Qualifikation - Mit dem Projekt „Bildungscoach“ startet die Wirtschaftsförderung Bergstraße ein neues Beratungsangebot Wie man den Berufsabschluss nachholen kann

Von 
Thomas Tritsch
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Zum Jahresbeginn wurde das Projekt „Bildungscoach“ gestartet. © KB

Bergstraße. Die Wirtschaftsförderung Bergstraße (WFB) bietet seit Anfang des Jahres Betrieben und Beschäftigten eine individuelle Beratung zur beruflichen Weiterbildung und Nachqualifizierung an. Das Projekt „Bildungscoach“ soll kleine und mittlere Unternehmen sowie Arbeitnehmer für die Vorteile einer kontinuierlichen beruflichen Weiterbildung sensibilisieren und konkrete Maßnahmen vermitteln. Im Fokus stehen abschlussbezogene Nachqualifizierungen für Mitarbeiter, die bereits im Unternehmen sind. Mit der Initiative will der Kreis die Weiterbildungsbereitschaft steigern und die Qualifizierungsaktivitäten insgesamt verstärken.

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Für die WFB liegen die Vorteile auf der Hand: Ein Berufsabschluss bestätigt die Kenntnisse von Arbeitnehmern und stärkt zugleich auch die Wettbewerbsfähigkeit des jeweiligen Unternehmens. Das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Hessen geförderte Projekt soll diesen Prozess als zusätzliches Instrument bereichern. Im Kreis wird die Initiative in Zusammenarbeit mit dem Eigenbetrieb Neue Wege (Jobcenter) durchgeführt. Die Laufzeit ist zunächst auf das Ende der laufenden EU-Förderperiode am 31. Dezember dieses Jahres begrenzt.

Laut WFB-Geschäftsführer Matthias Zürker beträgt die Zuwendung für die Wirtschaftsregion Bergstraße 60 400 Euro. Damit sollen in erster Linie personelle und administrative Kosten gedeckt werden. Darüber hinaus ist für einzelne Qualifizierungsmaßnahmen ein Zuschuss in Höhe von 50 Prozent möglich – die Förderung ist auf maximal 4000 Euro begrenzt und kann auch sukzessive für einzelne Bildungsmaßnahmen gesplittet werden. Hessen fördert die Kosten für eine Nachqualifizierung über einen sogenannten Qualifizierungsscheck. Eingebettet ist das Projekt in die Landesinitiative ProAbschluss, die Beschäftigten ohne Berufsabschluss über eine passgenaue Qualifizierung bis hin zur Fachkraft begleitet. Auch Kollegen, die zwar einen Berufsabschluss haben, jedoch länger als vier Jahre in einem anderen Beruf arbeiten, gehören zur Zielgruppe dieser Strategie.

Im Kreis erledigt die WFB als offizielle Beratungsstelle von ProAbschluss das komplette Procedere. Die Bildungscoaches beraten direkt vor Ort und stehen sowohl Beschäftigten wie auch Personalverantwortlichen als Ansprechperson zur Verfügung. Bei der WFB ist das Felix Fischer. Der Projektmanager des Bereichs Unternehmerservice ist auch für den Odenwaldkreis zuständig. Nachdem der Qualifizierungsstand eines Mitarbeiters festgestellt ist, werden Unternehmen und Mitarbeiter durch die Umsetzungsphase begleitet. Gemeinsam sollen finanzielle Fördermöglichkeiten ausgelotet und eine ideale Weiterbildungsmaßnahme gefunden werden.

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Zürker verweist auf den konkreten Bedarf von Nachqualifizierungen im Job: Im Jahr 2018 seien in Deutschland über 14 Prozent der Beschäftigten im Alter zwischen 20 und 34 Jahren ohne einen Berufsabschluss gewesen. Das Projekt bietet die Chance, dass Arbeitnehmer auch eigeninitiativ agieren und sich zum Thema Nachqualifizierung und Förderung - auch außerhalb der Unternehmen - beraten lassen. Voraussetzung ist, dass sie mindestens 21 Jahre alt sind und ihren Wohnsitz in Hessen angemeldet haben. Auch Zürkers Kollege im Odenwaldkreis sieht die Maßnahme als Türöffner: „Damit haben wir ein weiteres nützliches Werkzeug zur Verfügung“, so Marius Schwabe. Der Geschäftsführer der Odenwald-Regional-Gesellschaft (OREG) hofft, dass durch das Angebot der weiterhin nagende Fachkräftemangel im Raum Odenwald etwas zurückgefahren wird. Für Melanie Marysko, die Betriebsleiterin von Neue Wege, liegt der spezielle Reiz des Projekts in der hohen Passgenauigkeit. Weil die Mitarbeiter bereits Erfahrung an ihrem Arbeitsplatz mitbringen, wüssten sie besser, welche Weiterbildung oder welchen Abschluss sie im Visier haben sollten. Für die Unternehmen wiederum öffne sich die Chance zu einer besseren Mitarbeiterbindung und weniger qualifikationsbedingter Fluktuation. „Wir brauchen insgesamt mehr solcher berufsbezogener Qualifizierungsmaßnahmen“, so die Erziehungswissenschaftlerin und Soziologin, die seit August das Kommunale Jobcenter leitet.

Landrat Christian Engelhardt, Aufsichtsratsvorsitzender der WFB, verweist auf den Anspruch des lebenslangen Lernens von der Kita über die Schule bis hin zur beruflichen Weiterbildung.

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Aufgrund der Corona-Pandemie führt die WFB die Beratungen aktuell per Video oder telefonisch durch. Sobald es die Situation erlaube, sollen wieder Beratungen vor Ort angeboten werden.

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