Viele BESUCHER – und viel MÜLL

Lesedauer: 
An der Kalmit kann es am Wochenende eng werden. Die Gemeinde Maikammer sperrt deshalb bisweilen den Parkplatz, um ein Verkehrschaos zu vermeiden. © Klaus Venus

Wandern geht immer – sogar (oder sogar erst recht) mitten in der Corona-Pandemie. Zu diesem Schluss sind im zweiten Lockdown offenbar noch mehr Menschen gekommen als im ersten. Obwohl die Pfälzerwaldhütten geschlossen sind und Touren in der Gruppe tabu, zieht es derzeit massenhaft Ausflügler in die Wälder der Metropolregion – auch solche, die Wandern normalerweise für ein Seniorenvergnügen halten. Das bleibt nicht ohne Folgen.

AdUnit urban-intext1

„Im Odenwald ist es sehr viel voller als normalerweise“, berichtet Alexander Mohr, Geschäftsführer des Odenwaldklubs. Vor allem eng werde es rund um die beliebtesten Ausflugsziele wie die Burgen an der Bergstraße, den Weißen Stein bei Heidelberg oder den Teltschikturm bei Wilhelmsfeld. „Wenn man etwas weiter in den Odenwald hineinfährt, ist es schon merklich leerer. Wir haben vergangenen Sonntag gegen halb elf in Beerfelden noch locker einen Parkplatz bekommen und sind nicht allzu vielen Menschen begegnet“, berichtet Mohr.

Verkehrschaos am Wochenende

.„Der Pfälzerwald ist seit einem Jahr extrem stark besucht und leider auch zugemüllt“, berichtet der Vorsitzende des Pfälzerwaldvereins, Bernd Wallner. Touristische Hotspots wie die Kalmit bei Maikammer werden an Wochenenden gestürmt. Dort verursachen Tagestouristen regelmäßig ein Verkehrschaos und hinterlassen tonnenweise Dreck: Plastiktüten, Verpackungen von Süßigkeiten, Babywindeln und gefüllte Hundekotbeutel liegen auf dem Parkplatz herum. Möglicherweise wüssten die Wanderneulinge nicht, dass im Pfälzerwald nicht an jeder Ecke ein Mülleimer steht. Stattdessen seien gut sichtbare Schilder angebracht, auf denen steht: „Nehmt Euren Müll wieder mit nach Hause!“

Um zumindest das Verkehrschaos zu verhindern, sperrt das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Maikammer – je nach Wetterlage – an Wochenenden die Zufahrt zum Parkplatz. Zudem bittet die Gemeinde auf ihrer Internetseite explizit von Fahrten auf die Kalmit abzusehen. „Verkehrswidrig parkende Fahrzeuge werden ausnahmslos durch das Ordnungsamt geahndet und abgeschleppt“, warnt die Kommune.

AdUnit urban-intext2

Wer trotzdem gerne am Wochenende einen Ausflug in den Wald machen möchte, sollte die touristischen Lieblingsziele am besten links liegenlassen, raten die Experten. „Einfach mal ganz andere Wege erkunden, wo man noch nie war. Vielleicht nach Absteinach, ins Finkenbachtal oder nach Gammelsbach“, verrät Mohr Geheimtipps für den Odenwald. „Und antizyklisch denken: Als wir Schnee hatten, ist alles auf die Gipfel geströmt, da hätte man in den Neckartälern unbehelligt herumspazieren können. Jetzt, in den Hochwasser-Tagen, sind die höher gelegenen Wege wahrscheinlich die bessere Wahl.“

Reizvoll seien auch die Rundwege, die der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald betreut. „Die Touren starten auch an einsameren Parkplätzen und bieten mit einer Länge zwischen 3 und 15 Kilometern für jeden etwas.“

AdUnit urban-intext3

Bernd Wallner rät bei Sturm und Regen ganz von Pfälzerwald-Ausflügen ab. „Gerade bei heftigem Wind kann das schnell gefährlich werden. Und Radfahrer sollten keinesfalls auf Wanderpfaden fahren, denn auf dem aufgeweichten Boden richten sie damit massive Schäden an.“

AdUnit urban-intext4

Um Konflikte zu vermeiden raten sowohl Mohr als auch Wallner, Rücksicht auf andere zu nehmen. „Im Moment dürfen ja keine großen Gruppen unterwegs sein, aber trotzdem sollte man sich auf den engen Wegen Platz machen, damit alle einen Corona-bedingten Sicherheitsabstand einhalten können. Damit fühlt man sich einfach wohler – auch im Freien“, findet Mohr.

Dass der Ansturm auf Pfälzerwald und Odenwald abnimmt, halten die Kenner für unwahrscheinlich: „Das wird die nächsten Monate so bleiben. Viele Menschen werden auch dieses Jahr wohl eher daheim Urlaub machen“, vermutet Wallner.