Corona-Pandemie - Hessischer Verband bestätigt Entscheidung aus dem Januar / Erbachs Trainer organisiert eine Freundschaftsrunde Handball-Saison ist abgebrochen, jetzt bleibt nur der „Odenwaldcup“

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Die Ungewissheit bei den Handballern (hier die zweite Herrenmannschaft der Tvgg Lorsch) hat ein Ende, der hessischer Verband hat die in der Corona-Pandemie noch gar nicht richtig begonnene Saison für beendet erklärt. © Strieder

Bergstraße. Jetzt ist es amtlich: Die Handball-Saison 2020/21 auf Amateurebene ist abgebrochen. Die Verlängerung des Lockdowns und der Kontaktbeschränkung durch die Ministerpräsidentenkonferenz und die Bundesregierung setzte den Automatismus in Gange, den das Präsidium des Hessischen Handball-Verbands bereits im Januar beschlossen hatte: Wenn bis zum 25. Februar keine Wiederaufnahme des Trainings möglich ist, wird die Runde nicht gewertet.

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Damit wird es im Bereich des Landesverbands nach dem Abbruch der vergangenen Runde im März zum zweiten Mal keine Absteiger geben – und erstmals keine Aufsteiger. Aber dieses Szenario ist bereits in den Durchführungsbestimmungen vorgesehen gewesen.

Wirklich überraschend kommt der Abbruch für niemanden. Dass die Saison, in der im gesamten Bezirk Darmstadt nur ein Spiel im Aktivenbereich ausgetragen wurde (die FSG Lorsch/Lampertheim gewann 23:10 gegen die FSG Roßdorf), fortgesetzt werden könnte, war schon im Januar nahezu ausgeschlossen. Jetzt begrüßen viele Handballer, dass Planungssicherheit herrscht.

Moritz Brandt, Trainer des Bezirksoberligisten HSG Bensheim/Auerbach, hatte den Abbruch schon lange in seine Planungen eingearbeitet: „Eine echte Pause werden wir jetzt nicht machen – die haben wir ja praktisch schon seit Oktober“, so der Coach.

Warten auf den Stufenplan

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„Wir werden uns weiter locker fithalten, und ich gehe davon aus, dass wir wie im letzten Jahr gemäß einem Stufenplan vom Deutschen Handball-Bund ab Mai mit dem Training für den Breitensport planen können“, erinnert Brandt an das erfolgreiche Papier „Back to Play“ des DHB, das den Vereinen 2020 eine wichtige Handreichung war, ehe dann im Herbst nach einer kompletten Vorbereitung die Infektionszahlen wieder immer stärker anstiegen und die Saison sich als Nullnummer entpuppte. Brandt sieht auch eine reguläre Spielrunde ab September 2021 zum jetzigen Zeitpunkt sehr kritisch, „wenn nicht bald genügend Impfstoff für alle bereitsteht“.

Auch für Martina Reinhardt, Sportwissenschaftlerin und Spielertrainerin des Frauen-A-Ligisten TuS Zwingenberg, kommt der Abbruch nicht überraschend: „An eine Runde hat keiner mehr geglaubt“, bringt sie es auf den Punkt. Nachdem ihr Team zuletzt pausierte, steht seit diesen Monat einmal wöchentlich ein Video-Meeting auf dem Plan. „Da machen wir ein lockeres Training und können auch ein Schwätzchen halten“, so Reinhardt, die hofft, dass ab Mai wieder Übungseinheiten in der Halle möglich sind. „Den Start in eine hoffentlich möglichst normale Vorbereitung habe ich für den 30. Juni geplant“, erklärt die Spielertrainerin, die auch in der nächsten Saison das Amt beim A-Ligisten innehaben wird.

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Dennis Rybakov, Noch-Spielertrainer des Bezirksoberligisten Tvgg Lorsch und zukünftig bei der HSG Weschnitztal auf der Kommandobrücke, hatte „schon länger nicht mehr mit einer Fortsetzung gerechnet“. Mit einem Re-Start plant er für den Mai: „Ich denke, das könnte realistisch sein.“ Bis dahin wird er mit den Lorschern weiter individuell trainieren, um – wenn Lockerungen kommen – „fitnesstechnisch nicht bei Null“ anzufangen.

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Schon deutlich weiter ist Jens Becker (Bild: Jährling), Trainer des Bezirksoberligisten SV Erbach, mit seinen Planungen: In seiner Funktion als Vorstandsmitglied der MSG Odenwald hat Becker sogar schon weitere Terminierungen vorangetrieben: Für den 1. Mai (oder als Alternative den 29. Mai) hat er einen Odenwaldcup ausgeschrieben. Acht Mannschaften sollen dann dabei sein, darunter auch die HSG Fürth/Krumbach und natürlich der SV Erbach. Bis Ende Juni wird jede Mannschaft jedes Wochenende ein Spiel haben. „Wir wollen damit etwas Wettkampfcharakter schaffen“, erläutert der Vollbluthandballer.

Neben den Aktiven-Teams macht er sich aber besonders Sorgen um den Nachwuchs. Die Handballjugend hat durch die nicht durchgeführte Runde ein Jahr verloren, ob eine Qualifikation für die nächste Spielzeit stattfinden kann, steht noch in den Sternen. „Ich hoffe, dass es für die Jugend früher losgehen kann.“

Der Verband bietet indes den Vereinen auch schon eine Perspektive an: Sobald es gestattet ist, könnte die nicht mehr in die Wertung fließende Saison nach dem aktuellen Spielplan als Freundschaftsspielrunde auf freiwilliger Basis fortgesetzt werden. In wieweit dies noch zum Tragen kommt, steht allerdings nicht fest und wird nicht zuletzt davon abhängen, wann ein Mannschaftstraining wieder gestattet ist. Denn von Null auf Hundert will kein Trainer durchstarten: „Da wäre das Verletzungsrisiko nach einer so langen Pause viel zu hoch“, gibt Dennis Rybakov zu Bedenken. tip