Lieblingsplatz - Am Bibliser Gemeindesee klärt der Kandidat schwierige Fragen mit sich selbst Scheib will „alte Gräben zuschütten“

Von 
Martin Schulte
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Volker Scheib am Gemeindesee, ältere Bibliser sagen „Kiesloch“. Hier lässt der Kandidat seine Gedanken schweifen. © nix /sm

Biblis. Der Mann ist wirklich schlagfertig. Klar, als Schmied muss er das sein. Sonst lässt sich das Eisen nicht formen. Nein, im übertragenen Sinne natürlich. Wir treffen den Bürgermeisterkandidaten Volker Scheib an seinem Lieblingsplatz in Biblis, dem Gemeindesee, fünf Gehminuten von Haus und Werkstatt in der Kirchstraße entfernt. Wir wollen dem Menschen näher kommen, der hinter den Versprechungen in seinen Broschüren steckt.

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Bei der Begrüßung sagt der Redakteur, heilfroh, dass der Hüne den Druck dosieren kann: „Menschenskinder, da hätte man locker zwei Hände draus machen können.“ Wie aus der Pistole geschossen kommt zurück: „Stimmt, aber so habe ich eine, mit der ich auch was anfangen kann.“ Scheib hat einen spitzbübischen Humor – weiter drinnen wälzt er tiefgründige Fragen. Sie drehen sich meistens um gesellschaftliche Vorgänge, um Menschen.

Um Antworten zu finden, geht der 57-Jährige an den See, das „Kiesloch“, wie die Bibliser sagen. Auf der Bank dort herrscht Ruhe, von den Geräuschen der Natur einmal abgesehen hört man nur ab und zu den Zug vorbeifahren. Außer dieser Ruhe erwartet Maria ihn dort, eine Figur nahe seiner Bank. Dieser riesige Mensch von einem Handwerker hat eine spirituelle Ader. Ist er religiös? „Vielleicht nicht im klassischen Sinne.“ Scheib sagt, er sei Menschenfreund, der Mensch stehe immer im Vordergrund, und jeder Einzelne verdiene Respekt. „So betrachtet, bin ich religiös.“

Seine Entscheidung zu kandidieren, ist auch am Kiesloch gefallen, zusammen mit Maria. „Das war schnell geklärt“, sagt Scheib. Sie habe ihm bestätigt, dass er triftige Gründe habe. Die Kernfrage sei gewesen „Für wen mache ich das?“ Die Antwort: „Für die Menschen in Biblis, Nordheim und Wattenheim.“ Das sagen alle Kandidaten. „Ich will, dass sich hier etwas verändert.“ Nach kurzer Pause: „Und ich will eine mittlere Katastrophe verhindern.“

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Fangen wir mit damit an: „Wenn Ralph Bühler drankäme, wäre das eine mittlere Katastrophe.“ Ralph Bühler aus Nußloch ist AfD-Mitglied und ebenfalls Bürgermeisterkandidat. „Selbst wenn er absolut passiv nur im Rathaus säße – Biblis würde zur Pilgerstätte für Menschen mit Ansichten, die nicht vertretbar sind“, sagt Scheib. Und Biblis würde ein überaus unrühmliches Vorbild für andere Kommunen werden. „Jeder Bibliser, der bei Bühler sein Kreuzchen macht, muss wissen, ob er das will.“

Scheib lebt schon immer in Biblis. Er kennt die Gemeinde wie seine Westentasche. Und er hat feine Antennen. „Biblis braucht keine weitere Schwarz-Weiß-Konfrontation. Biblis braucht einen, der die alten Gräben zuschüttet und die Hand ausstreckt. Und das bin ich.“ Diese Gräben, erklärt Scheib, gebe es in Biblis seit der Kernkraft. Dafür oder dagegen. Keine Zwischentöne, kein Zuhören, keine offene Kommunikation.“ So, sagt der Kandidat, würden Verwaltungsspitze und Politik eben auch funktionieren. Die Stimme ist jetzt schneidend, das Gesicht gerötet. Das muss Zorn sein.

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Ob der Schmied auch mit Zahlen und Verwaltung kann? „Und ob. Ich mache das täglich, im Beruf oder etwa in bundesweit tätigen Verbänden.“ Zahlen haben für Volker Scheib eine eindeutige Bewandtnis: „Hinter jeder Zahl stehen Menschen. Das darf man nie außer Acht lassen.“ /sm

Redaktion Reporter.