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Handball - In 17 Bundesliga-Jahren mit Bodenständigkeit nur für zwei Clubs gespielt / Emotionale Abschluss-Heimpartie mit der MT Melsungen

Heppenheimer Michael Allendorf beendet außergewöhnliche Profi-Karriere

Von 
esi
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Kassel/Bergstraße. Es war ein Abend voller Emotionen in der Kasseler Rothenbach-Halle. Und im Mittelpunkt stand Michael Allendorf. Der 35-jährige Handball-Profi absolvierte sein letztes Bundesliga-Heimspiel für die MT Melsungen und steuerte fünf Tore zum 27:22-Erfolg im Hessen-Derby gegen Wetzlar bei.

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Beim Abschied sichtlich gerührt: Michael Allendorf. © Alibek Käsler/MT Melsungen

Als Allendorf gemeinsam mit seiner bald vierjährigen Tochter vor dem Spiel einlief, brandete erstmals großer Jubel auf, als er in der 56. Minute ausgewechselt wurde, gab es langanhaltenden Applaus der 5000 Fans für den gebürtigen Heppenheimer, der aber noch einmal getoppt wurde, als nach dem Spiel die offizielle Verabschiedung anstand. Bei der Enthüllung eines riesigen Banners mit der Aufschrift „Allendorf, 22, 2010-2022“ gab es stehende Ovationen für einen Spieler, der den Verein geprägt hat und zu einem Gesicht der Bundesliga wurde.

Das nächste Talent auf Allendorfs Spuren



  • Bei der MT Melsungen schickt sich schon der nächste Bergsträßer an, für Furore zu sorgen.
  • Als Michael Allendorf mit tosendem Applaus vier Minuten vor dem Ende des Spiels gegen Wetzlar ausgewechselt wurde, kam Einsatzzeit von Manuel Hörr.
  • Der erst 17-Jährige stand zum zwölften Mal im Kader des Melsunger Bundesliga-Teams und bekam von seinem Trainer Roberto Garcia Parrondo noch ein paar Minuten geschenkt, als das zuvor lange umkämpfte Hessen-Derby schon entschieden war.
  • Zwei Aktionen nahm sich die Nachwuchshoffnung: Nachdem beim ersten Durchbruchversuch auf der halblinken Position noch ein Schrittfehler gepfiffen wurde, war die zweite erfolgreich: Er erzielte den Treffer zum 27:20.
  • Manuel Hörr wechselte 2021 vom SV Erbach nach Nordhessen, spielte dort anfangs in der Jugend und in der zweiten Mannschaft, ehe er bedingt durch das Verletzungspech im Bundesliga-Kader dort sich empfehlen konnte.
  • Hörr stammt wie Michael Allendorf aus der Kreisstadt uns hat mit Steffen Hörr ebenso einen ehemaligen HC VfL-Spieler zum Vater.
  • Und „Manu“ Hörr hat ebenso wie „Michi“ Allendorf lange im HLZ Bergstraße trainiert und sich dort zum Auswahlspieler entwickelt.

Zwölf Jahre lang stand der Spieler mit der Nummer 22, der beim HC VfL Heppenheim seine ersten handballerischen Schritte machte, dann über die Station HSG Bensheim/Auerbach zur SG Wallau-Massenheim und über Wetzlar schließlich nach Melsungen wechselte, für die Nordhessen auf der Platte. Auch nach seiner aktiven Karriere wird er für die MT tätig sein, ins Management des Bundesligisten wechseln.

Viele Freunde und Familie dabei

Für alle Spieler, die Melsungen verlassen – unter anderem die Nationalspieler Silvio Heinevetter und Tobias Reichmann – gab es kurze Videobotschaften von den Teamkollegen. Doch bei Allendorf, der über 500 Bundesliga-Spiele für die MT bestritt und 17 Mal das Trikot der Nationalmannschaft trug, hatte sich der Verein etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Ehemalige Trainer kamen zu Wort, darunter Norbert Ober, der Allendorf von den Minis bis zur C-Jugend in Heppenheim und im Handball-Leistungszentrum Bergstraße (HLZ) trainierte, und Marcus Essinger, der auch im Namen der anderen HLZ-Trainer Grüße, Lob und Anerkennung via Video-Würfel an den überraschten „Michi“ übermittelte.

Aus der Bergsträßer Heimat war eine große Delegation von Freunden nach Kassel gekommen. „Ich hatte 40 Karten für Freunde und Familie besorgt und die haben nicht gereicht. Und das, obwohl es ein Mittwochabendspiel war. Viele haben sich für mich extra Urlaub genommen“, freute sich Allendorf über die große Wertschätzung und versprach, zukünftig öfter wieder in der Heimat vorbei zu schauen, wo er ohnehin regelmäßig in Bensheim bei seiner Mutter zu Besuch ist.

Die weiteste Anreise hatte indes seine Schwester, die aus Australien angereist war. Die Freunde hatten „Abschiedstrikots“ an und feierten Allendorf gebührend. Zu Recht, denn die Karriere des Linksaußen sowie gleichzeitig seine Vereinstreue und Bodenständigkeit sind beeindruckend. Mit Wetzlar und Melsungen war er nur bei zwei Vereinen im Aktivenbereich in 17 Jahren aktiv – und das bei konstanten starken Leistungen– mit ihm geht ein absoluter Dauerbrenner in den wohlverdienten „Ruhestand“. Wobei er schon jetzt sich eine kleine Option offen hält: „Die zweite Mannschaft der MT hat schon gefragt, ob ich manchmal mitspielen könnte. Das wäre vielleicht hilfreich, um nicht zu viele Kilos anzusetzen“, schmunzelte er.

Der ganz große Erfolg blieb aus

Den Sport bekam Michael Allendorf quasi in die Wiege gelegt: Seine Großeltern Georg und Bärbel Allendorf waren Jahrzehnte prägend im Heppenheimer und südhessischen Tennis. Sein Vater Jörg spielte zu Heppenheimer Zweitliga-Zeiten Handball und ist ebenfalls begeisterter Tennisspieler, aktuell ist er auch Sportwart des Tennisbezirks.

Der großen Karriere fehlt eigentlich nur das I-Tüpfelchen. Gerne hätte er mit der Nationalmannschaft ein großes Turnier gespielt. Aber da stand auf seiner Position Uwe Gensheimer von den Rhein-Neckar Löwen im Weg, mit dem er im Jugend- und Juniorenbereich einige Erfolge mit den Auswahlteams feierte. „DHB-Auswahl und Michael Allendorf, das hat leider nicht so richtig gepasst“, gibt er zu. Und auch der große nationale Titel blieb ihm verwehrt. „Wir waren 2021 beim Final Four in Hamburg einmal ganz nah dran am Pokalsieg.“

Aber er betont auch, dass die Freude über die lange Karriere und die positive Entwicklung bei der MT vom Abstiegskandidaten ins obere Tabellendrittel inklusive Europa-Pokalteilnahme überwiegt.

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