Models zum Vernaschen

Ihre Fotos machen Appetit auf mehr. Foodbloggerin und -Fotografin Verena Susanna Wohlleben im Gespräch. Von Swenja Knüttel

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Foodbloggerin und -Fotografin Verena Susanna Wohlleben aus Neustadt rückt nicht nur Essen ins rechte Licht, sondern kreiert auch noch eigene Rezepte. In der Branche hat sich die 37-Jährige inzwischen einen Namen gemacht. Zu ihren Kunden zählen unter anderem Dr. Oetker sowie Langnese, und in den sozialen Netzwerken hat sie zahlreiche Follower. „guggemol“ hat sich mit der sympathischen Pfälzerin unterhalten.

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Sie kommen ursprünglich aus einem ganz anderen Bereich, der Medizin. Wie wird man da auf einmal Food Blogger?

Vera Wohlleben: Das war eine spontane Nacht- und Nebelaktion im Februar 2011. Ich befand mich in der Abschlussphase meines Medizinstudiums, konnte nicht schlafen und brauchte dringend einen kreativen Ausgleich. Also erstellte ich einen Blog, wo ich einfach mal ein paar Bilder meiner liebsten Rezepte und meiner Wohnung hochlud. Eigentlich wollte ich nur eine Art Tagebuch für mich persönlich anlegen. Um meine Themen Food, Interior und DIY zu illustrieren, habe ich fast täglich fotografiert. Irgendwann wurden Unternehmen auf meine Fotos und Rezepte aufmerksam. Inzwischen ist aus dem Hobby ein Vollzeitberuf geworden. So arbeite ich als Content Creator und Blogger, aber auch blogunabhängig als Fotografin und Stylistin für Food & Stills. Mein Fokus liegt auf der Food-Fotografie, ich biete aber auch Produktfotografie, Lifestyle-Fotografie und Interior Shootings an.

Was macht die Faszination aus? Ist das Ihr Traumberuf?

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Wohlleben: Bei der Food-Fotografie kann ich meine beiden großen Leidenschaften voll ausleben: Ästhetik und gutes Essen. Ich liebe es, Harmonien mit Farben und Licht zu erzeugen, Stimmungen zu vermitteln und mit meinen Bildern Geschichten zu erzählen. Außerdem bin ich ein absoluter Genussmensch und liebe es, Neues auszuprobieren. So halte ich immer die Augen offen nach besonderen Zutaten und neuen Zubereitungsmethoden. Ich denke, dass dieser Beruf meinen Neigungen schon sehr nahe kommt.

Braucht es bestimmte Qualifikationen?

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Wohlleben: Auf dem Papier nicht – für meine Kunden zählt das Ergebnis, keine abgeschlossene Ausbildung im Bereich Fotografie. Das technische Know-how sollte natürlich vorhanden sein. Aber selbstverständlich sind einige Fähigkeiten wichtiger als andere. Es beginnt mit Neugier und Offenheit für neue Themen, Zutaten oder Trends. Dann braucht es Kreativität und geschmackliches Vorstellungsvermögen, um gute Rezepte zu entwickeln. Wichtig ist auch ein Schuss Akribie, sowohl bei der genauen Ausarbeitung der Rezepte als auch bei der Fotografie und Bildbearbeitung. Ganz unbedingt sollte man ein Gespür für Ästhetik haben. Ein eigener Stil als Wiedererkennungsmerkmal ist ebenso nützlich wie die Fähigkeit, auf Look & Feel des Kunden einzugehen. Dazu braucht es Sensibilität. Und schließlich geht es nicht ohne Disziplin, da man sich als Selbstständiger immer wieder selbst strukturieren muss.

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Man ist ja zugleich in vielen Kanälen präsent, wie lebt es sich so öffentlich?

Wohlleben: Ich würde gar nicht sagen, dass ich öffentlich lebe. Meine Person halte ich aus Blog und Social Media Kanälen inzwischen weitgehend heraus. Mir geht es um die Inhalte, um kreative, saisonale Rezepte und ästhetische Fotografien. Dieses Influencer-Ding, wo man täglich in den Instagram Storys zu seinen Followern spricht, mache ich nicht.

Wer zählt zu ihren Kunden und wie kommen die Kooperationen zustande?

Wohlleben: Ich freue mich sehr, dass Unternehmen wie Dr. Oetker, Langnese oder Edeka zu meinen Kunden gehören. Die Kooperationsanfragen kommen meistens über Agenturen, manchmal aber auch direkt von den Unternehmen.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Wohlleben: Ich würde sagen, mein Gespür für Ästhetik, die Liebe zum Detail und der Wille, erfolgreich in seinem Tun zu sein.

Müssen Sie jeden Tag kochen und backen? Und dann wieder alles sauber machen! Was sagt der Partner dazu?

Wohlleben: Das muss ich normalerweise nicht. Bei mir wechseln sich Shooting-Tage mit Büro-Tagen ab, an denen ich mich um Bildbearbeitung, Mails oder die Buchhaltung kümmere. Obwohl ich ein sehr ordentlicher Mensch bin, sehen die Küche und das Set nach einem Shooting tatsächlich wie ein Schlachtfeld aus. Da sind andere Dinge wichtig wie die Schnelligkeit und gleichzeitige Perfektion beim Anrichten, damit das Gericht maximal frisch vor die Linse kommt. Nach einem Shooting bin ich oft so erschöpft, dass ich mich erst einmal hinlege und denke: Ich lasse das jetzt für immer so. Aber nach einer Weile siegt doch der innere Monk, ich raffe mich auf und räume alles wieder auf. Das dauert oft über eine Stunde. Mein Mann freut sich immer über die Models, die er vernaschen darf, wenn ich mit dem Shooting fertig bin.

Wie kommen Sie an immer wieder neue Rezepte?

Wohlleben: Es gibt so viele Dinge, die mich inspirieren. Sei es der Neustadter Wochenmarkt, auf dem ich immer nach besonderen Obst- und Gemüsesorten Ausschau halte, oder ein kleines italienisches Feinkostgeschäft. Eine Reise auf die Malediven kann genauso inspirierend sein wie meine Heimat, die Pfalz, ein französisches Magazin, ein Restaurantbesuch, Pinterest oder ein spontanes Gespräch mit den Nachbarn. Durch mein Interesse an Kulinarik passiert es einfach. Ich muss die ganzen Ideen nur noch kanalisieren und ausarbeiten.

Ging dabei schon mal richtig was schief?

Wohlleben: Oh ja, das passiert ständig. Beim Fermentieren von Radieschen ist mir mal das Glas explodiert und hat meine weiße Küche mit pinkfarbenen Punkten dekoriert. Schiefgegangen ist auch mein Versuch, Plätzchen aus glutenfreiem Lebkuchenteig mit einem filigranen Ausstecher in Reh-Form herzustellen. Nach dem Backen war von den zarten Rehlein nichts mehr zu erkennen, auf dem Blech befanden sich nur noch ein paar unförmige Gebilde.