Sportlerwahl - Bensheimer Triathletin muss es nach der Ironman-WM ruhiger angehen lassen / „Marathon“ an der Radcross-Kuchentheke Für Heike Dieteren war Hawaii der Höhepunkt

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pfl
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Bensheim. Vor einem Jahr wurde die Triathletin Heike Dieteren im Varieté Pegasus als Bensheims „Sportlerin des Jahres 2019“ ausgezeichnet. Die Ausdauersportlerin aus Gronau hatte unter anderem den legendären Ironman auf Hawaii bewältigte und sich bei dieser Weltmeisterschaft im Kreis der stärksten Frauen und Männer verewigte. Nach 14:10:07 Stunden hatte sie das Ziel erreicht.

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Die 3,8 Kilometern Schwimmen im offenen Meer absolvierte sie in 1:23:43 Stunden. Die 180 Kilometer auf dem Rad waren der schwierigste Teil, mitten in der erkalteten schwarzen Lava der Vulkaninsel bei Temperaturen von über 35 Grad. Sie bewältigte die Strecke in 6:35:00 Stunden, die zweite Tortur des Tages, der bereits um 4.30 Uhr mit dem Aufstehen begonnen hatte, war vorüber. „Das Radfahren ist meine Paradedisziplin, ich war sehr zufrieden mit meiner Zeit. Nach dem Schwimmen fühlte ich mich gut, die vielen Trainingskilometer hatten sich gelohnt“, denkt Dieteren heute noch gerne an den Wettkampf zurück.

Zur Person

Heike Dieteren ist seit 1988 die Leiterin der Abteilung Aufbautraining im von ihrem Mann Luc betriebenen Therapiezentrum Theresport in Bickenbach.

Im Jahr 2004 erhielt sie die Diagnose Gebärmutterkrebs.

Vier Jahre später, 2008, nahm sie an den Weltmeisterschaften in der Ironman-Halbdistanz teil, 2010 wurde sie in Wiesbaden Dritte bei der Europameisterschaft.

2019 qualifizierte sich Heike Dieteren als Siegerin beim Ironman in Zürich und für die Weltmeisterschaft auf Hawaii. Dort finishte sie am 12. Oktober 2019. pfl

Als sie nach dem abschließenden Marathonlauf in ihrer Altersklasse 60 bis 64 Jahre nach weiteren 5:59:34 Stunden am Ziel ankam, nahm sie Ehemann Luc Dieteren in den Arm. „Sie war völlig fertig, es war total emotional“, schildert der Abteilungsleiter Radsport der SSG Bensheim diesen Augenblick.

Für seine Ehefrau war die Teilnahme am Ironman auf Hawaii die Krönung eines erfolgreichen Sportjahres. Nachdem sie beim Ironman in Hamburg im Jahr 2017 erstmals einen Wettkampf über die Langdistanz absolviert hatte, folgte im Jahr darauf ein Highlight. Beim Ironman in Frankfurt gewann sie bei den Europameisterschaften die Silbermedaille in der Klasse W55. Im Sommer 2019 qualifizierte sie sich mit dem Sieg beim Ironman in Zürich für Hawaii – ein Wunschtraum ging in Erfüllung.

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„Ich fühlte mich damals wie heute sehr geehrt, dass mir diese Auszeichnung zuteilwurde“, zeigt sich Heike Dieteren, die Mutter zweier erwachsener Söhne, auch heute noch ergriffen von ihrer Wahl zur „Sportlerin des Jahres“.

In der Familie Dieteren ist Ausdauersport alles andere als ungewöhnlich, er gehört zur DNA der Gronauer. Ehemann Luc ist als ehemaliger Radprofi und Niederländer mit dem Radsport fest verbunden, Sohn Jan, ebenfalls schon „Sportler des Jahres“ in Bensheim, war eine der größten Nachwuchshoffnungen der deutschen Radsportszene, ehe eine Krebserkrankung ihn bremste.

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Und Heike Dieteren ist von jeher eine Kämpfernatur. Sie absolvierte neben vielen Langdistanz-Wettkämpfen dreimal gemeinsam mit Luc den Ötzaler Radmarathon (230 km/5500 Höhenmeter) sowie den legendären Wasalauf, einen Ski-Marathon über 90 Kilometer in den Wäldern Schwedens. Mehrmals überquerte sie die Alpen bei der Trans Alp gemeinsam mit Ehemann Luc.

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Von alleine kommt dies alles nicht. Mit großer Disziplin bewältigte sie neben ihrem Beruf als Diplomsportlehrerin und Leiterin der Abteilung Aufbautraining im Therapiezentrum Theresport in Bickenbach ihren aufwendigen Trainingsalltag. Wann immer es in den gemeinsamen Zeitplan passte, ging man Schwimmen, saß auf dem Rad oder lief in den Wäldern rund um Gronau. Fast jedes Jahr zog es das Ehepaar auf die Atlantikinsel Lanzarote, denn dort ist Training fast das ganze Jahr möglich und die besten Triathleten der Welt treffen dort zusammen um sich fit für die Saison zu machen.

Und doch wäre für Heike Dieteren alles fast ganz anders gekommen. Auch bei ihr hatte der Krebs zugeschlagen. Im Jahr 2004, sie war damals 44 Jahre alt, stellte ihr Arzt Gebärmutterkrebs fest, gerade als sie sich für eine Pyrenäenrundfahrt vorbereitete. Doch sie nahm den Kampf auf, vertraute den Ärzten und begann mit einer zweimonatigen Chemotherapie. Während dieser Zeit war der Sport für sie eine Möglichkeit, mit dieser Erkrankung umzugehen. Sie fuhr mit den Inlineskates zur Behandlung, Nordic-Walking-Touren ersetzten das Radtraining. Die Werte verbesserten sich, das Training stärkte das Herzkreislaufsystem wie auch das Immunsystem. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung und ihr positives, persönliches Umfeld förderten die Genesung.

Nach der überwundenen Krankheit war der Weg frei für ihre weitere Karriere als Ausdauersportathletin. Derzeit lässt es Heike Dieteren ruhiger angehen. Die Gelenke, speziell die Knie, lassen langes und ausdauerndes Lauftraining nicht zu. Hawaii war wahrscheinlich ihr letzter großer Ironman. An Aufgaben wird es ihr nicht mangeln. Bei den Crossrennen in Bensheim ist sie immer im Verpflegungszelt zu finden, sie betreut schon viele Jahre die beliebte Kuchentheke. Dort hat sie bereits viele Stunden verbracht. Das ist für sie ebenfalls „marathonwürdig“. pfl