AdUnit Billboard
Wegzeichen - Gedanken über die biblische Erzählung von der Speisung der Fünftausend

Sinn suchen und anderen Orientierung geben

Von 
Markus Bissinger
Lesedauer: 
Die Stille aufsuchen und Orientierung finden – die bevorstehenden Urlaubstage laden dazu ein. © Bissinger

Jeder braucht mal eine Pause und Zeit für sich. Und jede Auszeit hat nur dann einen Wert, wenn ich mich zurückziehen kann und Zeit dazu habe, Fragen nach dem Sinn des Ganzen zu stellen. Es gibt viele Routinen und Verhaltensmuster, die sich im Alltag einschleichen. Das, was wir eigentlich wollen, gerät in Vergessenheit. Die eigentlichen Lebensziele bleiben auf der Strecke, es läuft alles weiter in alten Bahnen, wir nicken ab, was uns aufgetragen wird und machen weiter wie bisher. Nur wer es schafft, das Gewohnte aus anderer Perspektive zu und zu bewerten, ermöglicht sich Veränderung. Ich muss innehalten, mich neu orientieren, bevor ich weitergehe. Ansonsten laufe ich an meinen Lebenszielen vorbei. Wer sich seiner Ziele und Möglichkeiten bewusst ist, wird zufriedener durch den Tag gehen. Und er kann – so er will – anderen Orientierung geben.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Viele suchen sich Ratgeber. Sie stöbern in Büchern nach Weisheiten oder suchen Therapeuten und Seminare zur Verbesserung ihrer Lebenssituation auf. Die Ratschläge kommen dann weitgehend nur von außen. Mehr Erfolg zeigt sich, wenn Menschen sich selbst Fragen stellen. Sie bewirken ein Umdenken von innen heraus. Betrachte ich selbstkritisch meine eigene Situation, erhalte ich nicht nur Denkanstöße. Es hilft mir auch, meine eigenen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Den Erkenntnissen stehe ich in der Regel offener gegenüber, als fremden Tipps. Ich entwickle meist eine höhere Motivation und orientiere mich mehr an dem, was mir wichtig ist.

Dazu gehört es zunächst, meine aktuelle Situation zu bestimmen. Ich muss mein Selbstbild, meine Werte und Bewertungen hinterfragen. Nur dann kann ich festlegen, wohin ich eigentlich streben will. Personen, die wissen, was ihre Ziele sind und wie sie diese erreichen können, werden zu einem gelingenden Leben finden. Sie werden auch machbare Schritte definieren: Ich kann nicht alles sofort erreichen, sondern mir auch eingestehen, dass das Große nur nach und nach möglich ist. Womöglich muss ich mich neu orientieren, meine bisherigen Strategien ändern, und ganz andere, neue Wege finden.

Bei sich selbst ansetzen

All das gilt erst recht, wenn ich anderen Orientierung geben will. Umso mehr muss ich bei mir selbst ansetzen, mit den eigenen Ressourcen und Emotionen verantwortlich umgehen. Ich muss Vertrauen vermitteln, Freiräume gewähren und helfen, persönliche Stärken auszubauen. Und letztlich brauche ich einen transparenten, damit glaubhaften Kommunikationsstil, um aufzuzeigen und zu inspirieren.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Der Evangelist Markus berichtet, dass die Jünger, die Jesus einst ausgesendet hatte, wohl auch erschöpft wieder von ihren Missionen zurückkehrten (Markus 6). Jesus lädt sie ein, einen einsamen Ort aufzusuchen. Sie sollen zu Ruhe kommen, das Gespräch untereinander suchen und all ihre bisherigen Erfahrungen reflektieren. Durch den Rückzug sollen sie zu neuer Stärke finden und ihre nächsten Schritte vorbereiten. Schließlich sind sie es, die den Auftrag haben, anderen Lebens-Orientierung zu geben.

Nach dem biblischen Bericht folgt eine große Menschenmenge Jesus und versammelt sich mit am Ufer. Er erkennt, dass sie führungs- und orientierungslos los sind und lehrt ihnen „vieles“. Auf die behandelten Themen selbst wird vom Verfasser des Evangeliums nicht eingegangen, wohl, um seine Leser anzuregen, darüber nachzudenken, welche Fragen sie selbst an Jesus gestellt hätten. Offensichtlich hatte dieser Antwort auf alle bestehenden Fragen der Menschen. Vielleicht regte er seine Zuhörer an, sich selbst über alles klar zu werden. Das damals sich um ihn versammelte Volk fand jedenfalls Orientierung und konnte wohl erkennen, dass durch und mit ihn Rettung möglich war. Die biblische Episode macht deutlich: Orientierung zu finden oder zu geben ist nur möglich, wenn ich persönlich zur inneren Einkehr und Reflexion bereit bin. Nur wer in sich geht, vielleicht auch bereit ist, auf seine innere Stimme zu hören – Christen erkennen in ihr auch die Stimme Gottes –, kann sich wirklich weiterentwickeln, damit einem persönlichen Stillstand und der Erschöpfung vorbeugen. Menschen, die bereit sind, immer wieder neu Orientierung zu suchen, geben sich mit dem Status quo nicht zufrieden.

Leben im Überfluss

Sie werden ihn regelmäßig hinterfragen und auch Orte aufsuchen, wo sie das tun können. Dem Bericht im Markusevangelium folgt die Speisung der Fünftausend. Auch wenn Erfüllung offensichtlich nicht immer möglich ist, es ist wohl Gottes Wille, dass alle satt werden und noch große Mengen – damit Lebensressourcen – übrig sind.

Freier Autor Rubrik "Wegzeichen" in der Wochenendbeilage. Berichte zu den Themen Soziales, Gesellschaft und Kirche.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1