Kreistagswahl - Stellungnahmen der acht Parteien und Gruppierungen, die am 14. März zur Wahl antreten Wahlprüfstein: Gesundheitsversorgung für die Menschen im Vorderen Odenwald

Von 
red
Lesedauer: 
Das Luisenkrankenhaus in Lindenfels (Bild) wurde vor knapp fünf Jahren geschlossen. © Dietmar Funck

Bergstraße. Die Gesundheitsversorgung im Vorderen Odenwald bleibt auch fast fünf Jahre nach der Schließung des Luisenkrankenhauses eine Herausforderung. Zwischen Heppenheim und Erbach gibt es keinen Klinikstandort mehr. Der bisherige Weg, stationäre Angebote an großen Standorten zu bündeln, wird in der Corona-Krise zunehmend infrage gestellt, Rufe nach einem neuen Krankenhausstandort werden laut.

AdUnit urban-intext1

„Wie soll künftig die stationäre Gesundheitsversorgung der Menschen im Vorderen Odenwald organisiert werden?“, hat diese Zeitung deshalb die acht Parteien und Gruppen gefragt, die am 14. März zur Wahl des Bergsträßer Kreistags antreten. Im Folgenden die Stellungnahmen: CDU: Mit unseren Investitionen von 50 Millionen in das Kreiskrankenhaus Heppenheim stellen wir die stationäre medizinische Versorgung für den Kreis Bergstraße sicher und bauen die Qualität der stationären Versorgung in Kooperation mit dem Uniklinikum Heidelberg weiter aus. Wir werden zudem das medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Lindenfels, welches zum Kreiskrankenhaus gehört und der Kreis maßgeblich mitgetragen hat, weiter stärken. Die intersektorale Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten, werden wir weiter verzahnen. Dazu gehört auch eine Stärkung der Digitalisierung im medizinischen Bereich. Es ist wichtig, eine hochwertige stationäre medizinische Versorgung im Kreis Bergstraße zu haben und dies ist mit dem Kreiskrankenhaus der Fall. Darüber hinaus werden wir auf Basis der Versorgungsanalyse und mit der lokalen Gesundheitskonferenz weiter an der Sicherstellung einer guten medizinischen Versorgung in allen Bereichen arbeiten.

Newsletter-Anmeldung

Grüne: Mit den von uns unterstützten Investitionen in den Krankenhausstandort Heppenheim wird die stationäre Versorgung im Kreis Bergstraße sichergestellt. Die Pandemie macht aus grüner Sicht ein Neudenken bezüglich der stationären Versorgung in den Regionen nötig. Wichtig ist, dass auch im ländlichen Raum eine ausreichende und wohnortnahe medizinische – haus-und fachärztliche – Versorgung gewährleistet ist. Dabei ist es zentral, sich deutlich stärker an den Bedarfen und Erreichbarkeiten zu orientieren als an ambulanten oder stationären Strukturfragen. Daher ist es notwendig, das Programm Novo (Netzwerk ortsnahe Versorgung Odenwald) zu evaluieren und auszubauen, damit die niedergelassenen Praxen zu stärken und Praxisübernahmen und Neuansiedlung attraktiver zu gestalten, sowie qualifizierte arztentlastende Dienste in Verbindung mit niedergelassenen Praxen zu installieren. Die Stärkung von Medizinischen Versorgungszentren und Ärztehäusern sowie die Einführung flexibler Angebote („MediBus“) schaffen eine flächendeckende und wohnortnahe Versorgung.

SPD: Das Netzwerk ortsnahe Versorgung Odenwald (Novo) kann nur der erste Schritt sein. Wir müssen, um eine gute Gesundheitsversorgung sicherzustellen, mehr Ärzte ansiedeln. Dazu setzen wir uns für Projekte wie Landpartie 2.0 ein. Den Ansatz, Gesundheit nur zentral zu denken lehnen wir ab. In gesamten Kreis soll es gleichen Zugang zu Ärzten und Fachärzten geben können. Gegen die Schließung der Klinik in Lindenfels waren wir schon immer. Ergäbe sich eine Chance, sie wieder zu eröffnen oder Gesundheitsangebote dort anzusiedeln, würden wir sie nutzen. Die derzeitige Stelle PauLa (Psychosoziale Fachkraft auf dem Land) wollen wir erhalten und durch weitere aufsuchende Sozialarbeit insbesondere für Seniorinnen und Senioren ergänzen. Zusätzlich wollen wir auch die Kreisklinik in Heppenheim in öffentlicher Trägerschaft erhalten.

AdUnit urban-intext2

AfD: Wir begrüßen die Tatsache, dass die Versorgungsqualität, wie auch die Versorgungskapazität des Kreiskrankenhauses Bergstraße sukzessive ausgebaut wird, um sich gegenüber der regionalen Konkurrenz in diesem Bereich behaupten zu können. Sehr bedauerlich finden wir, dass das Luisenkrankenhaus in Lindenfels keine Möglichkeit mehr bietet, den Bürger stationär zu versorgen. Es wäre enorm wichtig, mit dieser Klinik wieder etwa 100 Betten anzubieten, um den Bürger auch im Odenwald wieder stationär versorgen zu können. Hier sollte der Grundsatz der Rentabilität, zugunsten der gesundheitlichen Versorgung der Bürger überdacht werden.

