Pandemie - CDU-Chef bekommt wenig Rückhalt für seine Idee / Inzidenz im Kreis bei 85

Viel Kritik an Laschets „Brücken-Lockdown“

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dpa/red
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Ein Wissenschaftler zeigt einen Corona Schnelltest. Das Land Baden-Württemberg will mit Blick auf die ansteigenden Infektionszahlen die Labor-Kapazitäten ausweiten. © dpa

Berlin/Bergstraße. Der CDU-Vorsitzende und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet stößt mit seiner Forderung nach einem schnellen „Brücken-Lockdown“ auf starke Skepsis und Ablehnung. Zahlreiche Länderregierungschefs vor allem der SPD kritisierten am Dienstag, dass unklar ist, wie ein solcher Lockdown konkret aussehen soll. Daher gab es auch kaum Unterstützung für Laschets Vorstoß, die für den kommenden Montag geplante Ministerpräsidentenkonferenz auf diese Woche vorzuziehen. Während Laschet die Debatte über schärfere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie befeuerte, begann das Saarland gestern mit einer Lockerung der Beschränkungen – trotz steigender Infektionszahlen.

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Laschet hatte am Ostermontag vorgeschlagen, im Kampf gegen die dritte Corona-Welle einen „Brücken-Lockdown“ zu beschließen. Damit solle die Zeit überbrückt werden, bis viele Menschen geimpft seien. Er sei sich bei seiner Einschätzung der Lage mit vielen Länderchefs, Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) einig. Offen für einen früheren Termin für die Ministerpräsidentenkonferenz zeigte sich Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, „weil in den meisten Ländern am nächsten Montag die Schule wieder beginnt“.

Am Dienstag erläuterte Laschet im ZDF, es sei absehbar, „dass schon in ganz kurzer Zeit 20 Prozent, danach 30, 40 Prozent der deutschen Bevölkerung geimpft ist“. Nun solle mit einer nochmaligen „Kraftanstrengung“ die Sieben-Tage-Inzidenz auf unter 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner gedrückt werden. „Da geht es um zwei, drei Wochen.“ Dann könne man mit einer guten Teststrategie und mit neuen digitalen Möglichkeiten wie der Luca-App „hineingehen in die neue Zeit, wo man behutsam wieder öffnen kann“. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil meldete „erhebliche Zweifel“ an. Der Vorschlag lasse viele Fragen offen, sagte der SPD-Politiker. „Will Ministerpräsident Laschet die Kitas komplett samt Notbetreuung schließen? Will er die Wirtschaft ganz herunterfahren? Wie lange und mit welchem konkreten Ziel sollen die Maßnahmen andauern?“

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Ähnlich fiel die Reaktion von Berlins Regierungschef Michael Müller aus, der momentan Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz ist: „Herr Laschet kündigt jetzt noch mal härtere Maßnahmen an, aber welche es sein sollen, und wann dann viele geimpft sind, so dass man wieder einen anderen Weg einschlagen kann, das bleibt alles im Vagen. Und ich glaube, auf der Grundlage kann man nicht zu einer Ministerpräsidentenkonferenz zusammenkommen“, sagte der SPD-Politiker im ARD-„Mittagsmagazin“.

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Allein zehn neue Fälle in Bensheim

Für den Kreis Bergstraße wurden gestern 20 weitere Corona-Infizierte gemeldet, zehn davon alleine in Bensheim. Unter anderem gab es drei Fälle in Lorsch und einen Fall in Zwingenberg. Zu den betroffenen Einrichtungen gehören die Karl-Kübel-Schule in Bensheim und eine Kindertagesstätte in Heppenheim. Außerdem vermeldete das Landratsamt einen weiteren Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus, es handelt sich um eine 68-jährige Person aus Viernheim.

Die Sieben-Tage-Inzidenz (der Wert der Neuinfektionen innerhalb der vergangenen letzten sieben Tage, bezogen auf 100 000 Einwohner) wurde mit 96,27 angegeben. Sie wird heute auf 85 fallen, da weniger Infizierte gemeldet wurden als am Dienstag der Vorwoche (51).

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Hinsichtlich der Fallzahlen ist zu beachten, dass zwar die Testzentren und die Labore auch über die Osterfeiertage gearbeitet haben, dennoch sind die Zahlen zu Anfang der Woche – noch dazu nach den Feiertagen – meist niedriger, auch weil sich weniger Personen testen lassen.

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Andrang auf neue Impftermine

Im Kreis wurden gestern 22 neue Fälle der britischen Mutation bekannt, deren Zahl damit auf 1002 stieg. Im Bergsträßer Impfzentrum in Bensheim erfolgten bisher (Stand Montag) 29 638 Erst- und 13 016 Zweitimpfungen. Aus verschiedenen Gründen konnten am Dienstag kurzfristig rund 200 Impf-Termine für Bürger, die zur ersten oder zweiten Priorisierungsgruppe gehören, zur Verfügung gestellt werden. Diese Termine konnten direkt online gebucht werden. Das Interesse war riesig: In weniger als 40 Minuten waren alle Termine verbucht.

Laut Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sind im Kreis Bergstraße derzeit von 41 verfügbaren Intensivbetten in den Kliniken 36 Betten belegt – davon acht mit an Covid-19 infizierten Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen; drei von ihnen müssen invasiv beatmet werden.

543 weitere Coronavirus-Infektionen sind nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) gestern in Hessen registriert worden. Die landesweite Inzidenz lag bei 133. In den Regionen wies die Stadt Offenbach mit 259,4 den höchsten Wert auf. Die niedrigste Inzidenz hatte der Main-Taunus-Kreis (53,7), in Darmstadt beträgt sie 78,2.