Freudenberg - Stellenabbau bei Performance Materials Apparel Verlagerung der Produktion: „Alle Mitarbeiter sind geschockt“

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176 Arbeitsplätze sollen bei Freudenberg in Weinheim abgebaut werden. © Kopetzky

Weinheim. Die Firma Freudenberg will 2022 große Teile ihrer Produktion von Einlagevliesstoffen für die Bekleidungsindustrie von Weinheim nach Italien verlagern. Damit verbunden wäre ein erheblicher Stellenabbau im Industriepark. Nach Mitteilung des zuständigen Geschäftsbereichs Freudenberg Performance Materials Apparel würden in Weinheim 176 von 232 Mitarbeitern ihren Job verlieren – also drei Viertel der Belegschaft. Man habe bereits Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen, „um sozialverträgliche Lösungen zu finden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

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Der Betriebsrat und die Mitarbeiter wurden von den Plänen des Unternehmens unterrichtet. „Wir sind alle geschockt“, sagt Betriebsratsmitglied Murat Cin im Gespräch mit der Redaktion. Zwar habe das Unternehmen bereits vor einem Jahr eine Restrukturierung angekündigt, aber seither sei der Betriebsrat immer wieder vertröstet worden. Umso überraschender sei es jetzt, dass nun ein fertiges Konzept vorgelegt worden sei. Man werde nun beraten, wie man damit umgehen wird.

Klar ist, dass die Arbeitnehmervertretung einen solch massiven Stellenabbau nicht einfach hinnehmen wird. Nach dem vorgelegten Konzept würden nur noch 21 Mitarbeiter in der Produktion und 35 in Verwaltung und Vertrieb am Standort Weinheim weiterbeschäftigt. „Damit macht man auch das restliche Geschäft kaputt“, befürchtet Cin. Seiner Meinung nach werde die Corona-Krise als Alibi für „jahrelanges Missmanagement“ nur vorgeschoben.

Bislang werden in Weinheim Einlagen für den europäischen Massenmarkt hergestellt, in der Fabrik im süditalienischen Sant’Omero kümmert man sich um hochwertige Einlagen für den europäischen Luxusmarkt. Die neue Arbeitsteilung sieht vor, dass Weinheim nur noch für die Herstellung des Basismaterials zuständig wäre; die Veredelung und Beschichtung soll dagegen im italienischen Werk gebündelt werden, wozu auch Produktionsanlagen nach Sant’Omero verlagert werden.

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Zur Begründung erklärt das Unternehmen, dass der Massenmarkt im mittleren Preissegment in den vergangenen Jahren stark rückläufig sei. Wörtlich heißt es in der Mitteilung: „Die weltweite Pandemie hat diese Entwicklung extrem beschleunigt. Statt Anzug im Büro ist lockere Kleidung im Home-Office angesagt. Zudem leidet die Bekleidungsindustrie durch die Pandemie grundsätzlich unter einem starken Nachfrageeinbruch, von dem sie sich voraussichtlich erst in einigen Jahren erholen wird.“

Die Produktion in Weinheim sei seit mehreren Jahren nicht mehr ausgelastet. Im vergangenen Jahr habe man dann wegen der Pandemie einen Produktionsrückgang „im deutlich zweistelligen Bereich“ verzeichnet. /ü pro