FDP: Die Gesundheitsversorgung im Vorderen Odenwald ist zurzeit noch gewährleistet, aber sie ist gefährdet. Vor allem der mit dem Praxisbetrieb verbundene Verwaltungsaufwand und die Entfernung zu Mittel- und Oberzentren hindern junge Ärzte daran, sich im Odenwald niederzulassen. Der Verwaltungsaufwand lässt sich in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) bewältigen, die eine professionelle Administration und Abrechnung für alle dort tätigen Mediziner bieten und Urlaubs- und Krankheitsvertretungen leichter organisieren können. Gegen die gefühlte Entfernung von den Zentren helfen bessere Infrastruktur und ein verbessertes ÖPNV-Angebot. Kreis und Kommunen haben viele Möglichkeiten, die Bildung von MVZ zu unterstützen. Der Kreis hat dies für das MVZ getan, das vom Kreiskrankenhaus Bergstraße in Lindenfels betrieben wird, bisher jedoch nicht für privat – etwa genossenschaftlich – organisierte MVZ. Die in Lindenfels geborene Idee „MVZ plus“ mit Praxen und einer geringen Zahl an Betten für Notfälle ist ein faszinierendes Modell, das es verdient, realisiert zu werden. Ein MVZ plus hätte zugleich eine Portalfunktion für die umliegenden Krankenhäuser und böte mehr an als die klassisch-ambulanten Leistungen.

AdUnit urban-intext3

Die Linke: Die Linke bedauert, dass das Lindenfelser Krankenhaus nicht durch einen öffentlichen Kredit in Höhe von drei Millionen Euro gerettet worden ist. In dem Zusammenhang hätte die Beteiligung des Kreises am Kreiskrankenhaus in Höhe von 50 Millionen Euro niedriger ausfallen können. Gerade in der Pandemie ist der Sparkurs der Regierung in die Krankenhäuser schmerzlich aufgeschlagen. Sowohl die Anzahl der Bettenkapazitäten als auch die Intensivbetten sind in den letzten Jahren alarmierend zurückgegangen. Dazu müssen Patienten immer weitere Wege in Kauf nehmen. Kleinere Krankenhäuser könnten in einer Art Satellitenfunktion mit Zugehörigkeit zu einer größeren Klinik näher bei Patienten und Angehörige liegen und besonders die Notfall- und Grundversorgung übernehmen. Der schmerzliche Sparkurs der Regierung trifft auch die Beschäftigten in den Krankenhäusern besonders hart. In der Pandemie zeigt es sich besonders deutlich, dass es zu wenige Beschäftigte mit zu geringer Entlohnung und viel zu hoher Arbeitsauslastung gibt. Dieser Umstand schadet dem Patientenwohl in eklatanter Weise. Hier werden wir den Finger in die Wunde legen.

AdUnit urban-intext4

Freie Wähler (Verein): Die stationäre Gesundheitsversorgung der Menschen im Vorderen Odenwald ist und bleibt eine vordringliche Aufgabe. Bei den Verhandlungen über die Zukunft des Kreiskrankenhauses, war es ein Anliegen der Freien Wähler, dass dabei auch andere Krankenhäuser der Region dabei berücksichtigt werden und sich aus der Stärkung des Kreiskrankenhauses keine Nachteile für andere Krankenhäuser ergeben. Als zentralen Baustein einer künftigen Gesundheitsversorgung der Menschen im Vorderen Odenwald sehen wir die wohnortnahe hausärztliche und grundversorgende fachärztliche Versorgung. Flankiert von spezialisierten Ärzten und regionalen stationären „Auslegern“ (Medizinischen Versorgungszentren) in Zusammenarbeit mit dem Kreiskrankenhaus Heppenheim an zentralen Orten im Vorderen Odenwald. Mit Spannung werden auch die weiteren Ergebnisse der gemeinsamen, sektorenübergreifende Lenkungsgruppe erwartet, die die beiden Landräte Christian Engelhardt und Frank Matiaske vereinbart haben.

Freie Wähler (Partei): Im Notfall soll jeder Patient die Möglichkeit haben, schnell und ortsnah eine ärztliche Versorgung zu erhalten. Es müssen Anreize für Nachwuchs in den Gesundheitsberufen geschaffen werden, die den Medizinern eine Ansiedlung auf dem Lande attraktiv machen, wie die Zurverfügungstellung von Praxisräumen, Schaffung von Ärztehäusern mit guter Logistik und Verkehrsanbindung. Eine weitere Möglichkeit ist die Ausstattung von Krankenschwestern mit erweiterten Kompetenzen, um mobil Patienten betreuen zu können. Die Chancen der Digitalisierung müssen genutzt werden. Modernste Technik spart Patienten lange Wege und Wartezeit, beschleunigt Diagnosen und Behandlungen. Wir bedauern, dass das Luisenkrankenhaus in Lindenfels nicht mehr betrieben wird. Gerade jetzt könnten wir es mehr denn je gebrauchen und in die ländliche ärztliche Versorgung einbinden. Hier sollte geprüft werden, inwieweit das Luisenkrankenhaus reaktiviert oder wieder von dem Investor zurück erworben werden kann. Die Trägerschaft des Krankenhauses kann privat, gemeinnützig oder kommunal sein. red