Wegzeichen - Gedanken über den Predigttext aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth

Im Miteinander die richtige Sprache finden

Von 
Markus Bisinger
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Worte haben ihre Kraft und Bedeutung. Auch die Bibel verkündet: „Im Anfang war das Wort...“ Wo es gesprochen wird, ermöglicht es Beziehung. Die richtige Sprache und damit die richtigen Worte zu finden, ist Voraussetzung für jede Verständigung. Es kommt dabei nicht auf das Plappern an. Auch bei der Kommunikation zählt: Qualität geht vor Quantität.

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Nicht jede Sprache wird verstanden. Jeder zwischenmenschliche Austausch verfolgt eine Absicht, damit auch Bedürfnisse der Beteiligten. Je besser auf diese eingegangen wird, desto zufriedener verläuft das Gespräch für beide Seiten. Wer andere mit seinen Botschaften erreichen möchte, muss also die Bedürfnisse des anderen möglichst gut kennen und ihnen gerecht werden. Desto besser ich weiß, was mein Gegenüber will und braucht, welche Erfahrungen, Vorlieben und Interessen er hat, desto besser kann ich auf ihn eingehen.

Kommunikation beherrscht das moderne Leben. Nahezu ständig müssen die Menschen Entscheidungen darüber treffen, ob, mit wem und wie sie kommunizieren. © Bissinger

Jede Kommunikation scheitert, wenn all diese Aspekte nicht erkannt, fehlinterpretiert oder gar missachtet werden. Viel zu oft ist das der Fall. Die richtige Sprache zu finden ist eine wahre Kunst. Schaffe ich dies, kann ich mich mit anderen nicht nur verständigen, ich kann auch eigene Bedürfnisse geltend machen und eigene Überzeugungen weitergeben.

Viele Faktoren bestimmen den Erfolg eines Gesprächs: Einstellungen, Erwartungen, Wertehaltungen und das Beziehungsverhältnis. Auch die Situation, in der etwas gesagt wird, die „Grundstimmung“ der Beteiligten, das aktuelle Beziehungsverhältnis oder auch die Stellung der Beteiligten bestimmen über den Erfolg der Kommunikation. Dann macht natürlich auch noch der Ton die Musik, also wie laut, ermahnend oder humorvoll die Worte gesprochen werden. Besonders schwer ist einzuschätzen, welche Assoziationen das Gesprochene bei anderen auslöst.

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Die Bibel verweist auf die „Sprache der Liebe“. Sie soll den anderen Menschen annehmen, wie er ist – nicht über ihn urteilen, sich nicht über ihn erheben oder ihn beeinflussen. Paulus fordert die junge Gemeinde in Korinth auf: „Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet!“ Propheten wissen die Zeichen der Zeit zu deuten. Sie sind aufmerksam für das, was die Menschen bewegt, nehmen es auf und deuten es aus der Sicht des Glaubens.

Christen sehen in prophetischem Denken und Handeln das Wirken des „Heiligen Geistes“. Alle Gläubige sind zur Prophetie berufen, und damit Gottes Botschaften zu verkünden. Sie sind „Fürsprecher“, „Sendboten“ und können auch voraussagen. Paulus grenzt prophetisches Reden klar vom „Zungenreden“ ab: „Denn wer in Zungen redet, der redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott.“ Herausplappern, was einem gerade auf der Zunge liegt, kann man in seiner Beziehung zu Gott, aber nicht zu den Menschen. Zungenreden ist unverständliches Sprechen, das gerade bei Fernstehenden nicht ankommt.

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Freuden und Ängsten nachgehen

Für Christen gilt es damit, ihre eigene Prophetie zu erkennen prophetisch zu handeln und zu verkünden, also betont der Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen nachgehen. Die weit beachtete Pastoralkonstitution der katholischen Kirche nach dem 2. Vatikanischen Konzil hat es so formuliert: „Zur Erfüllung dieses ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. So kann sie dann in der jeweils einer Generation angemessenen Weise auf die bleibenden Fragen der Menschen nach dem Sinn des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens und nach dem Verhältnis beider zueinander Antwort geben.“ Gerade heute scheinen Kirchen in „Sprachschwierigkeiten“ zu stecken. Ihre Botschaften werden von immer weniger verstanden und das, was über viele Jahre selbstverständlich angenommen wurde, wird plötzlich hinterfragt.

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Es fehlt an Antworten. Es könnte helfen, zu einer prophetischen Sprache zurückzukehren. Anstatt „unzeitgemäß“ zu handeln und gegebenenfalls den „Zeitgeist“ zu kritisieren, könnte es helfen, sich erste einmal darauf zu besinnen, die „Zeichen der Zeit“ zu erkennen, um sie dann deuten zu können. Das ist leichter gesagt, als getan. Die „Zeichen der Zeit“ sind nicht immer eindeutig und können unterschiedlich gedeutet werden. Es kann und sollte sich auch nicht allem unüberlegt angepasst werden. Die Bibel verweist hier auf die „Unterscheidung der Geister“, die nötig ist, um das Wahre herauszufiltern. Das kann, muss und wird letztlich eine „Frohe Botschaft“ sein, die damit auch den wirklichen Bedürfnissen der Menschen gerecht wird.