Wegzeichen - Die biblischen Heilsgeschichten sollen nicht nur berichten, sondern anleiten Beherzt bei der Sache sein

Von 
Markus Bissinger
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Eine typische Herz-Jesu-Statue: Sie hatte einst ihren Platz in der Katholischen Kirche Mariae Himmelfahrt in Zwingenberg. Die Herz-Jesu-Verehrung entstand im 19. Jahrhundert. Jesus Christus schenkt den Menschen sein Herz, er verweist darauf und segnet sie. © Bissinger

Menschen, die etwas mit hohem Engagement und aus Überzeugung tun, von denen sagt man, sie seien „mit dem Herzen“ dabei. Da sind neben dem Engagement auch Gefühl und persönliche Anteilnahme dabei.

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Das Herz gilt als Mittelpunkt des menschlichen Lebens. In ihm sitzt alle Lebenskraft. Von Herzen kommen Liebe, Mitleid, Ehrlichkeit und Freude. Und wer halbherzig bei der Sache ist, dem fehlt es an Interesse und an Motivation. Man kann sich auch ein Herz fassen und damit fehlendes Mitgefühl wieder Raum zu geben.

Entsprechend des aktuellen Jahreskreises stellen die Kirchen in den Lesungen ihrer Gottesdienste das öffentliche Wirken Jesu heraus. Sein Herzensanliegen ist offensichtlich die Verkündigung des Reiches Gottes. Er kommt den Menschen nahe, berührt und verändert sie. Menschen werden geheilt und „Dämonen“ ausgetrieben. Sie stehen für all die bösen Mächte, die sich gegen Gottes Willen stellen und dabei einen Menschen völlig in Besitz nehmen.

Erst die Taten, dann die Lehre

Durch sein warmherziges, dennoch beherztes und damit entschiedenes Auftreten verändert Jesus die Menschen, denen er begegnet. Sie werden physisch und psychisch gesund. Durch dieses Wirken breitete sich das von ihm verkündete „Reich Gottes“ schnell aus, sowohl im privaten als auch öffentlichen Raum. Erst nach den Heilstaten verkündet Jesus seine Lehre.

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Die Heilsgeschichten der Bibel wollen nicht nur berichten. Theologen sehen in ihnen einen konkreten Aufruf und konkrete Beispiele, dem messianischen Wirken zu folgen. Die Nachfolge darf nach Beispiel Jesu nicht halbherzig sein. Christen sind aufgerufen, selbst das „Reich Gottes“ zu verkünden, indem sie vor allererst Handeln. Und das heißt nach biblischem Beispiel: Zu heilen und Dämonen auszutreiben.

Für heute kann das bedeuten: Erkennen, wo anderen Menschen das Herz blutet; heilen, was verwundet ist und beherzt austreiben, was Menschen gefangen nimmt und ihr Leben behindert. Dazu braucht es keine Wunderheiler oder Exorzisten. Zu denen wollte sich auch Jesus nicht zählen.

Freie Autorenschaft Rubrik "Wegzeichen" in der Wochenendbeilage. Berichte zu den Themen Soziales, Gesellschaft und Kirche.