Medizin - Personal des Viernheimer St.-Josef-Krankenhauses noch immer ohne Termin / Kreis: Noch nicht an der Reihe Ungeimpft am Corona-Patienten

Von 
Martin Schulte
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Krankenhaus St. Josef Viernheim: Die Fachkräfte pflegen Covid-Kranke – und haben keinerlei Kenntnis davon, wann sie geimpft werden. © Bernhard Kreutzer/sm

Bergstraße. Dr. Max Karner ist ein ausgesucht höflicher Mensch. Das erschließt sich aus dem Gespräch sowie der E-Mail-Korrespondenz. Karner ist Internist und Belegarzt im Viernheimer Krankenhaus St. Josef. Wenn er über die Situation der Belegschaft von Covid- und Intensiv-Station spricht, wird er deutlich: „Ich halte es für ein Unding, dass das Krankenhauspersonal, das nun seit einem Jahr seinen Kopf hinhält, bis heute noch kein Impfangebot erhalten hat.“ Der Kreis Bergstraße erklärt, St. Josef sei noch nicht an der Reihe.

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Aktuell kümmern sich Ärzte und Pflegepersonal um sechs Covid-Patienten im Viernheimer Krankenhaus, einer wird beatmet. Es sind gut 40 Mitarbeiter, die regelmäßig an den Betten dieser Menschen stehen, sie versorgen und sie behandeln. Es arbeiten knapp 15 Fachkräfte im Schichtdienst auf der Intensivpflegestation, etwa genau so viel auf der Covid-Station, wie Max Karner zusammenzählt. Dazu kommen sieben Assistenzärzte sowie er selbst und seine beiden internistischen Kollegen, ebenfalls Belegärzte.

Karner berichtet von einer jungen, „eigentlich überaus lebensfrohen“ Krankenschwester, die sich mittlerweile seit neun Wochen mit dem Virus herumquält. „Sie hat ein Long-Covid-Syndrom und leidet sehr. Kaum dass sie ein paar Schritte gemacht hat, ist sie vollkommen außer Atem.“

Der Internist beschreibt die Gefühlslage in seinem Kollegium als sehr problematisch. „Die Leute haben Angst, das Virus nach Hause zu bringen. Dort sind die Partner, die Kinder. Einige haben auch richtig alte Menschen zu Hause.“ Für die sei eine Infektion natürlich besonders fatal.

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Das St.-Josef-Krankenhaus zählt nicht (mehr) zu den Notfallversorgungseinrichtungen. Es ist ein reines Beleg-Krankenhaus. Und das medizinische sowie das Pflegepersonal gehören somit nicht zur Gruppe derer, die zuerst geimpft werden. Max Karner vermutet, „dass wir deshalb durchs Netz gerutscht sind“. Rückfragen bei Kreis und Impfzentrum ergäben indes immer dasselbe Bild: „Ich habe den Eindruck, das Problem wird hin und her geschoben.“

Im Übrigen hält er die Aberkennung der Notfallversorgung für grotesk: „Natürlich nehmen wir Notfälle auf und behandeln die Menschen. Das müssen wir auch. Wir können die Patienten doch nicht wegschicken.“

„Verfügbare Impfstoffmenge“

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Wir haben bei Landrat Christian Engelhardt um eine Stellungnahme nachgefragt. Er verwies an seine Pressestelle. Die schreibt per E-Mail: „Corona-Schutzimpfungen erfolgen nach der Corona-Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums. Auch in medizinischen Einrichtungen soll nach § 2 Ziff. 4 der Corona-Impfverordnung zunächst nur medizinisches Personal geimpft werden, das einem sehr hohen Expositionsrisiko in Bezug auf SARS-CoV-2 ausgesetzt ist. In der Impfverordnung werden diesbezüglich Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste, Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung und das Personal in den Impfzentren genannt.

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Der Kreis Bergstraße hofft, dass bald ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehen wird, so dass schnell weitere Gruppen geimpft werden können. Einstweilen bedingt die verfügbare Impfstoffmenge jedoch dieses eingegrenzte Vorgehen.

Die Personen, welche aufgrund ihres Berufs in die höchste Priorität eingruppiert werden, werden nun, je nach Impfstoffverfügbarkeit, zu einer Impfung eingeladen.“ /sm

Redaktion Reporter.