuchsfahrer aus Auerbach bedauert, dass sein Heimrennen am 1. Mai diesmal ausfällt / 22 Siege im vergangenen Jahr Louis trainiert mehr als vor der Krise

Von 
Helmut Seip
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In der Corona-Krise strampelt Louis Leidert seine Trainings-Kilometer an der Bergstraße, um bei einer Wiederaufnahme des Wett-kampfbetriebs an die Erfolge aus dem vergangenen Jahr anknüpfen zu können. © Neu

Bensheim. Sein Sport lässt Louis Leidert kaum Zeit für andere Hobbys. Aber trotz Corona-Krise und der damit verbundenen Wettkampf-Zwangspause kann er seinen Sport wenigstens trainieren – sogar mit größeren Umfängen, aber dafür weniger intensiv als im Frühjahr üblich. Der 14-jährige Auerbacher ist ambitionierter Radsportler – nicht nur auf der Straße, sondern auch auf der Bahn und im Herbst/Winter als Cyclo-Crosser noch querfeldein.

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Und beim Telefongespräch spürt man, wie ernst und strukturiert der Neuntklässler am Goethe-Gymnasium in Bensheim aktiv ist beziehungsweise in die Pedale tritt – und darüber hinaus auch sehr ambitioniert. Schließlich war er im Vorjahr in seiner fünften Wettkampfsaison so richtig durchgestartet. 22 Siege und 29 Platzierungen (Ränge 2 bis 15) stehen in der offiziellen Online-Ergebnisliste auf seinem Konto; zudem schaffte er im Bahn-Ausdauerbereich den Sprung in den Jugend-Perspektivkader des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR).

„Ich fahre lieber weniger Rennen und komme dafür öfters zumindest auf das Podium, wenn ich schon nicht gewinne“, lautet seine selbstbewusste Herangehensweise. Dass es für den Fahrer im Trikot des RSV Seeheim im Jahr 2019 bisher so gut lief, führt er auch auf die Trainingsanleitungen des Altersklassen-Triathleten und Ironman Uwe Zocholl (42) zurück. Dieser ist wie Mutter Petra Leidert Lehrkraft am Schuldorf Bergstraße.

Dafür sitzt Louis wöchentlich nicht nur etwa zwischen zehn und 17 Stunden im Radsattel, sondern es wird auch noch gejoggt („Oft schon mit nüchternem Magen vor dem Frühstück“); zudem umfasst 30 Prozent des Trainingsprogramms auch noch häusliche Kraft- und Athletikübungen. Alles auch in Corona-Zeiten machbar.

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Deshalb beschreibt Louis, der 2015 mit dem Radsport bei der SSG Bensheim begann und zwischenzeitlich für den VC Darmstadt (2016) sowie für die RSG Frankfurt (2017/18) startete, seinen Fitnesszustand als „gut. Mit drei Wochen Vorlauf und der entsprechenden Umstellung der Trainingsintensität könnte ich wieder bei Rennen starten.“ Ob und wann es solche Wettbewerbe in diesem Jahr noch geben wird, steht derzeit jedoch in den Sternen, aber mit den Bahn-Sichtungsrennen des BDR im Herbst rechnet er.

Eigentlich zählten stets die Starts am 1. Mai in Frankfurt im Rahmenprogramm des Profirennens zu seinem alljährlichen Wettkampfkalender („Neben Einhausen mein Heimrennen“), aber das fällt diesmal bekanntlich aus. Der Auerbacher erinnert sich noch genau an das Schülerrennen im Vorjahr auf dem Frankfurter Innenstadtkurs: „Da machte ich einen dummen Fehler, als ich mich nach einem Ausreißversuch mit etwa 200 Meter Vorsprung wieder ins Feld zurückfallen ließ, obwohl ich mich eigentlich sehr stark fühlte. Eine sofortige Gegenattacke des späteren Solosiegers konnte ich nicht gleich mitgehen und im chaotischen Zielsprint zusammen mit der weiblichen Jugend wurde ich dann nur Fünfter.“

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Doch aus Fehlern lernt man bekanntlich – so auch Louis, der hofft, dass er seine Erfolgsbilanz bei den U15-Schülern nun auch bei der U17-Jugend irgendwann fortsetzen kann, wobei er die Szene kritisch beäugt, „denn gerade die kleineren Rennveranstalter werden es schwer haben, wenn die Sponsoren abspringen“.

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So bleibt derzeit noch etwas mehr Zeit für sein zweites Hobby, das Geige spielen. Und dass er schon wochenlang nicht mehr die Schule besuchen konnte, bedauert er vor allem wegen der fehlenden sozialen Kontakte. Das Erledigen des Online-Hausaufgabenprogramms fiel ihm indes nicht schwer – im Gegenteil: „Wenn einem das Lernen sonst auch leicht fällt, dann geht’s sogar schneller, weil das lange Erklären des Lehrers wegfällt.“ Trotz seines aufwendigen Radsport-Programms, bei dem er zum Beispiel durch BDR-Maßnahmen auch mal den Unterricht ausfallen lassen muss, sieht er sich als guter Schüler nicht im Nachteil: „Das ist alles eine Frage der Selbstorganisation.“

Redaktion