Fußball - Mannheimer lassen sich vom giftigen 1. FC Kaiserslautern den Schneid abkaufen und kassieren 0:2-Heimniederlage Enttäuschendes Derby für SV Waldhof

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alex/th
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Mannheim. Es dauerte genau 65 Sekunden, bis die Dramaturgie dieses Fußball-Derbys ihre passende Eröffnungsszene erhielt. Auf Höhe der Mittellinie senste der Lauterer Winkler den Mannheimer Gottschling um. Die erste von sieben Gelben Karten für die Pfälzer war die Folge. Wichtiger war aber das Signal, das der FCK-Verteidiger aussandte: Wer uns heute schlagen will, wird auf den größtmöglichen Widerstand treffen. Die Gäste testeten die Grenzen des Erlaubten sofort aus, sie brachten die Tugenden auf den Platz, auf die es in einem Derby eben ankommt.

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Die letzte Gier und der unbedingte Wille, dieses Drittliga-Spiel zu gewinnen, trafen auf einen SV Waldhof, der an diesem Nachmittag den speziellen mentalen Anforderungen eines emotional aufgeladenen Duells zwischen zwei Erzrivalen offensichtlich nicht gewachsen war. Das Ergebnis, ein völlig verdienter 2:0 (2:0)-Auswärtserfolg des 1. FC Kaiserslautern entsprang exakt dieser psychologischen Konstellation.

„Das ist schon ein kleiner Knick“: Waldhof-Kapitän Marcel Seegert war über die Derby-Niederlage enttäuscht. © PIX

„Die Aggressivität in der Zweikampfführung entscheidet letztendlich über den Ausgang in so einem brisanten Spiel“, sagte Waldhof-Trainer Patrick Glöckner in seiner Analyse. Diese Aussage beinhaltete im Umkehrschluss, dass seine Mannschaft gegen den ungeliebten Nachbarn in den Grundlagen des Spiels folgenschwere Defizite aufwies. Die Lauterer trugen das sprichwörtliche Messer zwischen den Zähnen über den Platz. Die zuvor sieben Spiele ungeschlagenen Waldhöfer wollten dagegen ihren zuletzt erfolgreichen „Stiefel spielen“, wie es der zurzeit verletzte Waldhof-Angreifer Joseph Boyamba im Pausen-Interview bei MagentaSport formulierte. Das war nicht die beste Idee.

Zu zaghaft, gehemmt, brav – so wirkten die Mannheimer. Giftig, entschlossen und unnachgiebig hingegen der FCK. Dann ist es klar, wer als Sieger den Platz verlässt. „Man hat schon gesehen, dass die Mannschaft gewillt war, diese Intensität zu gehen, aber wir sind teilweise den einen oder anderen Schritt zu spät gekommen“, meinte Glöckner. Dass die Gäste vom Betzenberg seinem Team vor allem im ersten Abschnitt mit einfachen Mitteln den Schneid abgekauft hatten, stellte aber auch der SVW-Coach nicht in Abrede: „Vielleicht hat das abgezocktere Team gewonnen. Da stehen auch ein paar hundert Bundesliga-Spiele bei Kaiserslautern auf dem Platz.“

Gottschling und Gohlke patzen

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Wie FCK-Angreifer Marvin Pourié vor Zucks 1:0 (15.) den Mannheimer Marco Schuster am Rande des Foulspiels aus dem Weg räumte, sprach für Glöckners Theorie. Dieses Gegentor lähmte den SVW komplett, unter gütiger Mithilfe von Gottschling und Gerrit Gohlke erzielte der starke Marius Kleinsorge schon kurz danach das 2:0 (20.). „Das hat ihnen komplett in die Karten gespielt“, sagte ein frustrierter Waldhof-Kapitän Marcel Seeger.

