Raus in den Garten - Der gelernte Landschaftsgärtner Andreas Diehl gibt Tipps rund um Auswahl und Pflege und erklärt, wie Pilze und Wildkräuter keine Chance haben Wässern, düngen, schneiden: Goldene Regeln für den Rasen

Von 
Sina Roth
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Saftig grün und dicht soll der Rasen sein – dann fühlt man sich im eigenen Garten gleich doppelt wohl. © Roth

Bergstraße. Bei den sommerlichen Temperaturen der vergangenen Wochen lockt die Sonne einen förmlich nach draußen. Und was schmückt den heimischen Garten mehr als ein saftig grüner und dichter Rasen? Andreas Diehl, gelernter Landschaftsgärtner und Geschäftsführer des Unternehmens „Baum und Landschaft“ in Lorsch, weiß, worauf es beim Thema Rasen ankommt. Im Gespräch mit dieser Zeitung verrät er, was man beachten muss, um ein gelungenes Ergebnis zu erzielen.

Zur Person



Andreas Diehl hat mit 16 Jahren eine Lehre als Landschaftsgärtner begonnen. Da schon sein Vater immer viel und gerne im Garten gearbeitet hat, war auch bei ihm früh das Interesse am Beruf geweckt.

Auch in seiner Zeit als Zivildienstleistender hat Diehl nebenbei in einer Gärtnerei gearbeitet.

Seit 2006 ist er Gartenbautechniker, 2007 folgte die Weiterbildung zum Fachagrarwirt für Baumpflege in Heidelberg.

Im gleichen Jahr wurde Andreas Diehl Geschäftsführer des in Lorsch ansässigen Unternehmens „Baum und Landschaft“.

Zu seinen Spezialgebieten gehören Natursteinmauern, Bewässerungsanlagen, Staudenbeete und Spezialfällungen. ssr/Bild: Andreas Haidvogl Fotografie

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Herr Diehl, sollte man auf Rollrasen setzen oder lieber selbst säen?

In der Serie "Raus in den Garten" dreht sich alles um das Grün ...

In der Serie "Raus in den Garten" dreht sich alles um das Grün vor der eigenen Haustür. Es gibt vielfältige Anregungen, Erfahrungsberichte und praktische Tipps von Experten aus der Region.

Andreas Diehl: Bei der Entscheidung kommt es ganz drauf an, welche speziellen Eigenschaften man sich wünscht. Entscheidet man sich dafür, selbst zu säen, dann kann man durch spezielle Saatgutmischung das Ergebnis beeinflussen und die Zusammensetzung an die Begebenheiten vor Ort ideal anpassen. Wer gerne möglichst schnell ein schönes Ergebnis haben möchte und wenn die Rasenfläche für den alltäglichen Gebrauch gedacht ist, dann ist Rollrasen eine geeignete Variante.

Wie sollte man den Boden richtig vorbereiten, damit der Rasen im Nachhinein besonders ebenmäßig wird?

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Diehl: Zunächst sollte man darauf achten, dass der Boden der Belastung standhalten kann. Er sollte feinkrümelig und gegebenenfalls durchgefräst sein. Außerdem sollte er keine größeren Unebenheiten haben. Eventuell ist eine Bodenvorbereitung ratsam, dazu sollte man sich im Idealfall beraten lassen. Gerade bei sandigen und schweren Böden ist das sinnvoll.

Bei der Frage nach dem „richtigen“ Rasen scheiden sich die Geister. Was muss man beachten, damit man den passenden Rasen erwischt?

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Diehl: Dabei sollte man sich an den Regelsaatgutmischungen orientieren, da darin spezielle Gräser enthalten sind. Samenmischungen aus dem Baumarkt sind eher schwierig. Sie machen die Flächen schnell grün, enthalten aber zum Beispiel oft die einjährige Wiesenrispe. Außerdem sollte man bei der Auswahl darauf achten, dass der Rasen zu den Begebenheiten vor Ort passt. Es gibt unzählige Möglichkeiten: Schattenrasen beispielsweise oder auch Mischungen, die für Landschaftsrasen mit Kräutern geeignet sind.

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Wann sollte man idealerweise säen beziehungsweise den Rollrasen verlegen?

Diehl: Bei Rollrasen hat man einen relativ großen Spielraum: Verlegt werden kann er bei über fünf Grad Außentemperatur. Bei der Aussaat sollte man sich allerdings besser nach den Eisheiligen richten, denn danach gibt es in der Regel keinen Nachtfrost mehr, durch den die Gräser erfrieren könnten. Da sollte man lieber auf Nummer sicher gehen, um letztendlich auch schneller ein schönes Ergebnis erzielen zu können – denn bei wärmeren Temperaturen geht die Saat auch schneller auf. Das erste Mal mähen und nachsäen sollte man nach etwa zwei Wochen und gegebenenfalls Wildkräuter entfernen, die schneller wachsen als die Gräser. In der Regel kann man nach vier bis sechs Wochen mit einem sichtbaren Ergebnis rechnen.

Wie sieht die perfekte Pflege aus?

Diehl: Dazu gibt es drei goldene Regeln: Wässern, düngen und schneiden. Es ist wichtig, dass man alle drei regelmäßig macht, um einen guten Stand und eine dichte Grasnarbe zu erreichen. Außerdem kann man den Rasen durch Aerifizieren lüften. Vertikutieren sollte man, wenn der Rasen verfilzt ist. Düngen empfehlen wir übrigens drei- bis viermal pro Jahr. Gerade Herbstdünger ist gut, da der Rasen so gestärkter in die Winterruhe gehen kann und widerstandsfähiger wird. Wässern sollte man in der Regel nicht in der Mittagssonne, die Ausnahme ist frisch verlegter Rollrasen. Generell gilt: Lieber einmal weniger und dafür gründlich wässern. Denn die Rasenwurzeln reichen bis zu 80 Zentimeter tief in den Boden. Daher können sich die Wurzeln relativ tief Wasser ziehen. Wenn man es ihnen allerdings zu einfach macht und oft wässert, dann werden die Wurzeln faul und holen sich ihr Wasser lieber von weiter oben. Generell sollte man eher am frühen Morgen oder in den Abendstunden wässern. Wenn man sich daran hält, dann übersteht der Rasen auch längere Trockenperioden.

Was empfehlen Sie gegen Pilze und Wildkräuter?

Diehl: Wenn Pilze entstehen, dann ist der Boden in der Regel zu feucht. Da kann man mit weniger Wasser gegensteuern oder auch Beschattung wegnehmen. Zu Wildkräutern kann man sagen, dass sie nur entstehen, wenn die Erde brach liegt. Man sollte sie mechanisch entfernen, Rasen an den betroffenen Stellen nachsäen, düngen und vertikutieren. Lichte Stellen sollte man daher auch regelmäßig mähen, damit beispielsweise Wildkräuter keine Chance haben.