Bildung - An der Felsenmeerschule in Reichenbach war die Freude der Grundschulkinder gestern groß / Reibungsloser Start in den neuen Corona-Schulalltag Zusammen im Klassenraum lernen, spielen und Versäumtes aufholen

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Sina Roth
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Grundschüler der Klasse 3a an der Felsenmeerschule in Reichenbach kehrten gestern wieder in die Schule zurück – unter Beachtung der Corona-Regeln. © Dietmar Funck

Bergstraße. Endlich wieder Schule mit der Lehrerin vor der Tafel und gemeinsam mit ein paar Mitschülern im Klassensaal – zumindest für einige der Kinder. Denn seit gestern und nach dem langen Corona-Lockdown ist auch im Kreis Bergstraße für die Schulkinder der Klassen eins bis sechs Wechselunterricht angesagt. Kein Wunder, dass da die Freude groß war, sich nach so langer Zeit wieder zu sehen – bei den Schülern und Lehrern gleichermaßen. „Bei uns ist heute alles problemlos gelaufen“, berichtet Simone Kurt, Leiterin der Felsenmeerschule in Reichenbach, nachdem der erste Tag geschafft ist, an dem die neuen Regelungen in Hessen gelten. Was noch vor einem Jahr als selbstverständlich angesehen wurde, ist plötzlich und nach so langer Wartezeit doch etwas ganz Besonderes: „Es freuen sich einfach alle, wieder hier sein zu können“ – ein Stück Normalität für die Jungen und Mädchen. „Bei uns sind die Klassen momentan in A und B geteilt. Heute war die A-Gruppe hier in der Schule, morgen ist dann die B-Gruppe dran. Wir haben also immer halbe Klassen da und außerdem drei Notbetreuungsgruppen, die zusätzlich laufen“, berichtet Kurt. „Die Kinder, die am jeweiligen Tag zu Hause sind, werden von den Kolleginnen flexibel unterrichtet.

Viele BA-Leser auf Facebook und Instagram finden den Schritt zu früh

Über Facebook und Instagram haben wir gefragt, wie die Leser zum Neustart an den Schulen stehen. Dabei hat sich gezeigt: Die Mehrheit findet den Schritt noch zu früh. So sehen das auf Facebook 61 Prozent der Leser – bei 155 Stimmen insgesamt. Ähnlich sieht es auf Instagram aus mit 176 der 297 Stimmen.

Grund hierfür sind vor allem die Mutationen des Coronavirus im Kreis, wie sich in den Kommentaren zeigt: „Ich finde es zu früh wegen steigender Inzidenz und Verbreitung der Mutation“, schreibt Instagram-Nutzerin frau_pfefferkopf. Dem stimmen auch die Nutzer vaterfeuer und _miiiiiri_ zu. Weschnitzbube äußert außerdem Bedenken darüber, dass das Busfahren aufgrund der Mutationen zu riskant sein könnte.

Instagram-Nutzerin lena.koob83 schreibt außerdem, dass die neuen Virus-Varianten schneller übertragen werden können und daher ein erhöhtes Risiko besteht.

Doch nicht alle sind skeptisch –39 Prozent der Facebook-Nutzer und 121 Nutzer auf Instagram stimmen dafür, dass die neuen Regeln an den Schulen eine gute Sache sind. „Kinder brauchen soziale Kontakte und einen geregelten Tagesablauf“, spricht sich Instagram-Nutzerin susisobstladenbensheim dafür aus. Und auch BA-Leserin gerberaunterwegs schreibt: „Der Neustart in den Schulen ist eine gute Sache, da Wissen so besser vermittelt wird. Die Schüler haben endlich wieder mehr soziale Kontakte und sie sind motivierter.“

Auch annkathrin1611 ist dafür, dass wieder mehr Kinder an die Schulen zurückkehren: „Und zwar, weil ich finde, dass so langsam das normale Leben wieder starten kann“, erklärt sie. „Die Kinder brauchen Abwechslung“, schreibt Instagram-Nutzerin e.va.8.6. BA-Leser therealbenjaminholz betont, dass die Abschlussklassen und die Kinder der Klassenstufen eins bis sechs Unterstützung brauchen, weswegen es richtig gewesen sei, diesen Schritt jetzt zu gehen. ssr

Auch mal ohne Maske durchatmen

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„Über MS-Tams ist es für uns nicht mehr möglich, die Schüler zu unterrichten. Einige Kolleginnen haben es so geregelt, dass die Schüler in der Schule ihre Aufgaben für den nächsten Tag bekommen, andere arbeiten mit Wochenplänen. Die Schüler sind aber immer gut versorgt und können uns über Teams weiterhin anschreiben, wenn etwas unklar ist oder es Probleme gibt“, so die Schulleiterin.

