Zukunft - Bewerbung für „nationales Technologie- und Innovationszentrum Wasserstofftechnologie“ im Industriepark von Freudenberg in Weinheim Wasserstoff soll die Region antreiben

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Der Industriepark der Firma Freudenberg in Weinheim spielt bei der Bewerbung der Metropolregion Rhein-Neckar als „nationales Technologie- und Innovationszentrum Wasserstofftechnologie“ eine zentrale Rolle. © Freudenberg

Bergstraße. Es wäre für den Wirtschaftsstandort Weinheim ein echtes „Leuchtturmprojekt“, wenn die Metropolregion Rhein-Neckar vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) als „nationales Technologie- und Innovationszentrum Wasserstofftechnologie“ ausgewählt werden sollte. Denn die Umsetzung würde auf dem Gelände des Industrieparks der Firma Freudenberg erfolgen.

Wertschöpfungskette in der Metropolregion etablieren

Im Rahmen eines Förderprogramms gibt es deutschlandweit insgesamt 25 Modellregionen, die sich mit der Umsetzung von Wasserstoffprojekten beschäftigen, drei davon in der Kategorie „HyPerformer“. Eine dieser drei Modellregionen ist die Metropolregion Rhein-Neckar, zu der auch der Kreis Bergstraße gehört.

„Der Kreis ist jetzt nicht nur Teil der Metropolregion Rhein-Neckar, sondern auch der Wasserstoff-Modellregion“, zeigt sich Landrat Christian Engelhardt erfreut, der Potenzial für Bergsträßer Unternehmen sieht, sich an der Förderinitiative des Bundes zu beteiligen.

In einem Gespräch unter anderem mit Vertretern der Metropolregion und der hessischen Landesenergieagentur ging es darum, welche Potenziale und Anwendungsszenarien es im Kreis Bergstraße gibt.

Das gemeinsame Ziel ist die Schaffung einer integrierten Wasserstoffwirtschaft, bei der die gesamte Wertschöpfungskette in der Metropolregion etabliert ist – von Erzeugung, Verteilung, Speicherung über die Anwendung.

Ein Ziel der Wasserstoff-Modellregion ist die Etablierung eines klimafreundlichen ÖPNV. Dafür soll eine entsprechende Infrastruktur mit H2-Tankstellen entstehen. red

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Die erste Hürde hat die Bewerbung genommen: Wie vergangene Woche kurz berichtet, setzte sich die Metropolregion in der Vorauswahl gegen drei andere Bewerber aus Baden-Württemberg durch. Jetzt werden die verbliebenen Anträge aus dem gesamten Bundesgebiet gesichtet. Für die besten drei Bewerber wird das BMVI Machbarkeitsstudien in Auftrag geben, auf deren Basis dann frühestens im Herbst 2021 die finale Entscheidung fällt, welche Region den Zuschlag bekommt.

Forschung schon seit 1996

Dass der Industriepark Freudenberg als potenzieller Standort von der Metropolregion ausgewählt wurde, ist kein Zufall: Denn Freudenberg forscht seit 1996 an Komponenten für Brennstoffzellen und liefert bereits heute wichtige Teile für diese Technologie, bei der Wasserstoff als Energieträger fungiert. Speziell entwickelte Vliesstoffe und Dichtungen gehören ebenso zum Portfolio des Weinheimer Technologiekonzerns wie Filter und Luftbefeuchter.

Wie die Pressestelle des Unternehmens auf Anfrage mitteilte, baue die Geschäftsgruppe Freudenberg Sealing Technologies gerade ihre Aktivitäten in diesem Bereich weiter aus. Künftig arbeiten bei Freudenberg rund 100 Experten an Brennstoffzellen für mobile Anwendungen – das passt perfekt zur Ausschreibung des BMVI, das den Fokus ebenfalls auf Mobilitätsanwendungen legt.

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„Die Brennstoffzelle ist eine wichtige strategische Option, um Klimaschutz im Verkehr zu realisieren. Dies gilt insbesondere für Marktsegmente, in denen es auf hohe Reichweiten und niedrige Betankungszeiten ankommt“, ist man beim Weinheimer Konzern überzeugt. Deshalb konzentriert man sich derzeit auf den Markt für Busse, Lkws, Bahn und Schifffahrt. Für die Mobilität der Zukunft will das Unternehmen Herstellern komplette Energiesysteme aus einer Hand anbieten – vom kompletten Batterie- bis hin zu mobilen Brennstoffzellensystemen, einschließlich aller Komponenten, Module und Subsysteme, die für deren Betrieb notwendig sind. Das Angebot will man zudem um integrierte Hybridantriebssysteme erweitern, die die Vorzüge von Batterie und Brennstoffzelle miteinander verbinden.

Interesse an Komplettlösungen

Zahlreiche Pilotprojekte sind für Freudenberg ein Beleg für das große Interesse der Industrie an diesen Komplettlösungen. So arbeitet man beispielsweise mit dem größten europäischen Reisebusunternehmen FlixBus zusammen. In der Schifffahrt engagiert sich der Konzern mit der größten Werft für den Bau von Kreuzfahrtschiffen – der Meyer Werft – für die Entwicklung einer neuen Generation von Brennstoffzellen zum Einsatz auf Hochsee-Passagierschiffen.

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Die Stadt Weinheim ist einer von 140 offiziellen Unterstützern der Bewerbung, zu denen beispielsweise auch die BASF, Bosch, Daimler und John Deere gehören. Wie die städtische Pressestelle auf Nachfrage erklärte, könne Weinheim mit seiner verkehrsgünstigen Lage, den weichen Standortfaktoren und der Nähe zu den Wissenschaftsstandorten Mannheim und Heidelberg punkten.

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Außerdem betonte Oberbürgermeister Manuel Just, „dass wir die nationalen und globalen Klimaschutzziele nur mit einem proaktiven Zutun der Kommunen und den Akteuren der Wirtschaft vor Ort erreichen“.

Freudenberg sei zudem ein Unternehmen, das in seiner Firmengeschichte bewiesen habe, „sich immer wieder neu erfinden und einen Beitrag zur Innovation leisten zu können“. Zugleich biete das Unternehmen die räumlichen Voraussetzungen für ein solches Zentrum. Eine Erweiterung des Industrieparks wäre dazu aus heutiger Sicht nicht erforderlich, so die Stadtverwaltung.

Wie hoch die staatliche Förderung wäre, wenn Weinheim tatsächlich „nationales Technologie- und Innovationszentrum Wasserstofftechnologie“ werden sollte, steht indes noch nicht fest. Nach Angaben von Bernd Kappenstein von der Metropolregion Rhein-Neckar sei aber davon auszugehen, dass für das Zentrum „ein mehrstelliger Millionenbetrag für die Anschubfinanzierung“ gewährt werde. pro/ü