Nachgefragt - Kreisfußballwart Reiner Held bringt durchaus Verständnis für die Abnahme an Turnierausrichtungen auf / Kreismeisterschaft derzeit kein Thema Hallenfußball und Futsal – es herrscht Flaute

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kar
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Bergstraße. Trendwende oder doch nur Delle? Fakt ist: Attraktivität und Anzahl von Hallenfußballturnieren gehen seit Jahren spürbar zurück. Die Vereine, die noch durchhalten, kämpfen oft darum, genügend Teilnehmer zu finden.

Kreisfußballwart Reiner Held, der auch Schiedsrichter ist, hat Spaß am Spiel nach Futsal-Regeln. © Neu
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In den 1980-igern war das andersherum: Wer zu spät kam, war Zuschauer, der Hallenfußball war ein Magnet. Auch Futsal, die offizielle FIFA-Spielart unterm Dach, ist nicht die Lösung. Der Hessische Fußball-Verband versucht seit Jahren mehr oder weniger halbherzig, Futsal zu verankern – gerade im Seniorenbereich mit sehr überschaubarem Erfolg. Kreisfußballwart Reiner Held geht auf Ursachenforschung.

Herr Held, die Zahl der Hallenfußballturniere sowohl bei Jugend als auch Senioren im Kreis geht zurück. Warum?

Reiner Held: Die Spieler brauchen wohl einfach eine gewisse Pause, auch die Funktionäre, die nicht mehr in dem Maße bereit sind, ein Hallenturnier durchzuziehen, wobei auch die Zuschauerzahlen zurückgegangen sind. Lieber zwei, drei Wochen ausruhen, denn es geht ja schon Ende Januar, Anfang Februar mit dem Training weiter. Der finanzielle Aspekt spielt sicher auch eine große Rolle. Sponsoren springen ab, Kosten wie Hallenmiete steigen.

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Sie sind ein Freund des Futsals. Warum ziehen die Vereine nicht mit, sondern spielen lieber Hallenfußball – und das teilweise auch noch mit Bande?

Held: Ja, ich bin ein Freund des Hallenfußballs nach den Futsal-Regeln. Es ist nach wie vor Fußball und kommt dem Spiel im Freien sehr nahe. Die Verletzungsgefahr ist geringer, da nicht so körperbetont gespielt wird. Wenn einer mit dem Ball umgehen kann, sieht das weitaus schöner aus, als wenn er mit Hilfe der Bande den Gegner umspielen will. Draußen kann man das ja auch nicht. Der einzige Sport mit Bande, den ich kenne, ist Eishockey. Die Vereine hier ziehen da halt nicht mit, weil sie meinen, Futsal sei weniger attraktiv und dabei würden weniger Tore fallen. Das höre ich immer wieder, aber ich finde, das stimmt einfach nicht: Fußball sollte man miteinander spielen und nicht mit der Bande.

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Im Fußballkreis wird momentan nur ein Hallenturnier, die Stadtmeisterschaft Bensheim, nach Futsal-Regeln gespielt. Was würden Sie ändern, damit Futsal aus der Nische rauskommt?

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Held: DFB und Landesverbände müssten den Hallenfußball nach Futsal-Regeln forcieren, eventuell mit einem eigenen Wettbewerb. Ich kann es den Vereinen nicht vorschreiben. Es für halt schade für die Jugend, die seit Jahren nach Futsal-Regeln spielt.

In anderen Kreisen Hessens gibt es eine offizielle Hallen-Kreismeisterschaft nicht nur für den Nachwuchs, sondern auch bei den Senioren. Warum macht der Kreis Bergstraße da nicht mit?

Held: Zum einen ist hier die Hallenkapazität nicht da, zum anderen fehlt ein Ausrichter. In anderen Kreisen sind die Schiedsrichter-Fördervereine im Boot. Was mir gefallen würde: eine Kreismeisterschaft mit Teams ab der Kreisoberliga aufwärts, ohne aber die anderen auszuschließen. Das wäre ein Anreiz. Aber eine Kreismeisterschaft ist Zukunftsmusik. Wenn es eine geben sollte, dann nur nach Futsal-Regeln. Die anderen Kreise sind auch umgestiegen, weil alle weiterführenden Turniere wir die Hessenmeisterschaft ja auch nach diesen ausgespielt werden. kar