Spieltage - Saison-Fortsetzung oder Abbruch – mit Spannung wird eine Entscheidung beim hessischen Verband erwartet Fußballer fordern Klarheit

Von 
Eric Horn
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Die Sportanlagen wie hier der Waldsportplatz in Einhausen sind geschlossen. Wann kann der Ball wieder rollen? © Neu

Bergstraße. Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband hat beschlossen, die Saison 2019/20 aufgrund der Coronavirus-Pandemie in den Spielklassen auf Landesebene abzubrechen. Der Bayrische Fußballverband (BFV), der größte der 21 Landesverbände innerhalb des Deutschen Fußballbundes, will die Runde ab dem 1. September, sofern nach „staatlichen Vorgaben möglich“, fortsetzen. Dem Südwestdeutschen Fußballverband (SWF) schwebt das bayrische Modell vor, momentan holt der SWF die Meinung der Vereine zu diesem Weg ein. In Hessen ist der Spielbetrieb weiterhin ausgesetzt.

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Wie es in den Ligen im Bereich des Hessischen Fußballverbands (HFV) weitergeht, wird am Samstag (2.) bei einer Videokonferenz des HFV-Vorstandes erörtert. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse der heutigen Bund-Länder-Konferenz, bei der auch die Situation im Amateursport thematisiert werden soll, werden die nächsten Schritte für den hessischen Fußball besprochen.

„Die Wettbewerbsverzerrung hat schon längst begonnen“

Eine Abkehr vom Dauer-Zoff ist bei den Fußball-Drittligisten auch nach dem Votum für eine Fortsetzung der Saison nicht erkennbar. Zwar feierte DFB-Vizepräsident Peter Frymuth das Ergebnis vom Montagabend als „mehrheitliche Meinung“. Doch nachdem sich - bei zwei Enthaltungen – nur zehn der 20 Clubs für eine Weiterführung über den 30. Juni hinaus ausgesprochen haben, bleiben mehr Fragen als Antworten.

„Aufgrund der unterschiedlichen wirtschaftlichen und sportlichen Ausgangslagen sowie vor allem aufgrund der unterschiedlichen Verfügungslage in den Ländern, scheint es hier keinen Ausweg aus der festgefahrenen Situation zu geben“, bewertet Markus Kompp, Geschäftsführer des SV Waldhof, die Situation. Eindeutig ist zunächst nur die Abhängigkeit von der Politik. Das stellt auch der DFB klar.

Derzeit befinden sich nur zwölf Drittligisten im Kleingruppen-Training ohne Kontakte. „Ein Unding“, schimpfte Trainer Claus-Dieter Wollitz vom 1. FC Magdeburg in der „Volksstimme“: „Die Wettbewerbsverzerrung hat schon längst begonnen. Es ist bitter, dass die Vereine in der Corona-Krise so unsolidarisch sind.“ Offen ist, wie viel Mannschaftstraining vor einem Neustart gewährt werden soll. dpa/th

Am HFV-Meeting wird Reiner Held teilnehmen. An Wasserstandsmeldungen oder Spekulationen zu möglichen Resultaten der anstehenden Sitzung will sich der Bergsträßer Kreisfußballwart aus Bürstadt nicht beteiligen und verweist auf das Primat der Politik. „Die Politik gibt den Kurs vor, danach richtet sich der Fußball.“ Dass andere Landesverbände auf ihren eigenen Pfaden unterwegs sind, beurteilt Held skeptisch. „Ich hätte mir eine bundesweit einheitliche Lösung gewünscht.“

Kreisschiedsrichterobmann Karl-Heinz Dörsam (Birkenau) hätte ein aufeinander abgestimmtes Verfahren der Landesverbände ebenfalls bevorzugt, hält sich mit weiteren Einschätzungen zur Materie aus Schiedsrichtersicht aber zurück. „Die Politik entscheidet und wir Schiedsrichter werden mit dieser Entscheidung dann arbeiten.“

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Neben dem immer wieder diskutierten Abbruch der Saison, wie er in anderen Ballsportarten wie zum Beispiel Handball, Volleyball, Basketball bereits vollzogen wurde, wirft das BFV-Konzept mit der Fortsetzung im September neue Fragen auf. „Voraussetzung dafür ist eigentlich, dass es einen Impfstoff gibt oder wir eine Durchseuchung haben“, meint Martin Weinbach, Trainer des Kreisoberligisten Tvgg Lorsch.

