Handball - Flames-Trainerin Heike Ahlgrimm ist nach der 28:38-Niederlage gegen den Tabellenführer zufrieden – und weiß, an was sie zu arbeiten hat Bensheim geht Dortmunder Tempo mit

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Bensheim. „Alles in Ordnung, wir gehen jetzt nicht traurig nach Hause.“ Heike Ahlgrimm, Trainerin der HSG Bensheim/Auerbach, nahm die 28:38 (15:23)-Niederlage ihrer Mannschaft im Nachholspiel der Frauenhandball-Bundesliga gegen den BVB Borussia Dortmund sportlich. „Zehn Tore ist hoch, aber Dortmund hat wirklich gut gespielt, das muss man anerkennen.“

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Gute 20 Minuten waren die Flames am Mittwochabend in der Weststadthalle auf Augenhöhe mit den derzeitigen Überfliegern der Liga. Erst im letzten Drittel des ersten Abschnitts gelang es dem verlustpunktfreien Primus aus Westfalen (34:0 Punkte), sich einen Vorsprung zu erarbeiten, der in einer etwas zu hohen 23:15-Pausenführung mündete. Nach Lisa Friedbergers verwandeltem Siebenmeter für die HSG zum 12:13-Anschluss (21.) leisteten sich die Gastgeberinnen eine kurze Schwächephase. „Dortmund hat unsere Fehler sofort bestraft“, analysierte Ahlgrimm.

Bis zum 12:13 war es eine Hochgeschwindigkeitsveranstaltung mit wenigen Unterbrechungen, beide Teams fuhren mit Vollgas durch die Weststadthalle, suchten und fanden schnelle Abschlüsse. „Das Tempo war sehr hoch, Dortmund spielt wahnsinnig schnell“, sagte Ahlgrimm. Mit ihrem Auftritt in dieser ausgeglichenen Sequenz bestätigten die Flames die Vorabeinschätzung von BVB-Coach Andre Fuhr. „Wir hatten großen Respekt vor Bensheim. Wir wissen, dass sie an guten Tagen enormen Tempohandball spielen und viel Druck machen können.“

Dass Bensheim zunächst mit dem Favoriten mithielt, lag auch an der anfangs niedrigen Fehlerquote: kaum technische Fehler, wenig Fehlwürfe. In der Rückwärtsbewegung mussten die Flames alles in die Waagschale werfen, um den BVB-Express der ersten und zweiten Welle einigermaßen einzubremsen.

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Im Angriff tat sich die HSG schwer im Positionsspiel gegen den starken Deckungsverband der Borussia um Kelly Dulfer, eine der besten Abwehrspielerinnen im Frauenhandball. Über Sarah Dekker auf Rechtsaußen und Isabell Hurst am Kreis ergaben sich dennoch immer wieder Möglichkeiten. Dekker traf bei vier Versuchen viermal ins Netz. Hurst lieferte sich mit den niederländischen 2019-Weltmeisterinnen Dulfer, Inger Smits und Merel Freriks, die von 2017 bis 2019 für Bensheim/Auerbach aktiv war, intensive Infights an der 6-Meter-Linie. Aus diesen Auseinandersetzungen ging Hurst häufig als Siegerin hervor, in ihren gut 40 Minuten auf dem Feld erzielte die 21-jährige Kreisläuferin fünf Tore.

Das Match begann sich schließlich nach einem 3:0-Lauf zum 16:12 (23.) zu Gunsten der Borussia zu entwickeln. Dazu trug wesentlich die Treffsicherheit von Johanna Stockschläder und Kelly Vollebregt bei. Die beiden Außen nutzten in Hälfte eins mit einer Ausnahme (Vollebregt scheiterte am Pfosten) all ihre Chancen und kamen jeweils auf fünf Tore. Stockschläder war am Ende der 60 Minute mit zehn Treffern beste Scorerin des Abends.

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Bis zum Pausenpfiff setzte sich der Champions League-Teilnehmer auf 23:15 ab. Nach dem Seitenwechsel waren die Flames bemüht, die ganze Angelegenheit etwas zu entschleunigen. „Wir haben versucht, das Tempo etwas rauszunehmen, auch wenn das nicht unser Spiel ist. Manchmal muss man gewisse Dinge anpassen,“ erklärte Heike Ahlgrimm die neue Marschroute.

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Mit dieser Methode hatten die Flames Erfolg. Der Rückstand verringerte sich auf fünf Tore (22:27/38.). Andre Fuhr unterbrach den veränderten Rhythmus der Begegnung mit einer Auszeit. Innerhalb der folgenden zehn Minuten zog der Spitzenreiter davon und profitierte dabei von der steigenden Fehlerquote der Flames. Mit einem Zwischenspurt stellte Dortmund auf 32:24 (47.) – die Vorentscheidung war gefallen.

Ahlgrimm etwas früher und Fuhr etwas später, nutzten mit Blick auf die anstehenden Aufgaben für ihre Mannschaften am Wochenende weite Teile des zweiten Abschnitts, um durchzuwechseln. „Wir haben eine sehr hohe Belastung, ich bin sehr zufrieden, dass wir das heute recht souverän gelöst haben. Das war eine gute Leistung“, bilanzierte Andre Fuhr.

Heike Ahlgrimm sah im Vergleich zur Heimniederlage gegen den VfL Oldenburg in der Vorwoche eine deutliche Steigerung bei ihrem Team. „Wir haben viele Dinge richtig gemacht. An den Sachen, die nicht funktioniert haben, werden wir arbeiten.“ Am Sonntag (21.) steht für die Flames (7./20:16) die Auswärtspartie bei Bayer Leverkusen (9./16:16) an. eh