Sportlerwahl - Holländerin ist nach einer wechselvollen Karriere bei den Flames gelandet / In der Premieren-Saison gleich „Sportlerin des Jahres“ Die ganze Liga zeichnete van Gulik aus

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Sarah van Gulik ist ein Energiebündel, das bei den Flames in Abwehr und Angriff gleichermaßen auftrumpft. © Eibner

Bensheim. Es lief wirklich gut für Sarah van Gulik bei der HSG Bad Wildungen, mit der sie 2014 von der 2. in die 1. Handball-Bundesliga der Frauen aufstieg. Und dann kam 2016 die Anfrage von der HSG Bensheim/Auerbach, damals noch im Unterhaus unterwegs. „Eine schwierige Entscheidung“, erinnert sich Sarah. Sie nahm das Angebot der Flames an, ging von der 1. zurück in 2. Liga. „Das Konzept von Heike hat mich überzeugt.“

Zur Person

Sarah Wilhelmina van Gulik wurde am 19. Februar 1990 in Zoetermeer (Niederlande) geboren. Ihr Zweitname Wilhelmina geht auf den Vornamen ihrer Großmutter zurück, die nach der niederländischen Königin Wilhelmina (1880 – ’62) benannt wurde.

Sarah lebt mit ihrem Partner Thomas Zeitz, dem Trainer des Frauen-Zweitligisten VfL Waiblingen, in Zwingenberg. Sie studierte Soziale Arbeit in Darmstadt.

Sie arbeitet als Bewegungserzieherin in der Bewegungs-Kindertagesstätte „Hollerbusch“, deren Träger das Familienzentrum Bensheim ist.

Sarah van Gulik ist die älteste Spielerin im Flames-Bundesliga-Kader. Im teaminternen Scorer-Ranking belegt sie mit 41 Toren aktuell den fünften Platz. eh

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Neben den Planungen von Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm zog sie auch die beruflichen Perspektiven von Nord- nach Südhessen. „Ich wollte studieren.“ Wie bereits in Bad Wildungen gelang der Spielmacherin mit den Flames in ihrer Premieren-Saison der Aufstieg in die 1. Liga. Sarah van Gulik absolvierte eine überragende Serie und wurde von der Vereinen der beiden Bundesligen zur besten Zweitliga-Akteurin der Saison 2016/17 gewählt. Ihre herausragenden sportlichen Leistungen 2017 wurde mit einer weiteren Auszeichnungen gewürdigt: Bensheimer „Sportler des Jahres“. „Alles richtig gemacht“, blickt sie auf ihren damaligen Entschluss zurück, nach Bensheim zu wechseln.

Inzwischen ist Sarah van Gulik nach Lisa Friedberger die dienstälteste Spielerin im HSG-Kader. Ihr Kontrakt bei den Flames läuft bis 2022, es gibt Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung. Im Februar wird die 1,77 Meter große Rechtshänderin 31 Jahre alt. „Viele Verträge werde ich nicht mehr machen.“ Sie fühlt sich sehr wohl im Verein, sie schätzt die familiäre Atmosphäre. Und es gibt einen weiteren Grund, der für ein langfristiges Engagement spricht: Sie mag die Region. „Es ist wunderschön hier.“ Also alles perfekt? Fast. „Es fehlt nur das Meer.“

Sehnsucht nach dem Meer

Sarah ist im niederländischen Zoetermeer aufgewachsen, 15 Kilometer entfernt von Den Haag und von der Küste. Als Kind der Nordsee trägt sie das Meer immer im Herzen, erzählt sie. Bei Gemini Zoetermeer begann ihre Handball-Karriere, als Jugendliche wechselte sie zu Omni Hellas Den Haag (2006 bis ’12) in die 1. Liga. Die Offerte in die international anerkannte Jugend-Akademie Papenburg des niederländischen Verbandes nach Arnheim überzusiedeln, lehnte sie ab. Das Modell, während der Woche im Internat zu trainieren und am Wochenende im Heimatverein zu spielen, sagte der Team-Playerin nicht zu.

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Sie stand regelmäßig im erweiterten Kader der holländischen Nachwuchs-Nationalteams, bestritt aber nur ein einziges internationales Turnier. Bei den U20-Weltmeisterschaften in Südkorea verlor Oranje mit Sarah das Match um Platz sieben gegen die deutsche Auswahl mit Kim Naidzinavicius, die damals für die Flames aktiv war und als „Sportlerin des Jahres 2010“ ebenfalls nominiert ist für die Wahl zum Bensheimer „Sportler des Jahrzehnts“.

Mit Anfang 20 entschloss sich Sarah, die im internationalen Maßstab zweitklassige holländische Liga wegen mangelnder sportlicher Perspektiven zu verlassen. Der Weg ins Ausland war für sie als Nicht-Akademie-Absolventin nicht einfach. „Dass ich das geschafft habe, macht mich schon ein bisschen stolz.“ Dabei lief es bei ihren beiden ersten Auslandsstationen nicht optimal. Der SVG Celle verpflichtete sie 2012 für die letzten Etappen des Bundesliga-Abstiegskampfes. Celle stieg ab und Sarah ging in die 1. dänische Liga zu Aalborg DH, das 2013 Insolvenz anmeldete. Es folgte ihr Wechsel nach Bad Wildungen.

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Seit fünf Jahren prägt Sarah van Gulik nun das Spiel der Flames, ist auf ihrer Position Rückraum Mitte für die Spielsteuerung verantwortlich, sagt die Spielzüge an, setzt ihre Mitspielerinnen ein. Sie ist stark im Eins-gegen-Eins, erkennt Lücken in der gegnerischen Abwehr und verfügt über einen guten Abschluss. Und sie hat sich im Laufe der Jahre unter Trainerin Heike Ahlgrimm, einem bekennenden Abwehrfan, zu einer exzellenten Abwehrkraft für den Mittelblock entwickelt.

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„Wenn man weiß, worauf es im Abwehrspiel ankommt, macht es richtig Spaß.“ Sarah gefällt es, die Spielzüge des Gegners zu lesen und den Angreiferinnen im entscheidenden Moment einen Schritt voraus zu sein.

Als Trainerin ist Sarah van Gulik im Nachwuchsbereich der HSG Bensheim/Auerbach tätig. Sie leitete die Ballschule und coacht die weibliche E1- sowie die D2-Jugend, deren Spiel- und Trainingsbetrieb zurzeit Corona-bedingt ruht. Eine Aufgabe, die ihr viel Freude bereitet. „Für die Kinder bin ich ein Vorbild, das ist ein schönes Gefühl.“ Nach dem Ende ihrer aktive Karriere kann sie sich vorstellen, dem Handball als Jugend-Trainerin verbunden zu bleiben. eh