Coronavirus - Für ausgewählte Personen in weit vom Impfzentrum entfernten Städten und Gemeinden plant der Kreis ein neues Angebot Testweise gibt es Impfungen ab März nicht mehr nur in Bensheim

Von 
Sina Sophie Roth
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Nicht nur in der Lampertheimer Kita Guldenweg, sondern auch in Kitas in Rimbach und im Gorxheimertal sind Corona-Mutationen entdeckt worden. Zwei Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben sich dort umgesehen und geforscht. © Berno Nix/sm

Bergstraße. Wer einen Impftermin nach dem 22. März vereinbart hat, der kann womöglich doch schneller geimpft werden. Denn der Kreis hat zusätzlichen Impfstoff erhalten, wie Landrat Christian Engelhardt gestern in der Corona-Pressekonferenz des Kreises berichtet hat.

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Profitieren können erst einmal diejenigen, die bereits einen Termin für die Erstimpfung haben, der nach dem 22. März liegt. Es sind vor allem Menschen im Alter von über 80 Jahren. Das Land Hessen geht von 75 000 Betroffenen aus. Sie werden benachrichtigt und können von diesem Samstag, 20. Februar, an auf einen früheren Termin umbuchen – über die telefonische Hotline oder das Onlineportal. „Teilweise gehen die Termine deutlich über Ostern hinaus“, weiß der Landrat. „Wir sind sehr froh darüber, dass auch viele Bergsträßer nun die Möglichkeit haben, ihren Termin vorzuziehen.“

Dezentrales Impfen im Testmodus

7252 Personen seien inzwischen im Kreis geimpft. „Mit den Erstimpfungen in den Seniorenheimen sind wir durch“, berichtet der Landrat. Aufgrund einiger Nachzügler etwas verzögert sollen auch die Zweitimpfungen in etwa zwei Wochen geschafft sein. „Relativ flott“ gehe es auch mit dem Impfen von besonders gefährdetem medizinischen Personal, die inzwischen mit dem Astrazeneca-Impfstoff geimpft werden. Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit, die im Zusammenhang mit der Impfung auftreten können, seien übrigens Impfreaktionen, die auftreten, wenn die Impfung wirkt, jedoch keine Nebenwirkungen, berichtet Gesundheitsdezernentin Diana Stolz. „Auch wenn das für uns vermutlich keinen Unterschied macht“, ergänzt der Landrat.

In wenigen Fällen haben Betroffene eine Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff abgelehnt, so der Landrat. Derzeit gebe es keine Möglichkeit, sich den Impfstoff auszusuchen. Wenn dies jedoch möglich sei, sei denkbar, Biontech oder Moderna als Alternative anzubieten. Höher betagte Bergsträßer werden nicht mit Astrazeneca geimpft.

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„Ab März starten wir mit dem dezentralen Impfen“, so Engelhardt. Los gehe es mit einem Testlauf bis Mitte März in Kommunen, die 20 Kilometer und mehr von Bensheim entfernt sind: Abtsteinach, Biblis, Gorxheimertal, Grasellenbach, Groß-Rohrheim, Hirschhorn, Neckarsteinach und Wald-Michelbach. Informationen darüber können Mitarbeiter der jeweiligen Rathäuser geben. Danach wird in einer Bürgermeister-Schalte über das weitere Vorgehen diskutiert. „Die Termine sind den Menschen vorbehalten, die sich weder in ein Auto setzen noch Bus oder Bahn nutzen können, – für diejenigen, die in ihrer Mobilität besonders eingeschränkt sind und auch nicht die Hilfe von Familie oder Freunden in Anspruch nehmen können“, betonte Engelhardt. Wer nicht mehr mobil sei, könne zu Hause geimpft werden. „Wann wir mit den bettlägerigen Bergsträßern starten können, ist noch nicht ganz klar“, so Engelhardt. Die Betroffenen haben einen Antragsbogen des Landes ausgefüllt, die Daten liegen dem Kreis allerdings noch nicht vor.

RKI erforscht Mutationen im Kreis

„Am 22. Februar starten die Schulen und Kitas wieder“, so Engelhardt. Dafür habe der Kreis den Schulen CO2-Timer für die Klassenzimmer zur Verfügung gestellt, die anzeigen, wann der CO2-Gehalt zu niedrig ist. „Wir stellen den Schülern auch medizinische Masken als Grundausstattung zur Verfügung, die ab dann im Unterricht empfohlen werden.“ Zwar seien medizinische Masken im Unterricht lediglich empfohlen, im ÖPNV seien sie hingegen Pflicht, erinnert Engelhardt.

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Die Inzidenz im Kreis liege derzeit bei 55,69, so Stolz. Deutlich weniger Betroffene müssen stationär behandelt werden. Die Zahl der aktuell Infizierten liege im Alter der zwischen 16- und 40-Jährigen bei über 35 Prozent, nur noch acht Prozent der aktuell Infizierten seien über 80. Drei Pflegeeinrichtungen, fünf Kitas und acht Schulen seinen betroffen, mit deutlich geringeren Fallzahlen – zwischen eins und vier.

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Seit Sonntag sind zwei Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts (RKI) in den von Mutationen betroffenen Kitas im Kreis unterwegs, um die Umstände vor Ort zu erforschen und Handlungsvorschläge geben zu können. Erste Ergebnisse seien heute zu erwarten. Bislang liegen dem Kreis 87 Nachweise der B.1.1.7-Mutation (britische Virus-Mutation) vor sowie ein Nachweis für die südafrikanische Virus-Variante. Bei drei Viertel der Fälle handelt es sich um aktuelle Infektionen.

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