Pandemie - Obwohl Inzidenzwerte für den Kreis Bergstraße nachträglich korrigiert wurden, bleiben Kitas und Schulen geschlossen

Verwirrung um Corona-Zahlen

Von 
Jörg Keller und Kai Segelken
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© grafiKS Kai Segelken

Berlin/Wiesbaden/Bergstraße. Die „Corona-Notbremse“ wirft immer neue Fragen auf – aktueller Fall: Das Robert-Koch-Institut (RKI), dessen Daten allein entscheidend sind für die Frage, welche Stufe der Einschränkungen in einer Stadt oder einem Landkreis gilt, hat zurückliegende Werte für den Kreis Bergstraße korrigiert. Der Effekt: Die Inzidenz liegt, beziehungsweise lag durch diese Korrektur in keiner Konstellation mehr an drei aufeinanderfolgenden Tagen über der Stufe von 165 – der Stufe also, ab der Kitas und Schulen geschlossen werden müssen.

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Doch was bedeutet das in der Praxis? Thomas Spernat aus Lorsch, der für den Elternbeirat der Villa Kunterbunt bei der Kreisverwaltung nachgefragt hatte, erhielt aus dem Landratsamt zur Antwort, dass eine Öffnung der Einrichtungen nur möglich sei, wenn das hessische Sozialministerium auf seiner Homepage den Kreis Bergstraße von der Liste der 165er Kreise nimmt.

Eine Nachfrage dieser Zeitung beim Sozialministerium und beim Kreis Bergstraße ergab: Nachträgliche Korrekturen im Datenbestand des RKI haben nach gültiger Rechtslage keine Auswirkung. Allein die tagesaktuellen Zahlen des RKI bestimmten „die Rechtsfolgen für die Gebietskörperschaften“ – was bedeutet, dass die 165er Stufe als erreicht gilt und die Beschränkungen wirksam geworden sind. Somit können Schulen und Kitas im Kreis erst wieder geöffnet werden, wenn – den tagesaktuellen Zahlen des RKI zufolge – die Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 165 gelegen hat.

Gestern meldete das Landratsamt eine vom Gesundheitsamt ermittelte Inzidenz von 132,78. Der maßgebliche Wert des RKI weicht davon leicht ab und lag bei 134,6. Innerhalb von sieben Tagen wurden im Kreis Bergstraße 360 Neuinfektionen registriert. Am gestrigen Montag waren es 17 neue Fälle, davon unter anderem zwei in Bensheim, zwei in Lautertal und einer in Zwingenberg. Die Gesamtzahl der registrierten Corona-Infektionen im Kreisgebiet ist damit auf 10 232 gestiegen. 8954 Menschen gelten als von der Krankheit genesen. Eine 63-jährige Person aus Viernheim ist nach Angaben aus dem Landratsamt im Zusammenhang mit dem Corona-Virus gestorben. Die entsprechende Zahl der Todesfälle im Kreisgebiet stieg damit auf 308.

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Laut Deutscher Interdisziplinärer Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin sind im Kreis Bergstraße von 42 verfügbaren Intensivbetten in den Kliniken 37 Betten belegt – davon acht mit an Covid-19 infizierten Patienten, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen; einer von ihnen muss invasiv beatmet werden.

Im Impfzentrum des Kreises wurden laut Landratsamt bis Sonntag 55 452 Erstimpfungen und 20 011 Zweitimpfungen verabreicht.

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In Hessen sind binnen eines Tages 626 weitere Corona-Fälle registriert worden. Weitere elf Menschen starben mit oder an dem Virus. Der Inzidenzwert sank landesweit auf 152,4, wie aus Daten des RKI vom Montag hervorgeht.

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Die bundesweite Rücknahme bestimmter Freiheitseinschränkungen für vollständig Geimpfte soll noch in dieser Woche beschlossen werden. Union und SPD haben sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Montag darauf verständigt, dass die Änderungen am Donnerstag im Bundestag und am Freitag im Bundesrat beschlossen werden. Unions-Fraktionsvize Thorsten Frei sagte dem „Handelsblatt“: „Am Samstag könnten dann bereits erste Ausnahmen für Geimpfte und Genesene gelten.“ Hoffnung auf schnelle Erleichterungen in der Gastronomie oder im Tourismus machten Vertreter der Bundesregierung allerdings nicht. Wie aus einem Schreiben des Bundeskanzleramtes, das der dpa vorliegt, hervorgeht, haben die Mitglieder der Bundesregierung einer neuen Verordnung zur Rückgabe von Rechten an Geimpfte und Genesene bereits im Umlaufverfahren zugestimmt. red/dpa

Redaktion Redakteur, Ressorts Lorsch, Einhausen und Region

Redaktion Kai Segelken ist Redakteur beim Bergsträßer Anzeiger im Ressort Region.