Soziales - Der Heppenheimer Norbert Metz ruft zur Unterstützung des Vereins „Einfach helfen“ auf / „Wer bittet, muss auch etwas leisten“ Spendensammler mit dem Rad auf virtueller Alpenüberquerung

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Eric Horn
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So sieht es aus, wenn Norbert Metz zum Spendensammeln aufs Rad steigt und virtuell von Riva über Kaltern nach Heppenheim und Bensheim fährt. © privat

Bergstraße. Morgen Vormittag macht sich Norbert Metz auf den Weg – für einen guten Zweck. Startzeit ist 9.30 Uhr. Rund 640 Kilometer inklusive 6890 Höhenmetern liegen vor dem Heppenheimer – von Riva del Garda, der Partnerstadt Bensheims, über Kaltern, der Partnerstadt Heppenheims, bis nach Bensheim. „Keine Gnade für die Wade“, hat Metz den anspruchsvollen Radmarathon überschrieben. Drei Tage – vom 18. bis 20. Februar – wird er unterwegs sein und dabei den ein oder anderen Alpenpass überqueren. „Das wird hart.“

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Den gesamten Trip wird der 55-Jährige im Homeoffice erledigen. Die komplette Reise findet in der virtuellen Welt statt: Im Keller seines Hauses hat sich der passionierte Hobby-Radler – in- und outdoor – ein Studio eingerichtet mit Greenscreen-Technik und Highend-Indoor-Cycle.

Da helfen, wo Not entstanden ist

Während Metz in die Pedale tritt, bewegt er sich durch die Original-Landschaften und -Streckenprofile. Das Tempo des Videos passt sich über eine Bluetooth-Verbindung der Geschwindigkeit seines Rades an. Der Fahrer bewegt sich in der virtuellen Welt, als ob er in realen Welt auf der Straße unterwegs wäre. Geht es einen Anstieg hoch, ziehen die Bilder langsam vorbei; in einer Abfahrt rauscht das Panorama vorüber.

Intention für die Tour ist eine Spendenaktion. Norbert Metz, bis vor einem guten Jahr als Investmentbanker in Frankfurt und London und heute freiberuflich tätig, will Personen helfen, die durch die Corona-Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten gekommen sind. Für Metz, der tief verwurzelt ist an der Bergstraße, ist es ein Anliegen, sich in diesen schweren Zeiten für in Not Geratene einzusetzen.

Für Menschen aus der Region

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Das Projekt ist gedacht für Menschen aus der Region. Mit dem Bergsträßer Verein „Einfach helfen“ kooperiert er in dieser Sache mit einer Organisation, die sich seit Jahren für Menschen vor Ort einsetzt. Ziel von „Einfach helfen“ ist es laut Definition auf der Vereins-Homepage, „sich für Menschen aus der Region zu engagieren, die unverschuldet in schwierige Lebenssituationen geraten sind und dringend Hilfe benötigen.“ Für das Ansinnen von Metz, schnell und unkomplizierte Hilfe zu leisten, ist der Vereine der richtige Partner. „Das passt exakt.“ Die Spenden sollen direkt an „Einfach helfen“ überwiesen werden.

Die Idee, die Spendenaktion in das Format eines Radmarathons zu packen, speist sich aus mehreren Quellen. Norbert Metz leitet im Auftrag eines Fitnessstudios Indoor-Cycling-Kurse. Corona-bedingt erleben diese Veranstaltungen, die zurzeit ausschließlich online stattfinden, sowie das Segment des Indoor-Cycling generell aktuell einen Boom. „Indoor-Cycling steht exemplarisch für Sporttreiben in der Corona-Zeit, in der Vereine und Sportstudios ihren Betrieb einstellen müssen“, erklärt er seine Wahl.

Von Partnerstadt zu Partnerstadt

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Bei der Streckenführung orientiert sich „Keine Gnade für die Wade“ an der Tour der Hoffnung, die vor einigen Jahren mit einem großen Tross per Fahrrad die Fahrt von Bensheim nach Riva absolvierte und unterwegs Spenden für den Kampf gegen Kinderkrebs einsammelte. Als gebürtiger Heppenheimer nahm Metz eine leichte Korrektur an der Route vor und baute Heppenheims Partnerstadt Kaltern in Südtirol mit ein. „Das musste sein“, erzählt er schmunzelnd. Bei den mehr als zweiwöchigen intensiven Planungen und Vorbereitungen erhielt er Unterstützung von seiner Frau und seiner Tochter. „Ohne Birgit und Emely wäre das alles nicht möglich.“

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Für den Donnerstag hat sich Norbert Metz 200 Kilometer vorgenommen. Von 17.30 bis circa 20.30 Uhr lädt er am morgigen Starttag zudem Radbegeisterte per Zoom-Meeting zum virtuellen Mitfahren zum Timmelsjoch ein. Freitag und Samstag stehen jeweils 220-Kilometer-Etappen auf dem Programm. Wer das Geschehen eher gemütlich verfolgen möchte, kann dies über die drei Tage im Livestream auf YouTube tun.

Zwar ist Metz ein trainierter Pedaleur, für den Tagesausflüge per Rad – etwa nach Straßburg und zurück – kein großes Problem sind. Dennoch hat er Respekt vor den bevorstehenden körperlichen Belastungen. Drei Tage hintereinander über solche lange Distanzen im Sattel zu sitzen, ist für ihn eine neue Erfahrung. Erschwerend hinzukommen die besonderen Strapazen des Indoor-Cycling. „Das ist anstrengender als draußen zu fahren.“ Es fehlen die Frischluftzufuhr und die Kühlung durch den Fahrtwind, der Flüssigkeitsverlust ist groß. Aber: „Wer um Spenden bittet, muss auch etwas leisten.“ Norbert Metz hat sich eingedeckt mit Energieriegeln und -drinks. Je nach Streckenprofil wird er jeden Tag viele Stunden radeln, dabei aber auch immer wieder kurze Pausen einlegen.

Viel Zeit sich zu erholen vom Marathon hat Norbert Metz nicht: Bereits am Sonntagnachmittag muss er den nächsten Indoor-Cycling-Kurs anleiten. „Ich hoffe, dass ich mich bis dahin erholt habe.“

Info: Spenden kann man auf www. einfach-helfen-bergstrasse.de

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