Der SVW brauchte nach diesem doppelten Tiefschlag Zeit, um sich wieder zu sortieren. Die Glöckner-Elf wirkte verunsichert und hätte dringend einen Impuls von außen gebraucht. Doch den gab es nicht. Weder von Schiedsrichter Siewer, der Lauterns Ouahim nach seinem brutalen Einsteigen mit beiden Beinen voraus gegen Gohlke die Gelbe statt der regelkonformen Roten Karte zeigte (23.). Noch von Trainer Glöckner selbst, der zögerte, taktisch oder personell etwas zu verändern. Erst nach einer knappen Stunde kam in Max Christiansen ein weiterer Führungsspieler aufs Feld, die späteren offensiven Einwechselungen der Stürmer Gillian Jurcher und Debütant Roczen verpufften wirkungslos.

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Die Lauterer überließen den Mannheimern nach dem Seitenwechsel zwar weitgehend den Ball, richtig gefährlich wurde es im FCK-Strafraum aber kaum. „Wir haben wenig Torgefahr ausgestrahlt“, gestand Glöckner.

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Nach nur drei Tagen bei den „Roten Teufeln“ bescherte indes der neue Coach Marco Antwerpen dem Ex-Bundesligisten einen ebenso wichtigen wie süßen Sieg: „Glaubt mir Jungs, das Allergeilste ist, auswärts zu gewinnen – und dann noch das Derby!“, schrie der 49-Jährige seinen Profis im spontan einberufenen Mannschaftskreis entgegen. Die Pfälzer hatten wohl genau so einen Typen gebraucht, um einen zuletzt völlig lethargisch und verunsichert wirkenden Kader zum richtigen Moment aufzurütteln.

SV Waldhof: Königsmann – Gottschling, Gohlke, Seegert, Hofrath (75. Roczen) – Schuster, Saghiri (65. Jurcher) – Garcia (58. Jasztrembski), Gouaida (58. Christiansen), Costly – Martinovic.

Tore: 0:1 Zuck (15.), 0:2 Kleinsorge (20.). - Schiedsrichter: Siewer (Olpe). Beste Spieler: Garcia – Kleinsorge. alex/th

Polizei ermittelt



Der Empfang der Derbysieger des 1. FC Kaiserslautern durch rund 300 Fans hat wohl ein Nachspiel. Die Polizei und die Ordnungsbehörde der Stadt Kaiserslautern ermitteln, weil Fans am Samstagabend die Mindestabstände nicht einhielten und teilweise keine Mund-Nasen-Bedeckung trugen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Die Pfälzer waren nach dem 2:0 in Mannheim dort von jubelnden Anhängern empfangen worden.

Die Fans verhielten sich nach Polizeiangaben friedlich, „brannten aber bei der Ankunft des Mannschaftsbusses auf der Zufahrt zum Stadion Pyrotechnik ab“. Dabei sei es neben den Corona-Verstößen auch zu Behinderungen im Straßenverkehr gekommen. Die Polizei werte zum Sachverhalt derzeit noch Videos aus, die am Samstag im Internet kursierten. In Mannheim blieb es dagegen ruhig, vor dem Carl-Benz-Stadion war lediglich ein kleines Hup-Konzert mitgereister FCK-Fans zu hören, als die Partie in die Schlussphase ging. dpa/red

Joker-Tore nähren Aufstiegshoffnung

Der SV Wehen Wiesbaden hat sich im Aufstiegskampf der 3. Fußball-Liga mit einem 3:1 (1:0)-Heimsieg gegen den starken Aufsteiger Türkgücü München mit 3:1 (1:0) zurückgemeldet und schob sich in der Tabelle am bayerischen Rivalen vorbei auf Rang fünf vor.

Tietz (45.+1) brachte die Hausherren mit einem Traumtor aus 30 Metern in Führung, die Sararer (82.) per Handelfmeter ausglich. Zuvor hatte SV-Torwart Boss einen Strafstoß von Sliskovic pariert (60.). In der turbulenten Schlussphase sicherten Kuhn (87.) und Nilsson (90.+3) dem SV mit Joker-Toren den Sieg. lhe