Im Klassenraum sitzt jedes Kind an einem eigenen Tisch. „Da wir keine großen Klassen haben, sind durch den Wechselunterricht nicht mehr als zehn Kinder pro Gruppe auf einmal da.“

Aufgrund der neuen Regeln müssen die Kinder ab der ersten Klasse Masken tragen. „Das Kollegium trägt jetzt auch durchgängig FFP2-Masken. Offiziell war das zwar bislang nicht Pflicht, trotzdem kennen die Schüler und Lehrer diese Regeln bereits. „Wenn beispielsweise noch Testergebnisse ausstanden, dann haben wir auch vorher schon in der Schule durchgängig Masken getragen“, so Kurt. Generell haben die Kinder keine Probleme damit, die Masken zu tragen, wie die Schulleiterin berichtet, auch wenn vereinzelt Eltern Bedenken geäußert haben. „Bei uns ist es so geregelt, dass die erste Maskenpause in der Frühstückspause stattfindet. Bei geöffneten Fenstern sitzen die Kinder dann ohne Maske im Raum weit voneinander entfernt – wobei der Abstand dann bei uns etwa drei Meter oder mehr beträgt.“ Die zweite Maskenpause werde dann flexibel von den Lehrerinnen geregelt. „Die Kinder machen das super. Sie wissen aber auch, dass sie uns jederzeit Bescheid sagen können, wenn es so gar nicht geht, wenn sie zum Beispiel das Gefühl haben, nicht genügend Luft zu bekommen. Dann dürfen sie ans geöffnete Fenster und durchatmen, bis es ihnen besser geht.“

Malen und Basteln als Ausgleich

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Damit gestern alles glatt laufen konnte, musste das Kollegium einige Vorbereitungen treffen. „Wir haben zum Beispiel den Schulhof mit Absperrband in vier Zonen eingeteilt. So ist für jeden Jahrgang eine Zone reserviert. Wir rotieren aber, damit die Kinder alle abwechselnd die Möglichkeit haben, mal auf dem Feld mit dem Basketballkorb, dem mit der Tischtennisplatte, dem Feld mit dem Fußballplatz und dem mit dem Klettergerüst zu spielen. „Außerdem mussten wir drei Räume so ausstatten, dass sie für die Notbetreuungskinder zur Verfügung stehen.“ Teilweise seien zum Beispiel nicht genügend Tische darin gewesen. „Die Kinder in der Notbetreuung bearbeiten in der Schule die Aufgaben, die sie sonst in dieser Zeit zu Hause erledigen würden. Außerdem gibt es zwei Bewegungszeiten, die zweimal eine dreiviertel Stunde dauern. Sie können auf dem Hof spielen, malen, basteln oder auch mal gemeinsam ein Spiel spielen“. 27 Kinder seien derzeit in der Felsenmeerschule in der Notbetreuung.

„Was den Kindern momentan fehlt, das sind zum Beispiel Fächer wie Musik und Sport. Sie haben uns danach gefragt und wir haben ihnen erklärt, wieso das erstmal nicht geht.“ An der Felsenmeerschule gibt es derzeit hauptsächlich Deutsch, Mathe und Sachunterricht. „In Klasse drei und vier gibt es außerdem Englischunterricht.“ Darüber hinaus sei es zeitlich möglich, dass die Kinder auch noch Kunstunterricht haben. „Denn Deutsch und Mathe sind für die Kinder viel anstrengender, Kunst ist für sie ein Ausgleich“, weiß die Direktorin.

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„Es ist wirklich gut, dass es jetzt wieder losgeht, allerdings auch, dass es erst einmal Wechselunterricht gibt“, äußert sich die Schulleiterin. Denn so könne man die Abstände gut einhalten. „Ich selbst bin auch ein Befürworter der Maskenpflicht ab Klasse eins – gerade mit Blick auf die Mutationen.“ So könne jeder einen Teil dazu beitragen und das Infektionsrisiko minimieren. „Auch wenn das natürlich manchmal anstrengend ist. Insgesamt finde ich es gut, dass die Kinder wieder kommen können. Denn auch, wenn eine große Anzahl daheim sehr gut arbeitet, merkt man doch, dass einige Familien an ihre Grenzen kommen – zum Beispiel dabei, dem Kind die Lerninhalte zu vermitteln. Deswegen ist es wichtig, dass wir jetzt schauen, dass diese Kinder bald wieder aufholen.