Hintergrund - Veranstalter fürchten um ihre Existenz / Nachwuchs könnte die Motivation verlieren und auf der Strecke bleiben Folgen für die Laufszene nicht absehbar

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dpa
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Frankfurt. Für Läufer ist es eine lange Durststrecke, für Veranstalter ein Wettlauf mit der Zeit und für manches Talent der Anfang vom Ende einer Karriere. Der corona-bedingte Stillstand der organisierten Laufbewegung mit jährlich mehr als 3000 Veranstaltungen und zwei Millionen Startern hat weitreichende Folgen. „Natürlich kann man draußen laufen, aber es ist was anderes, mit 1000 Menschen an der Startlinie zu stehen“, sagte die zweimalige Hindernis-Europameisterin Gesa Krause.

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Seit dem ersten Lockdown im März 2020 sind Laufveranstaltungen weitgehend auf der Strecke geblieben. Allein German Road Races (GRR) hat anhand einer Umfrage unter den 80 Mitgliedern ermittelt, dass im Vergleich zu 2019 nur drei Prozent an realen GRR-Läufen teilnahmen. Virtuelle Laufangebote fanden eine größere Resonanz, konnten den geschätzten Umsatzverlust von 80 Prozent aber nicht wesentlich kompensieren.

Auch wie es mit dem Frankfurt Marathon weitergeht, ist noch offen. © Stein/dpa

„Die Situation war und ist dramatisch“, sagte der GRR-Vorsitzende Horst Milde. Kleinere Vereine und Unternehmen wie die Veranstalter von Marathons in Berlin, Frankfurt, Hamburg oder München hätten 2020 überstanden. „Wenn es mit der Entwicklung aber so weitergeht, werden viele Veranstalter in die Pleite rutschen“, prophezeite er. Mit einer Petition „Rettet unsere Läufe“ versucht er, finanzielle Unterstützung von der Politik zu mobilisieren. „Ich habe klargemacht, was auf dem Spiel steht“, sagte der 82-jährige Berliner. Betroffen seien auch Hersteller von Urkunden, Medaillen und T-Shirts.

Auslöser der Petition war auch, dass sich Milde und Mitstreiter vom Deutschen Leichtathletik-Verband im Stich gelassen fühlten. „Der DLV rühmt sich, 3000 Laufveranstaltungen zu haben, und verdient daran – nämlich 50 Cent pro Finisher“, erklärte er. „Wir haben aber vermisst, dass der Verband gefragt hat, wie wir über die Runden kommen.“

Gesellschaftliche Bedeutung

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DLV-Präsident Jürgen Kessing hingegen teilte mit, dass der Verband seit Beginn der Corona-Krise versuche, mit Serviceangeboten zu helfen: „Hinzu kommen Gespräche mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und der Politik. Sowohl von Veranstaltern als auch von den German Road Races wissen wir, dass es nicht nur finanzielle Schieflagen bei Laufveranstaltern, sondern auch existenzielle Probleme gibt.“ Die GRR hätte eine beachtliche Petition gestartet, die er „voll unterstütze“. Kessing: „Einmal mehr steht dabei die gesellschaftliche Bedeutung von Läufen im Fokus.“

Darüber hinaus sind sie wichtig für die Gewinnung des Nachwuchses. „Auf viele junge Talente wird das Auswirkungen haben, die man vielleicht erst in einigen Jahren sieht“, meinte Gesa Krause. Mit 12, 13 Jahren hätte sie nicht die Motivation gehabt, ihren Trainingsplan alleine abzuarbeiten.

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Auch Kessing erwartet, dass man mit einem Mitgliederrückgang rechnen müsse, obwohl noch „kein Schwund“ festzustellen sei. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Grundsportarten Laufen, Springen, Werfen weiterhin ihren Reiz bei den Menschen behalten und, wenn es wieder möglich ist, in der Vereinsgemeinschaft gerne ausgeübt wird.“

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Falls Laufveranstaltungen in einem halben Jahr wieder möglich sein sollten, wären laut Milde längst nicht alle Probleme gelöst. „Marathons in Berlin mit 40 000 oder in Hamburg mit 20 000 Startern werden diese Größenordnung erst mal nicht erreichen.“ Viele ausländische Läufer würden angesichts der Corona-Situation nicht kommen oder nicht teilnehmen können. dpa