Geschäftsbericht - Negativzinsumfeld belastet / Dividende sinkt von 3 auf 2 Prozent / Höhere Kontoführungsgebühr ab April Volksbank Darmstadt-Südhessen wächst und macht weniger Gewinn

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Michael Roth
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Bergstraße. Die Volksbank Darmstadt-Südhessen hat im vergangenen Jahr dank des Wachstums im Kreditgeschäft und auch bei den Einlagen der Kunden erstmals die Bilanzsumme von 5 Milliarden Euro überschritten. Unter dem Strich blieb aber trotz stabiler Verwaltungsaufwendungen ein geringerer Gewinn.

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„Sie müssen als Bank im anhaltenden Negativzinsumfeld ein immer größeres Rad drehen, damit am Ende ein ordentlicher Gewinn herauskommt“, sagte Vorstand Michael Mahr dieser Zeitung. Die Zinsmarge, also die Differenz der Zinsen, die die Bank von ihren Kunden für Kredite verlangt, und den Zinsen, die die Bank selbst für die Refinanzierung bezahlen muss, werde immer enger, rechnete er vor. Aufgrund des geringeren Gewinns werde der Vorstand der Vertreterversammlung eine Senkung der Dividende von 3 auf 2 Prozent vorschlagen.

Ab April werden die Kontoführungsgebühren bei Privatkunden um jeweils einen Euro pro Monat erhöht, heißt es in einer Mitteilung der Bank. Weiterhin Strafzinsen zahlen Neukunden ab einer Anlagensumme von 100 000 Euro. Bei privaten Bestandskunden bleibe es bei der bisherigen Linie, dass Strafzinsen individuell vereinbart werden. Auch hier liege der Freibetrag bei 100 000 Euro. Davon sei rund ein Prozent der Kunden betroffen.

Auf der Kreditseite sei bei den Immobilienfinanzierungen der Boom ungebrochen. Der Erwerb von selbst genutztem Wohnraum als auch der Immobilienerwerb zur Kapitalanlage sei nicht nur angesichts der niedrigen Zinsen attraktiv, sondern sei auch für viele eine geeignete Alternative zur traditionellen Geldanlage. Die Corona-Pandemie hingegen spiele im Kreditgeschäft keine besondere Rolle. „Die regionale Wirtschaft ist noch ganz gut durch die Krise gekommen“, sagte Vorstand Matthias Martiné. Die Gefahr von Kreditausfällen sei überschaubar.

Kunden sparen wie nie zuvor

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Bei den Einlagen sparten die Kunden wie nie zuvor. Und rund ein Drittel der Gelder sei in Aktien, Fonds und Zertifikaten angelegt. In zinslosen Zeiten, sei das das „Gebot der Stunde“, so Matineé, denn es gebe keine lohnenden sicheren Zinsanlagen mehr. Eine diversifizierte Investition an den Kapitalmärkten biete hingegen gute Aussichten auf ansprechende Erträge.

Als Wermutstropfen bleibt nach Angaben von Vorstand Mahr festzuhalten, dass sich die guten Ergebnisse im Kundengeschäft in der Ertragsentwicklung nicht gleichermaßen abbilden. Das Zinsergebnis sei aufgrund der geringeren Marge weiter gesunken. Und im Provisionsergebnis machten sich pandemiebedingte Faktoren wie die weniger genutzten Geldautomaten in Innenstädten und Einkaufszentren sowie die gesunkenen Kartenumsätze im Zusammenhang mit einer reduzierten Reisetätigkeit bemerkbar.

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Unter dem Strich sank das Betriebsergebnis vor Bewertung (eine Kennzahl für das operative Geschäft) um 10 Prozent auf rund 35 Millionen Euro. Nach Bewertung, also nach Wertberichtigungen im Kredit- und Anlagegeschäft war der Rückgang mit 7,5 Prozent auf 37,3 Millionen Euro geringer, was mit dem kleinteiligen Kreditportfolio erklärt wird.

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