Peter Gehrisch beurteilt die Aussichten auf die Weiterführung der Runde im September kritisch. „Wenn ich die Virologen höre, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir in diesem Jahr noch Fußball spielen werden“, sagt der Abteilungsleiter des A-Ligisten SSV Reichenbach. „Kontaktsport ohne ausreichenden Schutz, wie soll das gehen?“

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Einen definitiven Beschluss des HFV-Vorstandes am Samstag erwarten Weinbach und Gehrisch nicht. „Es wird vermutlich weiter verschoben, der HFV muss sich an der Politik orientieren“, sagt Weinbach. „Eine Entscheidung wird es nicht geben“, vermutet Gehrisch: „Beim SSV sehen wir der weiteren Entwicklung gelassen entgegen.“

Verlieren die Spieler die Lust?

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Elton da Costa, Spielertrainer des Gruppenligisten FC 07 Bensheim, unterstreicht die Komplexität der Angelegenheit und die Sorgfalt, mit der bei diesem Thema vorgegangen werden muss, dennoch hält er einen endgültigen Beschluss nun langsam für geboten. „Diese Ungewissheit zehrt an einem. Ich wünsche mir einfach Klarheit, ob es mit dieser Saison weitergeht oder nicht.“

Elton da Costa und Martin Weinbach haben sich mit verschiedenen Fortsetzungsszenarien beschäftigt. Sollte die Runde tatsächlich im September wieder aufgenommen und bis Dezember zu Ende gespielt werden können, ist für die beiden Übungsleiter eine verkürzte Runde 2020/21 ab Februar denkbar. Weinbach kann sich vorstellen, die Saison in nur einem Durchgang durchzuziehen; in da Costas Planspiel werden Hin- und Rückserie mit vielen Partien unter der Woche bis Juni ausgetragen. „Vielleicht würde das funktionieren“. Beide Vorschläge würden eine Rückkehr in den regulären Saison-Zyklus im Sommer 2021 ermöglichen.

Auch die Wiederaufnahme der aktuellen Meisterschaft erst im Februar und der Abschluss bis Mai/Juni wäre eine Option, würde aber zugleich den kompletten Ausfall der Runde ’20/21 bedeuten. Verbunden wäre diese Linie allerdings mit einigen spieltechnischen Fragen etwa in puncto Wechselfrist. „Was machen Spieler, die in diesem Sommer eigentlich wechseln wollen und dann im Februar noch immer beim gleichen Verein kicken sollen“, fragt sich Martin Weinbach.

Peter Gehrisch weist auf allgemeine personelle Probleme hin, die auf die Fußballclubs durch die lange Trainings- und Spiel-Auszeit zukommen könnten. „Es kann gerade in den unteren Ligen oder im Nachwuchsbereich durchaus sein, dass die Spieler aufgrund der Pause einfach die Lust verlieren.“ Ein Minus bei aktiven Fußballern könne einen generellen Mitgliederschwund nach sich ziehen, so Gehrisch weiter.

Sollte von der heutigen Bund-Länder-Konferenz die Genehmigung erteilt werden, Amateur-Fußballtraining in Kleingruppen und unter Einhaltung bestimmter Sicherheitsregeln zuzulassen, würde man bei FC 07 Bensheim, Tvgg Lorsch und SSV Reichenbach versuchen, entsprechend gestaltete Übungseinheiten durchzuführen.

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