Vereinsgeschichte - Am 23. Januar 1946 erlaubten die amerikanischen Besatzer wieder Training in der Halle der Auerbacher Schlossbergschule Das Tischtennis-Comeback nach dem Krieg

Von 
Eric Horn
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Geballte Auerbacher Tischtennis-Kompetenz. Das Bild aus den späten 1990er Jahren zeigt den heutigen Abteilungsleiter Karlheinz Weigold (Mitte), die ehemaligen Abteilungsleiter Jonas Meier (links) und Hans Friedrich (rechts), den stellvertretenden Abteilungs-leiter und langjährigen Jugendleiter Gerhard Weiß (2.v.l.) sowie „Spielerlegende“ Günther Vatter (2.v.r.). © Voigt

Auerbach. Angefangen hat es in der Sporthalle der Schlossbergschule: Zwei Tischtennisplatten, provisorisch montiert auf Unterstellböcken, waren die Basis für im Verein organisierten Tischtennissport in Auerbach. Heute vor 75 Jahren standen die Auerbacher Tischtennisspieler quasi offiziell erstmals an der Platte, nachdem die US-amerikanische Besatzungsbehörde kurz davor die Halle der Schlossbergschule zur Nutzung freigegeben hatten. Der 23. Januar 1946 gilt seither als Gründungstag der Tischtennis-Abteilung der TSV Auerbach.

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Zu den Gründungsvätern des Tischtennissports in Auerbach gehörten Heinrich Ritsert, Willi Metzger und Alfred Oberhofer. Das Gründungsequipment stammte aus dem Fundus des Turnvereins „Gut Heil“ Auerbach, einem Vorgängerverein der TSV. Die beiden Tischtennisplatten waren von den Gut-Heil-Turnern wohl zur Auflockerung der Übungsstunden genutzt worden, vermutet Karlheinz Weigold, der aktuelle Leiter der TSV-Tischtennis-Abteilung.

Die Spielstätten der TSV Vier Sporthallen hat die Tischten ...

Die Spielstätten der TSV Vier Sporthallen hat die Tischten nisabteilung der TSV Auerbach in ihren 75 Jahren bislang bespielt: die Sporthalle der Schlossberg schule (1946 bis 1988), die Halle der Schillerschule (1976 bis 2007)

Bis Ende 1946 war Tischtennis bei der Sportgemeinschaft Auerbach, einer Sparte der Sportgemeinschaft Bensheim, angesiedelt. Bis zur Fusion von TSG und FC Auerbach zur TSV Rot-Weiß Auerbach im Jahr 1965 waren die Auerbacher Tischtennis-Cracks im Trikot der TSG unterwegs. In dieser Übergangsphase wurde die Abteilung von Franz Fertig durch bisweilen unruhiges Fahrwasser gelotst.

Wegen der Corona-Pandemie fällt die Feier zum 75. Geburtstag der Abteilung aus. Vorgesehen war, das Jubiläum sportlich zu begehen: Heute sollten die Vereinsmeisterschaften der Damen und Herren in der großen TSV-Sporthalle im GGEW-Sportzentrum am Weiherhausstadion ausgetragen werden. „Die eine oder andere Rede wäre sicher auch gehalten worden, aber der Sport hätte im Mittelpunkt gestanden“, beschreibt Weigold die ursprünglichen Planungen.

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Der offizielle Festakt zum 75. ist für den 18. Dezember im Bürgerhaus Kronepark terminiert. Im Vorfeld dieser Veranstaltung soll ein Einladungsturnier stattfinden. Als „Geburtstagskind“ hat sich die TSV zudem für die Ausrichtung des Tischtennis-Kreistags im Juni beworben. „Ob der Kreistag stattfinden kann, wissen wir nicht.“

Aktuell zählt die Abteilung 145 Mitglieder, von denen etwa 80 aktiv sind. Sechs Herren-, eine Damen- und fünf Jugendmannschaften hat die TSV für die Saison 2020/21 gemeldet, die derzeit, ebenso wie der Trainingsbetrieb, coronabedingt ausgesetzt ist. Das erste Herren-Team spielt in der Bezirksklasse, die Damen in der Bezirksoberliga. Zu den sportlich erfolgreichsten Zeiten schlugen beide Mannschaften in der Verbandsliga auf.

Jugend bei der Stange halten

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Die Entwicklung des Herren-Teams, das momentan in der zweitniedrigsten Spielklasse in der Historie des Auerbacher Tischtennissports spielt, wird zukünftig ein Arbeitsschwerpunkt in der Abteilung sein. „Wir wollen das Niveau anheben“, so Karlheinz Weigold. Das Durchschnittsalter der Equipe liegt in dieser Runde bei circa 40 Jahren. Für eine Verjüngung der Mannschaft müsste der Übergang vom Jugend- in den Seniorenbereich besser funktionieren. Wie in vielen anderen Sportarten hakt es auch im Tischtennis inzwischen auf diesem Sektor.

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Der Zulauf im Nachwuchsbereich ist hoch bei der TSV, das gilt gleichfalls für die Beteiligung an den Trainingseinheiten, die von lizenzierten Trainern abgehalten werden. „Es sind immer einige Spieler dabei, die das Potenzial für die erste Mannschaft haben, aber mit 16, 17 Jahren brechen uns viele Jugendliche weg.“ Schule, Ausbildung, Studium oder eine Verschiebung der sportlichen Interessen nennt Weigold als häufigste Ursache für diesen Prozess. „Das Gegensteuern ist schwierig.“

Das Bild der TSV-Herren in den Teams unterhalb der ersten Mannschaft wird mitgeprägt von Akteuren wie Karlheinz Weigold, der gestern seinen 66. Geburtstag feierte. Seit 1969 ist er für die Rot-Weißen aktiv. Er hat selbst zwar nie in der Ersten gespielt („Dafür hat mir das Talent gefehlt.“), aber in über fünf Jahrzehnten in jeder Runde am Tisch gestanden. „Da kommt einiges an Spielen zusammen.“ Die Zahl seiner Einsätze dürfte sich im vierstelligen Bereich bewegen.

Diesen langen Weg hat Weigold an der Seite von Mannschaftskollegen wie Hans Friedrich, Gerhard Weiß oder Rüdiger Leist bestritten. „Das ist das Schöne am Tischtennis bei der TSV, mit einigen Kameraden geht man durch sein ganzes Sportlerleben.“

Erfolgreichste Zeit von 1975 bis 1985

Im Gründungsjahr 1946 errangen die Auerbacher Tischtennis-Sportler erste Erfolge. Die Damen-Mannschaft wurde hessischer Vize-Meister, der damals 18-jährige Alfred Jährling siegte bei der Premiere der Bensheimer Stadtmeisterschaften – und erhielt als Preis einen Laib Brot.

Erfolgreichste Ära war die Dekade zwischen 1975 und 1985. Die Herren qualifizierten sich mit einem Team, das bis auf eine Ausnahme aus Eigengewächsen bestand, durch drei Aufstiege für die Verbandsliga. Die Damen mit der ehemaligen Schüler-Nationalspielerin Barbi Meiser schafften den Sprung in die Landesliga (1980).

Der größte Erfolg der Jugendabteilung datiert aus dem Jahr 1969. In diesem Jahr errangen die Schüler der TSV – unter Führung des überaus verdienten Jugend- und späteren Abteilungsleiters Herbert Fuchs – durch einen 5:4-Finalsieg über den GSV Gießen die Hessische Pokalmeisterschaft. Rüdiger Leist und Peter Meyer, zwei der damaligen Schüler-Pokalsieger, stehen für die TSV heute noch an der Platte. eh

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