Juden und Christen

Das geistliche Wort

Von 
Arno Kreh
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Es war ein feiger Anschlag in Halle in der vergangenen Woche. Ein schwerbewaffneter Mann geht auf unschuldige Menschen los. In der Synagoge von Halle haben sich rund 50 Menschen versammelt, um Jom Kippur, den großen Versöhnungstag der Juden, zu feiern. Sie erleben eine endlos lange Zeit in Todesangst. Zum Glück halten die Sicherheitsmaßnahmen dem Angriff stand. Am Ende sterben zwei völlig unbeteiligte Menschen, gerade einmal 20 und 40 Jahre alt. Der Täter von Halle begründete seine Tat mit antisemitischen Motiven. Sein Ziel war es, möglichst viele Juden zu töten, auch Kinder.

Arno Kreh. © Christoph Däschner
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Der Antisemitismus hat eine lange Geschichte. Die Kirche hat ihren Anteil daran. Vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus hat sie versagt und sich nicht schützend an die Seite der Juden gestellt.

Erst nach 1945 gab es eine deutliche Wende. Mutige Christen und Juden gingen aufeinander zu und bestimmten das Verhältnis neu. Christen gingen den Weg, den die Reformation gewiesen hatte: Wenn in der Kirche etwas aus dem Ruder gelaufen ist, muss die Bibel neu befragt werden. Dadurch wurde deutlich: Jesus war Jude und wollte auch nie etwas anderes sein. Der jüdische Glaube ist die Wurzel des christlichen Glaubens. Juden und Christen sind Schwestern und Brüder. Mittlerweile gehört diese Erkenntnis zum Grundbekenntnis der Evangelischen Kirche.

Wer diese Wurzel erkundet, kann interessante Entdeckungen machen. Im Zentrum des christlichen Glaubens steht das Liebesgebot. Auch als Leitwort für den kommenden Sonntag: „Dieses Gebot ist uns gegeben: Alle, die Gott lieben, sollen auch ihre Geschwister lieben!“ (1. Johannes 4,21). Aber auch dieses Gebot verbindet Juden und Christen, denn der Auftrag zur Nächstenliebe ist schon in den Mosebüchern am Anfang der Bibel zu finden.

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Juden und Christen gehören zusammen. Deshalb war es gut und richtig, dass es nach dem Anschlag von Halle Gottesdienste in Kirchen gab und Christen sich an die Seite der Juden gestellt haben. Der Anschlag hat uns aber auch gezeigt, dass diese Solidarität immer wieder sichtbar gemacht werden muss.

Und das werden wir auch tun, etwa am 9. November, wenn wir mit Andachten, Schweigekreisen oder Konzerten an das Verbrechen der Reichspogromnacht 1938 erinnern. Gegen alle antisemitischen Tendenzen wird damit deutlich:

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Christen und Juden sind Geschwister.

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* Der Autor Arno Kreh ist Pfarrer und Dekan des Evangelischen Dekanats Bergstraße.