Mit 80 Sachen durch die Badewanne

Die Radrennbahn in Dudenhofen gilt als ein Mekka für Radsportler aus der ganzen Welt. Von Swenja Knüttel

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In dieser Badewanne geben sich Weltmeister und Olympiasieger ein Stelldichein, erreichen dort Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 85 Kilometer pro Stunde. Die Radrennbahn in Dudenhofen, liebevoll die Badewanne genannt, gilt als ein Mekka für Radsportler aus der ganzen Welt. Für eine WM-Revanche flog 1995 der zweifache Weltmeister Darren Hill mal eben 13 900 Kilometer von Perth nach Frankfurt, um sich mit seinen Konkurrenten zu messen. Könnte die 250 Meter lange Bahn Geschichten erzählen, würde sie damit Bücher füllen.

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Einer, der die Badewanne von Dudenhofen fast so gut wie seine Westentasche kennt, ist Dieter Landry. Der langjährige Technische Leiter des Radfahrerverein Dudenhofen 1908 ist mit der Geschichte bestens vertraut. „Seit 1974 gehöre ich dem Verein an. Ich habe viel erlebt in dieser Zeit“, sagt der 80-Jährige, der sich eigentlich im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedet hat. Eigentlich, denn kaum einer ist so vertraut mit der Historie. „Ja, der Darren Hill“, greift Landry den Faden auf, „der war schon ein verrückter Kerl. Die WM-Revanche war schon früher geplant, aber wegen Regens musste der Wettkampf abgesagt werden, Hill flog unverrichteter Dinge zurück nach Australien. Ein paar Wochen später setzte er sich kurzerhand wieder in den Flieger, landete donnerstags in Frankfurt, trat auf der Rennbahn in die Pedale und flog sonntags wieder zurück.“ Nur wie die Revanche ausgegangen ist, daran erinnert sich der Ruheständler nicht mehr.

Für 900 000 Euro saniert

Vor rund 100 Jahren wurden erstmals Bahnrennen in dem an Speyer grenzenden Ortsteil gefahren. Nach den Kriegsjahren und Vereinswiedergründung 1946 erlebte die Bahn ein Revival und wurde wieder für Rennen genutzt. Bis der Zustand einen Abriss und Neuaufbau erforderte. „Ab Pfingsten 1992 wurden die Wettbewerbe wieder aufgenommen“, sagt Landry. 2016 bis 2017 erfolgte eine große Sanierung der legendären Sportarena. Für rund 900 000 Euro wurde die Bahn saniert. „Sie ist seitdem in einem hervorragenden Zustand“, freut sich der Radsport-Experte. Leider vermischt sich diese Freude mit Wehmut. Auch sein Verein leidet unter den Folgen der Pandemie. „Im vergangenen Jahr haben wir alle Veranstaltungen abgesagt. Jetzt sind für Pfingsten das traditionelle Pfingstrennen und für September der Sprint-Grand-Prix geplant. Ob die Wettbewerbe und in welcher Form sie stattfinden können, wissen wir aktuell nicht“, so Landry. Dabei wären die Rennen wichtig für den Verein.

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Auch, dass Publikum wieder die Fahrer anfeuert, würde den Senior freuen. „Wir brauchen diese Einnahmen dringendst“, betont Dieter Landry, der 2018 die Deutschen Meisterschaften im Bahnradsport in Dudenhofen mitorganisierte. 15 000 Zuschauer, 300 Athleten, 900 Fahrräder und 48 Wettbewerbe in fünf Tagen stemmte der RV 08 Dudenhofen damals. Eine logistische Meisterleistung. Vor allem der Schutz der Fahrräder forderte damals Organisationstalent und Fingerspitzengefühl. „Für die Profis ist ihr Fahrrad ihr Sportgerät, da muss alles passen und darf nichts verstellt werden. Daher ist es bei vielen Fahrern durchaus üblich, dass sie ihre Räder, die durchaus einen Wert von 12 000 Euro und mehr haben, mit ins Hotelzimmer nehmen“, erklärt Landry.

Auch bei den Speisen müssen die Veranstalter sich nach den Bedürfnissen der Sportler richten. „Die Fahrer brauchen viele Kohlenhydrate, deshalb werden während der Wettbewerbe gerne Nudeln serviert!“

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Keine einfachen Zeiten

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Ob das zu Pfingsten der Fall sein wird, ist sich das Urgestein des Vereins nicht sicher. Zu viele Dinge müssen beachtet werden. „Die Radler müssen getestet sein und Unterkünfte organisiert werden. Und was machen wir, wenn eine positiv getestet wird, das ist alles so schwierig“, bedauert der 80-Jährige.

Trotzdem scheint die Zukunft der Badewanne von Dudenhofen in sicheren Bahnen. Die Traditionssportstätte wird nicht nur von den Profis geschätzt, sondern auch gerne vom Nachwuchs genutzt. Die Radsport-Jugend des Heinrich-Heine-Gymnasiums Kaiserslautern nutzt gerne die Trainingsmöglichkeiten in der pfälzischen Spargelhochburg. Und auch Olympiasiegerin Miriam Welte ist ein gern gesehener Gast in Dudenhofen. Einst war die Badewanne ihre Hausbahn. Jetzt, als sportliche Leiterin beim Bahn-Team Rheinland-Pfalz, ist die sechsfache Weltmeisterin engagiert in der Motivation des Nachwuchses. „Wir sind gerne weiterhin eine feste Größe im Bahnradsport“, sagt Landry und hofft auf viele spannende Rennen in den kommenden Jahren.