Fußball - City vor Traumwoche, Proteste bei United

Clubs der Gegensätze in Manchester

Von 
dpa
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City-Trainer Pep Guardiola. © dpa

Manchester. Nur sieben Kilometer liegen zwischen Manchester Citys Etihad-Stadion und dem Old Trafford, der Heimstätte von Manchester United. Auch in der Premier-League-Tabelle sind die Fußballclubs Nachbarn. Und doch liegen gerade nicht nur 13 Punkte, sondern Welten zwischen den Rivalen. Man City hat ein Stimmungshoch, steht kurz vor dem siebten Meistertitel und könnte erstmals das Finale der Champions League erreichen. United steht mit einem Bein im Europa-League-Endspiel und wird wohl Vizemeister, doch das Klima ist vergiftet. Das hatte nun sogar Auswirkungen auf Citys Meisterschaft.

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„Wir können schon mal den Champagner in den Kühlschrank stellen“, hatte Man-City-Trainer Pep Guardiola am Samstag nach dem 2:0-Sieg bei Crystal Palace gesagt, „noch nicht öffnen, aber schon mal dran denken.“ Am Sonntag hätte Man City dann sogar anstoßen können. Wenn Lokalrivale United gegen den FC Liverpool verloren hätte, wäre City rechnerisch nicht mehr einzuholen gewesen. Doch dazu kam es nicht.

Citizens gegen Paris

Die Partie im Old Trafford wurde abgesagt, nachdem wütende Fans von Manchester United wenige Stunden vor dem Anpfiff ins Stadion eingedrungen waren und den Rasen gestürmt hatten – ein Protest gegen die United-Besitzer, der aus dem Ruder lief. „Glazers out“ riefen die Anhänger lautstark. Die verworfenen Pläne für eine europäische Super League, zu deren Initiatoren Man United gehörte, waren der jüngste Anlass. Der Fanfrust über die Inhaberfamilie Glazer liegt indes tiefer und wird von Clubikonen wie Ex-Profi Gary Neville geteilt.

„Hinter den Kulissen ist das Stadion rostig und mürbe“, sagte Neville, inzwischen TV-Experte, sichtlich aufgewühlt am Sonntag beim Sender Sky Sports. „Die haben seit zehn Jahren kein Halbfinale in der Champions League erreicht. Seit acht Jahren haben wir mit Manchester United nicht mehr die Liga gewonnen.“ Verantwortlich dafür machen Neville und Co. die Milliardäre Joel und Avram Glazer, denen es nur um den eigenen Profit ginge und denen der Verein vollkommen egal sei.

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Neville äußerte deshalb Verständnis für den Protest der Fans, wobei er die Ausschreitungen auf dem Rasen nicht gutheißen wollte. Auch Liverpool-Ikone Jamie Carragher und Ex-Man-City-Profi Micah Richards kritisierten die Glazers. „Es gibt so viele Geschäfte, mit denen man Geld machen kann“, sagte Richards, „warum muss man einem Verein mit so viel Geschichte das Leben und die Seele rausreißen?“

Solche Probleme gibt es beim Nachbarn nicht, obwohl auch Man City die Super League wollte. Dass der Club praktisch im Besitz von Abu Dhabi ist, stört die Mehrheit der Fans nicht im Geringsten – weil die Leistung stimmt. Man City gewann gerade zum vierten Mal in Serie den Ligapokal. Der so gut wie sichere Meistertitel ist der dritte in vier Jahren unter Pep Guardiola. Und nun könnte womöglich sogar der lang gehegte Traum vom Champions-League-Triumph wahr werden.

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Mit dem 2:1-Sieg im Halbfinal-Hinspiel bei Paris Saint-Germain hat Guardiolas Team beste Voraussetzungen geschaffen, um zuhause den ersten Finaleinzug der Clubgeschichte klarzumachen. dpa

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